Geilenkirchen: Bagger legt kompletten Teich im Tripser Wäldchen trocken

Geilenkirchen: Bagger legt kompletten Teich im Tripser Wäldchen trocken

Wer den Berliner Ring in Richtung Osten entlangfährt und sich nach links orientiert, der muss annehmen, er fährt gleich in den Wald. Das stimmt nicht ganz, denn hinter der grünen Wand befindet sich ein Baugebiet, das man wohl zu den schönsten in Geilenkirchen rechnen darf.

Es ist dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, die das Viertel gerade jetzt im Frühjahr in saftiges Grün tauchen. Und wenn es auch kein Wald ist, so hat man die gewunden verlaufenen Straßen und das ganze Baugebiet doch genauso benannt: Tripser Wäldchen.

Zum schönen Gesamtbild gehören auch drei Teiche, die nebeneinander dort liegen, jeder von ihnen dürfte um die 50 Meter lang sein. Den Teich, der am weitesten westlich liegt, hat die Stadt Geilenkirchen vergangene Woche mit einem Bagger zerstört. Warum?

Diese Frage stellen die Geilenkirchener Grünen. Die Ratsleute Rainer Jansen und Jürgen Benden wurden am Wochenende von Anwohnern auf das Geschehene aufmerksam gemacht. Sie informierten dann ihrerseits unsere Redaktion. „Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung darüber, was hier passiert ist. Wir wollen genau wissen, was der Hintergrund dieser Aktion ist“, kündigt Jürgen Benden an. Er brachte schon für die Sitzung des Bauausschusses einen Fragenkatalog ein.

Mit bloßem Auge lässt sich Folgendes rekonstruieren. Wohl per Bagger wurde kräftig in dem Teich herumgefuhrwerkt. Das verraten die Abdrücke an den Ufern. Tief haben die Zähne der Baggerschaufel sich eingegraben. Die Schaufel zerriss dann allerdings auch die Kunststoffplanen, die dafür gesorgt haben, dass das Regenwasser an der Stelle einen Teich bildet und nicht einfach versickert. Jetzt ist das Wasser weg. In den letzten Pfützchen schimmert ein Ölfilm in der Sonne.

Tiere sind bis auf ein paar vereinzelte Kaulquappen am Montagmittag nicht zu erkennen. Am Morgen waren vor Ort noch einige etwas ratlos im Matsch kauernde Frösche und eine Wasserschlange anzutreffen, wie Jürgen Benden filmisch und fotografisch dokumentiert hat. „Wir sind einfach ziemlich sprachlos“, gestehen er und Rainer Jansen. Antworten verlangen sie vor allen Dingen vom zuständigen Dezernenten, dem Technischen Beigeordneten Markus Mönter.

Ein Betriebsunfall?

Dieser hat sich am Montag gegenüber unserer Zeitung bereits geäußert. Er spricht von einer Unterhaltungsmaßnahme, die der Bauhof vornehmen sollte, gibt aber zu, dass diese nicht nur die Auswirkungen hatte, die man sich von ihr versprochen habe. Die Bagger hätten eigentlich Wasserpflanzen beseitigen sollen.

Nicht geplant gewesen sei jedoch, dass anschließend der ganze Teich abfließt. Man habe angenommen, dass der Teich sich durch eine Lehmschicht gebildet habe. Über die Plastikfolien hätten die im Rathaus vorliegenden Unterlagen keinen Aufschluss gegeben. Vor zwei Jahren hätte man die Pflanzen schon einmal entfernt, damals sei alles gut gegangen, erinnert sich Mönter.

Dieses Mal, man kann es nicht anders sagen, wurde aus der Instandhaltungsmaßnahme eine Vernichtungsmaßnahme. Nach Mönters Darstellung also eine Art Betriebsunfall.

Doch warum wurde der Bauhof überhaupt auf den Plan gerufen? Markus Mönter erklärt zu dieser Frage am Montag, dass der besagte Teich deutlich kleiner gewesen sei als die beiden anderen, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Dies habe dazu geführt, dass er immer wieder zugewachsen sei. Auch hätten sich Frösche in großen Mengen angesiedelt, die immer wieder massive Beschwerden von Seiten der Anwohner nach sich gezogen hätten.

Der eigentliche Grund für das Entfernen der Wasserpflanzen seien aber die negativen Auswirkungen auf die Wasserqualität gewesen. Einen objektiven Nachweis dafür gibt es nicht, räumt Mönter ein. Man habe zwar eine Probe genommen, diese aber nicht ins Labor geschickt, weil man selbst zu dem Schluss kam, dass das Wasser nicht in Ordnung sei. Auch dieser Aspekt dürfte weitere Fragen der Grünen nach sich ziehen.

Die Angelegenheit reiht sich ein in mehrere vergleichbare Vorkommnisse der vergangenen Jahre. Einmal verschwanden mehrere große Bäume vom Johann-Plum-Platz in Bauchem, ohne dass dies hinterher in einer Weise begründet wurde, die für die Grünen zufriedenstellend gewesen wäre. Dann sorgte eine verschwundene Hecke an einem Baugebiet für Diskussionen, die sich über Monate zogen. Nun also der Teich im Tripser Wäldchen.

Neu ist dieses Mal, dass die Verwaltung zumindest einen technischen Fehler zugibt. Es ist fraglich, ob die Grünen sich mit dieser Erklärung zufrieden geben. „Wenn wir von der Verwaltung Aufklärung fordern, laufen wir immer wieder vor eine Mauer, es wird sich rausgeredet, es wird schöngeredet“, ärgert sich Jürgen Benden. „Wir können die Leute nur ermutigen, sich weiter an uns zu wenden, wenn ihnen solche Dinge auffallen.“

Beigeordneter Mönter sieht nun vier Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen. Erstens: Der Teich wird mit einer neuen Lehmschicht wiederhergestellt. Zweitens: Der Teich wird mit einer neuen Folie wiederhergestellt. Drittens: Man wartet erst einmal die nächsten Regenfälle ab, um zu sehen, ob sich praktisch von selbst wieder eine Verdichtung einstellt. Und viertens: Der Teich wird auch mit Blick auf die Probleme der Vergangenheit aufgegeben und zu einer Mulde gemacht, durch die das Regenwasser nur noch durchfließt.

Die letzte Möglichkeit dürfte den Grünen am wenigsten gefallen.

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