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Blutspendeaktion in Geilenkirchen: Ausreden ziehen im Forum nicht

Blutspendeaktion in Geilenkirchen : Ausreden ziehen im Forum nicht

Zum 7. Mal veranstalten die Berufskollegs in Geilenkirchen gemeinsam eine Blutspendeaktion. 116 Schülerinnen und Schüler haben dabei gespendet.

Das Unfallopfer, das in den Schockraum der Klinik gebracht wird, hat viel Blut verloren. Ohne Blutkonserven wird es nicht überleben. Und auch wenn keine Zeit für eine Blutgruppenbestimmung bleibt – eine Blutgruppe passt immer: Null negativ. Sie ist mit allen Blutgruppen kompatibel und wird deswegen insbesondere in der Notfallmedizin eingesetzt. Nur sechs Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung besitzt die Blutgruppe Null mit dem Rhesusfaktor negativ. Saskia Kutzera gehört zu dieser Gruppe.

Die 19-Jährige ist durch Zufall darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie eine sehr seltene Blutgruppe hat und wie wichtig ihr Blut ist. Seitdem geht sie dreimal im Jahr zur Blutspende. „Auch wenn es manchmal wirklich umständlich ist, das mit den eigenen Terminen, Schule und Schichten zu vereinbaren“, sagt sie.

Termindruck, Stress, Bequemlichkeit, der innere Schweinehund, der sich nicht überwinden lässt. Ohne diesen Ballast wären sicher viel mehr Menschen so regelmäßige Blutspender wie Saskia Kutzera. Wie praktisch also, wenn der Spendenwillige nicht zur Blutspende gehen muss, sondern das Team vom DRK-Blutspendedienst-West direkt zu ihm kommt – und am es am Ende so bequem ist, dass Termindruck und Stress gar keine Rolle mehr spielen. Wie für Saskia Kutzera und die übrigen Schüler der Berufskollegs Wirtschaft und Ernährung, Sozialwesen und Technik, die lediglich noch den inneren Schweinehund überwinden und den Weg vom Klassenraum ins Forum des Berufskollegs EST finden müssen, um mit einem kleinen Piks zum Lebensretter zu werden.

Für Vera Sievert vom DRK-Blutspendedienst West ist der Termin im Berufskolleg immer ein wichtiger. Foto: Vera Sievert

Zum bereits siebten Mal hatten die Schülervertretungen der beiden Berufskollegs die Blutspendeaktion gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst West in diesem Jahr organisiert. Und wieder einmal floss im Forum das Blut in Strömen. 168 Schüler hatten sich im Vorfeld zur Spende angemeldet.

116 brachten dann am Aktionstag tatsächlich alle nötigen Voraussetzungen mit, um zur Ader gelassen zu werden. 44 davon waren Erstspender. Eine von ihnen war Mariola Grzybowska. Spenden wollte die 18-Jährige schon lange. Zuerst durfte sie nicht, weil sie noch nicht volljährig war, in den vergangenen Monaten kam ihr dann bei den öffentlichen Terminen des DRK-Blutspendedienstes immer etwas dazwischen. „Deshalb ist es unheimlich praktisch, dass der Termin heute in der Schule ist. Das gibt einem noch einmal den nötigen Anstoß, einen kleinen Schubs“, sagt sie. Ein bisschen mulmig war ihr schon vor dem Piks, aber beim Arzt hat sie in ihrem Leben schon genug Blutabnahmen gehabt. „Es tut nicht weh und ich kann mit dieser Aktion ohne viel zu tun einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten“, findet sie.

„Der Termin im Berufskolleg ist für uns immer ein besonders wichtiger“, betont Vera Sievert vom DRK-Blutspendedienst West. Eine konzentrierte Aktion wie in einer Schule bringe so viele neue Erstspender, wie es eine reguläre Aktion nicht zu können vermag. „Junge Spender sind enorm wichtig, da viele unserer langjährigen Blutspender nun nach und nach aus Altersgründen aus dem Pool der Spender ausscheiden“, erklärt Sievert. Für sie und den Rest des rund 20-köpfigen DRK-Teams, das aus Breitscheid angereist ist, ist dies der wichtigste Termin des Tages.

Mariola Grzybowska war eine von 44 Erstspendern am Aktionstag im Berufskolleg. Foto: Nicola Gottfroh

„Der DRK-Blutspendedienst West ist für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln zuständig – in diesem Bereich kommen wir täglich auf 700 bis 1000 Spenden. Man kann sich vorstellen, wie wichtig nun dieser eine Termin in Geilenkirchen ist, bei dem wir jedes Jahr zwischen 150 und 200 Spenden erhalten“, betont Sievert. „Blut ist Mangelware, und mit einer Spende wird man zum Lebensretter. Immerhin: nur ein halber Liter hilft drei Menschen“, erklärt die Expertin.

Nur wünscht sie sich, dass mehr junge Menschen von sich aus dran bleiben am Thema Blutspenden. „Manchen fehlt noch der lange Atem. Jede Spende ist toll und wichtig, nur wäre es schöner, wenn die jungen Leute nicht nur bei der Schulaktion einmal im Jahr, sondern von sich aus auch zu anderen Spendenaktionen gingen“, sagt sie.

Dass es am Ende des Aktionstags in diesem Jahr „nur“ 116 Spenden sind, die der DRK-Blutspendedienst mitnehmen kann, ist auch dem Orkantief Sabine geschuldet. Denn die alljährliche vorhergehende Informationsveranstaltung zur Blutspendeaktion war just an dem Tag angesetzt, als der Sturm durch die Region fegte und die Schulen geschlossen blieben.

SV-Lehrerin Heike Poth hat den Aktionstag vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Foto: Nicola Gottfroh

„An der geringeren Zahl der Vorabanmeldungen im Vergleich zu den Vorjahren kann man erkennen, wie wichtig die Information im Vorfeld ist“, erklärt SV-Lehrerin Heike Poth, die den Aktionstag vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat und die die gemeinsame Blutspendeaktion der beiden Schulen zusammen mit den SV-Lehrerinnen Ursula Göricke, Marisa Blischke und Jennefer Vassiliadis koordiniert.

„Zudem gab es auch einige Schüler, die noch gar nicht 18 Jahre alt waren und deshalb kein Blut spenden durften“, betont Poth.

Die 44 Willigen, die nicht spenden durften, hatten immerhin schon mal die Gelegenheit, sich bei der Deutschen Stammzellenspenderdatei registrieren zu lassen. Diese sorgt für die Typisierung, um Menschen zu helfen, die an Blutkrebs erkrankt sind. Mit ihrem Blut werden die Jüngeren dann im nächsten Jahr zum Lebensretter.

Oder sie gehen gleich nach ihrem 18. Geburtstag zum nächsten öffentlichen Termin des DRK-Blutspendedienstes in der Region. Vorausgesetzt, der innere Schweinehund lässt sich dann auch noch so leicht überwinden.