Geilenkirchen: Ausgemustertes Nato-Flugzeug soll nach Geilenkirchen locken

Geilenkirchen: Ausgemustertes Nato-Flugzeug soll nach Geilenkirchen locken

Es war von Visionen die Rede, von Leuchtturmprojekten, gar von einer „Triple-win-Situation“. Fast schon als elektrisiert könnte man die Stimmung beschreiben, die am Mittwochabend im Geilenkirchener Ratssaal herrschte.

Was war passiert? Eine Idee wurde vorgestellt. Es ist eine vage Idee, nicht zu Ende gedacht — und dennoch sorgte sie für Begeisterung quer durch die Fraktionen. Bürgermeister Georg Schmitz hatte seinen ehemaligen Wahlkampfmanager Albert Baeumer in die erste Reihe geschoben, er präsentierte in zwei Vorträgen einen „Konzeptentwurf zur Entwicklung der Innenstadt“, wie es die Tagesordnung verriet.

Die Lösung soll zweigeteilt sein. Als „Alleinstellungsmerkmal“ für die Stadt soll eine ausgemusterte Awacs-Maschine von der Nato-Airbase die Menschen anlocken. Standort für den neuen Touristenmagneten könnte eine Wiese in der Nähe des Wurmauenparks sein, dort gastiert derzeit ein Zirkus.

Alleinstellungsmerkmal

Dieses Grundstück müsste gepachtet oder gekauft werden. „Die Nato könnte das Flugzeug kostenfrei zur Verfügung stellen“, erklärte Baeumer. Dass dies so kommt, ist nicht gewiss, denn dem müssten alle 16 am Nato E-3A-Verband beteiligten Nationen erst zustimmen. Es gab allerdings bereits ein Gespräch zwischen Schmitz und dem Kommandeur Brigadegeneral Karsten Stoye.

„Er hat ein positives Signal ausgesendet“, berichtete der Bürgermeister. Das auf Stahlstützen stehende Flugzeug könnte als Museum, Café, Restaurant oder Veranstaltungsort dienen. Und es soll als „Alleinstellungsmerkmal“ helfen, mehr Menschen in die Stadt zu locken. Welche andere Stadt hat schon eine Boeing 707 im Park stehen?

Der Köder wäre damit ausgelegt, bliebe Schritt zwei des Plans. „Das Innovationskonzept zielt in erster Linie darauf ab, Geilenkirchen als Einkaufsstadt nicht nur attraktiver, sondern als Erlebniswelt für potenzielle Besucher und Gäste fühlbar zu machen“, heißt es in der Präsentation.

Angelehnt an die Stadt Bad Münstereifel sollen kleine Marken-Outlet-Center innerhalb des Stadtkerns in leerstehenden Ladenlokalen die Attraktivität Geilenkirchens erhöhen und für neue Besucherströme sorgen. Schlüssel dafür ist ein Investor, der Mieter für die knapp 30 leerstehenden Ladenlokale in der Stadt findet. „Einzellösungen sind hier nicht sinnvoll“, heißt es dazu deutlich in der Vorlage. Immerhin: Neubauten wären nicht erforderlich, das Konzept sieht „eine Revitalisierung der vorhandenen Immobilienstrukturen“ vor.

„Das Konzept hat nicht nur meine, sondern auch die Unterstützung vieler Geschäftsleute. Dort haben wir die Idee schon kurz präsentiert“, berichtete Schmitz. Die Reaktionen aus der Politik fielen geradezu überschwänglich aus. „Chapeau, wenn das machbar ist, dann ist Ihnen tatsächlich ein Geniestreich gelungen“, sagte Christoph Grundmann (SPD-Linke).

Max Weiler (CDU) attestierte: „Da haben Sie einen rausgehauen.“ Gaby Kals-Deusen (Für GK!) gab an, sie sei von positiven Impulsen selten so überrascht worden. Und Wilfried Kleinen (Geilenkirchen bewegen! Und FDP) sagte: „Ich bin froh, dass ich in diesem Rat mal Visionen gehört habe.“ Diese Aussage lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Stadtverordneten normalerweise keine Visionen austauschen.

Knackpunkt Folgekosten

Als Erster fand Jürgen Benden (Bündnis 90/Die Grünen) aus der emotionalen Hochstimmung zurück auf die Sachebene. „Mir hat besonders gut gefallen, dass Tourismus und Wirtschaftsförderung als Ganzes gesehen werden“, resümierte Benden, um dann den Blick auf die vielen Fragezeichen zu lenken, die das „Grobkonzept“ (Baeumer) noch beinhaltet. „Von welchen Summen reden wir denn überhaupt? Das ist doch ein riesiger Kostenaufwand“, bemerkte Benden.

Genau hier dürfte die meiste Arbeit vor der Verwaltung liegen. Denn selbst wenn die Nato das Flugzeug kostenfrei zur Verfügung stellt, müssten der Transport, der Umbau zur späteren Nutzung inklusive Zugängen, etwa über Aufzüge, und der spätere Betrieb dargestellt werden. Dazu käme die Instandhaltung. All das muss jetzt vernünftig kalkuliert werden. „Wenn wir gar nichts unternehmen, ist das für die Stadt der Tod auf Raten“, merkte Helmut Gerads an (Freie Bürgerliste).

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