Geilenkirchen: Asiatische Studenten auf ein Leben in Deutschland vorbereiten

Geilenkirchen: Asiatische Studenten auf ein Leben in Deutschland vorbereiten

„Eine Stadt wie Geilenkirchen darf sich glücklich schätzen, in ihren Mauern derart viele Nationalitäten zu beherbergen“, freut sich Bürgermeister Thomas Fiedler. Mit Staatsangehörigen aus 98 Nationen steht die Kommune im Kreis Heinsberg ganz vorne in der Statistik. Die kulturelle Vielfalt macht sich tagtäglich auch im Stadtbild bemerkbar: Kinder und Jugendliche, Eltern und Großeltern aus aller Herren Länder sind selbstverständlich.

Wer hätte gedacht, dass in der Stadt an der Wurm Menschen aus Afghanistan, Algerien, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, Burkina Faso, Dominikanische Republik, Ecuador, Guinea, Israel, Kirgistan, Kolumbien, Kuba, Mali, Mexiko, Nepal, Peru, Südafrika, Tadschikistan, Taiwan, Usbekistan und Venezuela leben, um nur die exotischsten Staaten zu nennen.

Neben den 16 Nationen beim Awacs-Verband haben die 300 Studenten aus 20 asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Staaten einen großen Anteil am Image Geilenkirchens als internationale Stadt. Die jetzt in Geilenkirchen lebenden jungen Frauen und Männer haben Ende Oktober ihr Studium am Freshman-Institute auf dem Campus Geilenkirchen-Loherhof aufgenommen und sorgen nun dafür, dass die Stadt einen Status als Hochschulstandort genießt.

Professor Hermann-Josef Buchkremer, ehemaliger Rektor der FH Aachen, hatte 2001 die zündende Idee, interessierten Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Heute ist der Gründer und Leiter des Freshman Institutes der FH stolz auf das Erreichte. Sein besonderes Lob gilt dem für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis zuständigen Ausländeramt in Heinsberg. „Das Ausländeramt reagiert schnell und behandelt die Anträge flexibel und unbürokratisch“, so Buchkremer.

Das Ausländeramt kann die Anträge allerdings erst bearbeiten, wenn alle Unterlagen aus dem jeweiligen Heimatland der Studenten vorhanden sind. „Wir versuchen, die Anträge im 10-Minuten-Takt zu bearbeiten“, sagt Peter Jennes vom Ausländeramt dazu. Das Freshman Institut arbeite hier gut mit und bereite einiges vor. Schon im Vorfeld würden Listen der Schüler erstellt, was sehr hilfreich sei. Die Studenten würden mit einem drei Monate gültigen Einreisevisum nach Deutschland kommen.

„Bei uns wird dann der Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gestellt, dazu müssen alle persönlich vorsprechen“, so Peter Jennes. Die Aufenthaltserlaubnis gelte für ein Jahr. Ist der Status für die Studenten erst einmal geklärt, kümmern sich SozialAssistentin Sarah Khaffaf und ein Dutzend studentische Hilfskräfte des Freshman Institutes um die Eingliederung der jungen Frauen und Männer. Ein ausgeklügeltes System haben die Verantwortlichen entwickelt, bei dem die einzelnen Module perfekt ineinander greifen.

Die aus den verschiedenen Ländern anreisenden Studenten werden am Flughafen Düsseldorf oder Köln/Bonn, wenn es sein muss aber auch in Frankfurt, abgeholt und zu den Studentenheimen auf dem Loherhof gebracht. Hier und in Wohnungen im Stadtgebiet werden sie ein Jahr lang leben. In den Folgetagen fahren die Betreuer mit den jungen Leuten zum Ausländeramt nach Heinsberg.

Nun müssen sich die Schüler beim Einwohnermeldeamt in Geilenkirchen anmelden, denn die Stadt ist für die Zeit ihres Freshman-Jahres der Hauptwohnsitz. Auch hierbei werden sie von Sarah Khaffaf und ihrem Team unterstützt, ebenso bei der Einrichtung eines Kontos bei einer der örtlichen Banken. „Ein Konto ist besonders wichtig, damit die Studenten am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, so Sarah Khaffaf. In den ersten Wochen werden die Studenten zudem mit Verkehrssicherheitstraining und „Haushaltsführerschein“ auf Deutschland vorbereitet. Letzteres beinhaltet die Einweisung in die Küchengerätschaften sowie den Einkauf in einem Supermarkt.

Damit die jungen Menschen sich auch ein wenig in ihrer neuen Heimat auskennen lernen, steht eine Stadtführung durch Geilenkirchen auf dem Programm. Dem Studium ist ein Praktikum an der Fachhochschule Jülich oder im Forschungszentrum Jülich angegliedert, an dem pro Trimester rund 70 Schüler teilnehmen. Jeden Morgen fährt ein Bus am Loherhof vor und bringt die Studenten zunächst nach Linnich. Von hier aus geht es weiter mit der Rurtalbahn nach Jülich.

Das Freshman Institute bietet zudem Praktika im Loherhof an, die ebenfalls auf Interesse stoßen. Nach einem Jahr in Geilenkirchen sind die jungen Menschen vorbereitet auf das von ihnen gewählte Studium, das sie dann an die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen führt.

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