Geilenkirchen: Ausnahmepianist zu Gast: Leon Buche spielt beim Klaviersommer

Geilenkirchen: Ausnahmepianist zu Gast: Leon Buche spielt beim Klaviersommer

Dass Klassik-Interpreten immer auch früh schon zu echten Persönlichkeiten reifen, durften die Gäste beim gut besuchten dritten Konzertabend des „Klaviersommers Geilenkirchen“ erleben. Florian Koltun freute sich sehr, mit Leon Buche einen Ausnahmekönner seines Fachs präsentieren zu können. „Dabei sagte Leon aber nur seinen Auftritt zu, wenn er auch moderne Stücke spielen darf“, so Koltun.

Und das durfte er, und wie: Wer jetzt einen Parforceritt durch atonale Klanggebilde erwartete, sah sich mehr als nur angenehm enttäuscht. Der 1988 geborene Leon Buche tauchte ab in die tieferen Sphären der Tastenarbeit, er ließ tief über der beeindruckenden Klaviatur des gigantischen Kawai-Konzertflügels gebückt seine Finger schweben, zappeln und gleiten, ganz so, wie es seine Idee des jeweiligen Stücks vorgab.

Die Auswahl hatte es in sich: Neben einer Suite für Piano aus der Feder des Interpreten und mit dem vielsagenden Titel „True Classic“, das sich mit Anleihen durch das bewegte, was Pianisten im Allgemeinen von klassischen Kompositionen erwarten, gab es noch mehr zu hören: etwa Katy Perrys „Firework“ in einer packenden Pianovariation oder auch Rachmaninows Sonate Nr. 2 in b-Moll.

Bewegend, tief berührend war das Spiel des gebürtigen Bremers, der schon mit vier Jahren seinen ersten Klavierunterricht bekam. Warum er im zarten Alter von nur acht Lenzen schon die Aufnahmeprüfung als Jungstudent im Fach Klavier an der Fachhochschule für Musik in Berlin bestand, zeigte seine tief mit dem Gespielten verwachsene Klangwelt.

So hielt Leon Buche beispielsweise bei Janáceks anspruchsvoller Sonate „Von der Straße“ inne, ließ scheinbar seine Gedanken und die Töne schweben, richtete seinen Blick empor an die Decke der Aula der Städtischen Realschule am Gillesweg, um mit dem nächsten kraftvollen Ton die rhythmische Gewalt wieder an sich zu reißen.

Und passend zum tiefschwarz glänzenden Outfit des edlen Musikinstruments schuf Buche in stillen Passagen eine selten gehörte Schwärze im Klang, wie es eben nur allerbestens abgestimmte Live-Konzerte oder auf Perfektion fokussierte Reproduktionen ermöglichen.

Auf diesem Fundament baute Leon Buche ein erzstabiles, dennoch fragiles Klangbild auf, das sich den Schwung beispielsweise der „Impressoes Seresteiras“ von Villa-Lobos oder den Etüden-Charakter Ligetis nicht nehmen ließ.

Klar war am Ende des Konzertabends, dass die Menschen in Geilenkirchen hier einem wirklichen Ausnahmetalent der modernen Klassik lauschen durften.

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