AsF Geilenkirchen lädt zur Diskussion in den Bürgertreff

Podiumsdiskussion : Familienfreundliche Arbeitgeber in Geilenkirchen?

Zu einer Podiumsdiskussion hatte die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Geilenkirchen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Familienfreundliche Arbeitgeber in Geilenkirchen“ in den Bürgertreff eingeladen. Die AsF-Vorsitzende Conny Banzet hieß zahlreiche Gäste willkommen, die sich sehr für die Situation von Frauen in der Berufswelt interessierten.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Marko Banzet bemerkte in seinem Grußwort, er habe sich einmal versprochen und den Begriff „arbeitgeberfreundliche Familie“ statt „familienfreundliche Arbeitgeber" verwendet. Banzet: „Das ist zwar das, was wir haben, aber nicht das, was wir haben wollen.“

Sonja Engelmann ist Schriftführerin der AsF und im Ortsvereinsvorstand aktiv. Sie moderierte die in zwei Gruppen aufgeteilte Podiumsdiskussion. Die Teilnehmerrunde 1 bestand aus Christiane Vonderkall (TBZ Meuser, Erkelenz, Teilzeitberufsausbildung), Ulla Sevenich-Mattar (Fachbereichsleitung Kinder- und Jugendhilfe der AWO) und Hanno Frenken (Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH). Die Teilnehmerrunde 2 setzte sich zusammen aus: Silke Dannapfel (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Kreis Heinsberg), Norbert Grimm (Competentia, Kompetenzzentrum Frau und Beruf, Region Aachen) und Brigitte Vosen (Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Eva-Maria Voigt-Küppers, SPD-Landtagsabgeordnete aus Würselen).

Hanno Frenken und Ulla Sevenich-Mattar schilderten die aktuelle Personalsituation im Dienstleistungssektor. Es gebe am Markt keine freien Fachkräfte mehr, so dass die Arbeitgeber immer mehr bieten müssten, um die Mitarbeiter zu binden oder zu gewinnen. Leider treibe es schon so dubiose Blüten, dass im Pflegesektor Headhunter unterwegs seien, um Fachkräfte gegen Bonuszahlungen abzuwerben.

Im Kinderbetreuungsbereich der AWO sei es ähnlich schwierig, Mitarbeiter zu finden, weil es in ganz NRW nur eine einzige Schule gebe, die Lehrpersonal für Erzieher ausbilde. Ausbildungsklassen könnten also aufgrund des Lehrermangels nicht gebildet werden mit der Folge, dass es viel zu wenige Absolventen gebe, als dass die benötigten Kitas versorgt werden könnten. Diesem Mangel entgegenzuwirken müsse das Ziel aller Beteiligten sein, denn so Hanno Frenken: „Wir steuern auf ein Desaster zu, und nichts bewegt sich!“

Christiane Vonderkall schilderte die Option der Teilzeitberufsausbildung. Diese ermögliche es Männern und Frauen in Familienpflichten, sei es Pflege oder Kinderbetreuung, eine Berufsausbildung mit eingeschränkten Anwesenheitszeiten im Betrieb zu machen. Die oft lebensälteren und lebenserfahreneren Auszubildenden seien ein Gewinn für die Betriebe, da sie belastbarer, zielstrebiger und motivierter seien, als beispielsweise Schulabgänger.

Auch Hanno Frenken bestätigt diese These aus eigener Erfahrung. „Ich würde sofort eine Ausbildungsklasse mit 30 Alleinerziehenden bilden, wenn sie sich denn bewerben.“ Diese Erkenntnis sei leider noch viel zu wenig verbreitet, meinte Christiane Vonderkall. Silke Dannapfel erläuterte die Arbeitsmarktsituation im Jobcenter in Bezug auf Alleinerziehende. Vor allem die nicht ausreichende Kinderbetreuung in Randzeiten erschwere Müttern und Vätern eine auskömmliche Erwerbstätigkeit. Oft bleibe dieser Personenkreis trotz möglicherweise vorhandener beruflicher Qualifikation im Minijob hängen. Aufgabe der Beauftragte für Chancengleichheit sei es, zum Beispiel zu Aufbauqualifikationen zu beraten und im Einzelfall auch eine Kinderbetreuung zu organisieren.

Beratung ist auch der Schwerpunkt von Competentia. Das Kompetenzzentrum ist laut Norbert Grimm ein Netzwerkorganisator für Arbeitgeber zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen insbesondere von Frauen.

Die Pläne der Landtagsfraktion in Bezug auf eine Verbesserung der Information über Rechte im Minijob verdeutlichte Brigitte Vosen. Insbesondere müsse Familienfreundlichkeit belohnt werden, nicht unbedingt mit finanzieller Förderung, sondern zum Beispiel mit der Vereinfachung von Antragsvorgaben für Kinderbetreuungsmodelle. Eine eigene Kinderbetreuung im Betrieb einzurichten, scheitere nur zu oft an fehlendem Personal. Auch Tagesmütter könnten diesen Missstand nicht beheben, da die Rahmenbedingungen der Kindertagespflege immer noch nicht so gut seien, dass sich der Einsatz lohne. Insgesamt müsse die Tätigkeit von Tagesmüttern als Beruf anerkannt werden und entsprechend entlohnt werden.

Neben ihrer Podiumsdiskussion veranstaltete die AsF Geilenkirchen im Rahmen der Reihe „Familienfreundliche Arbeitgeber in Geilenkirchen“ mit dem Fokus auf das Thema „Minijobs und Co.“ auf dem Rathausvorplatz einen Infostand. Teilnehmer waren der Tagesmütterverein MATS, die Interessenvertretung der Tagesmütter im Kreis Heinsberg zur Stärkung der Kindertagespflege durch Tagespflegepersonen, der Bildungsträger TBZ-Meuser aus Erkelenz mit Informationen zur Teilzeitberufsausbildung in Kombination mit dem Jobcenter Kreis Heinsberg, die Jusos des Kreises Heinsberg sowie die AsF Geilenkirchen mit Informationen zu Rechten, die Arbeitnehmer im Minijob haben.

Sonja Engelmann stellte fest: „Wir haben auf die Situation der Minijobberinnen und Minijobber aufmerksam gemacht und uns mit den Gründen für und gegen eine geringfügige Beschäftigung auseinandergesetzt. Einerseits besteht die Notwendigkeit flexibler Arbeitszeiten im Hinblick auf die Bedürfnisse von Erziehenden und Pflegenden, andererseits sind die finanziellen Auswirkungen gerade für Frauen in unserer Region erschreckend.“