Geilenkirchen: Autofahrer verfolgt, angehalten und mit Besenstiel geschlagen

Geilenkirchen: Autofahrer verfolgt, angehalten und mit Besenstiel geschlagen

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Unfallflucht und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr verhandelt das Geilenkirchener Schöffengericht seit dem 10. September. Vorgeworfen werden diese Taten dem 27-jährigen Niederländer Johannes M., der diese Taten am 26. Oktober 2011 verübt haben soll.

Nach der Anklage soll sich Folgendes zugetragen haben: Die Zeugen und Geschädigten Artur H. (sen.) und Artur H. (jun.) fuhren, gemeinsam mit den 25-jährigen Zwillingsschwestern Eleonora und Alexandra K. nach Gangelt, um dort die Tochter des Artur H., Anna Maria H. abzuholen.

Unterwegs soll der Angeklagte mit seinem grauen Toyota hinter ihrem Fahrzeug aufgetaucht sein und habe aus unerfindlichen Gründen häufiger gehupt. Bei einem anschließenden Stop beider Wagen habe Johannes M. den Sohn Artur H. mehrfach mit einem Stock geschlagen.

Es sei zu einer Auseinandersetzung gekommen. Anschließend soll der Angeklagte in sein Auto gestiegen und mindestens zwei mal mit hoher Geschwindigkeit auf die Zeugen zugefahren sein, offenbar in der Absicht diese umzufahren.

Artur H., der Jüngere, habe sich nur durch einen Sprung nach hinten retten können. Bei seinem fluchtartigen Verlassen des Tatorts soll Johannes M. noch zwei geparkte Fahrzeuge beschädigt haben, ohne sich darum zu kümmern.

Konträre Ansichten

Da alle Tatbeteiligten niederländische Staatsbürger sind, wurde eine Dolmetscherin hinzugezogen. Der Angeklagte schilderte die Tat ganz anders. Das Fahrzeug der Zeugen habe sich plötzlich während der Heimfahrt von seinem Studienort Maastricht zu seiner Großmutter vor seines gesetzt.

Der jüngere Artur H. habe dann „so Bewegungen“ in seine Richtung gemacht. Das Fahrzeug sei immer wieder langsamer geworden. Als es stehen blieb, sei er zunächst planmäßig tanken gefahren.

Auf dem Rückweg traf er das andere Fahrzeug erneut stehend am Straßenrand vor und habe angehalten, woraufhin die beiden Männer ausgestiegen und auf ihn zugegangen seien. Er habe Angst bekommen, schließlich sei er alleine gewesen, und habe deshalb einen Besenstiel aus dem Kofferraum genommen.

Diesen habe ihm der Jüngere entwendet und zerbrochen und ihn, den Angeklagten, damit mehrfach geschlagen, als der nach dem sich einstellenden Gerangel zu seinem Auto zurücklaufen wollte.

Eine Zeugin habe das Geschehen gesehen und gerufen, sie hole die Polizei, woraufhin sie vom jüngeren Artur H. mit dem Ausruf: „Ich weiß jetzt wo Du wohnst, ich mach dich kaputt“ bedacht worden sei. Durch diese Ablenkung will Johannes M. in sein Auto gelangt sein und habe versucht, damit wegzufahren. Artur H. (jun.) habe ihm den Weg versperrt.

Deshalb sei ein weiteres Zurücksetzen nötig gewesen, wobei er eventuell ein Fahrzeug berührt haben mag. Das habe er nicht gemerkt.

Mit dieser Darstellung war es jedoch nach der Aussage der darauffolgend vernommenen, bereits angesprochenen Anwohnerin, Stefanie B., die die tätliche Auseinandersetzung deutlich mitverfolgen konnte, vorbei. Sie schilderte, geschockt von der Intensität der beobachteten Vorgänge und offenbar nicht ganz unvoreingenommen, vier Männer und zwei Frauen gesehen zu haben, unter denen ein Konflikt ausbrach.

In diesem Zusammenhang sei es eindeutig der Angeklagte gewesen, der heftig mit dem Besenstiel auf den jüngeren Artur H. eingeschlagen habe. Anschließend habe Johannes M. noch versucht, den jungen Mann zu überfahren. Von einer Drohung seitens Artur H. gegen sie selbst wusste Stefanie B. nichts.

15 Minuten verfolgt

Vier weitere Zeugen, alle Insassen des Autos, bestätigten die Ausführungen, wenn auch gelegentlich Ungereimtheiten auftauchten. So soll der Angeklagte etwa eine Viertelstunde lang hupend, gestikulierend und telefonierend hinter den Zeugen her gefahren sein, habe diese schließlich überholt und sei nach einer Wendung frontal auf sie zugefahren.

Irgendwann sei er abgebogen, habe aber, nachdem die Zeugin Anna Maria H. eingestiegen war und die Fahrt fortgesetzt wurde, am Straßenrand gestanden und angezeigt, die Zeugen mögen anhalten. Als sie dem Folge leisteten, sei er mit einem Besenstiel auf die ausgestiegenen Vater und Sohn zugegangen und habe auf diese eingeschlagen.

Die Verletzungen wurden von der Polizei dokumentiert. Übereinstimmend berichteten die Zeugen, dass ein weiterer, vermutlich vom Angeklagten telefonisch vorher hinzu gerufener, junger Mann mit einem silbermetallic farbenen Peugeot am Tatort anwesend war, auch wenn der Angeklagte dessen Existenz leugnete. Manche Zeugen wollten gesehen haben, dass dieser weitere Beteiligte auf den Vater, Artur H., eingeschlagen habe.

Dem widersprach jedoch genau dieser Zeuge und entlastete den nicht angeklagten Fahrer des Peugeots. Artur H., 52 Jahre, Jurist, sagte aus, er „könne gegen diesen jungen Mann nichts sagen“, der habe auch nicht gewusst, was überhaupt los sei und wollte die Kontrahenten trennen.

Den Angeklagten beschrieb er als „sehr aggressiv“, als „ein Monster“, das „mit großen, stark geröteten Augen“ so auf ihn eingeschlagen habe, dass der Besenstiel zerbrach. Der oft etwas schwerfällig wirkende Zeuge litt sichtbar darunter, bis heute das „Warum“ des ganzen Vorfalls nicht verstehen zu können.

Die Beschädigungen an den Autos beim Verlassen des Tatorts wurden von den Zeugen bestätigt, aber auch gesagt, dass diese für Johannes M. nicht zwingend wahrnehmbar waren. Auch schilderten alle Betroffenen, vom Vorsitzenden Richter Thomas Schönig befragt, dass der Angeklagte auf Artur H. zugefahren sei, aber selbstständig abgebremst habe. Die immer wieder erfragte Kernaussage war diesbezüglich: „Hätte Johannes M. Artur H. umfahren können, wenn er gewollt hätte?“

Da noch drei weitere Zeugen gehört werden sollen, von deren Existenz erst im Verlauf der Sitzung Kenntnis erlangt wurde, wurde noch kein Urteil gefällt. Dies wird am Fortsetzungstermin am 1. Oktober um 13 Uhr im Amtsgericht Geilenkirchen erwartet.

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