Geilenkirchen: Arbeit mit besonderen Menschen im Loherhof

Geilenkirchen : Arbeit mit besonderen Menschen im Loherhof

Kaffee und Kuchen, Würstchen vom Grill und Kartoffelsalat, dazu viel Musik: ein Sommerfest, wie so viele in diesen schönen Sommertagen. Diejenigen, die auf dem Gelände des Loherhofes in geselliger Runde zusammen gekommen sind, haben hier ein neues Zuhause gefunden. Es sind Menschen, die an einer chronischen Suchterkrankung leiden.

Überwiegend sind es Alkohol- und Medikamentenabhängige, manche haben auch illegale Drogen konsumiert. Die meisten haben dazu noch eine psychische Erkrankung oder geistige Behinderung. 30 Menschen sind es derzeit, die im Median-Therapiezentrum Loherhof wohnen und ihre Sucht loswerden wollen. Bei diesem Sommerfest haben sie sich nicht nur getroffen, um ein wenig zu feiern: Sie haben ihre Familienangehörigen, Freunde, Bekannten und gesetzlichen Betreuer eingeladen, um ihnen die Einrichtung zu zeigen.

Wer sich an diesem Tag vorstellt, ist Sabrina Sauren, neue Leiterin des Therapiezentrums. Die 36-jährige Sozialarbeiterin und Sozialwirtin ist seit zehn Jahren bei Median beschäftigt und hat in dieser Zeit die Außenstellen in Aachen, Düren und Bergheim aufgebaut und geleitet. Jetzt ist sie die Nachfolgerin des langjährigen Leiters Hans-Rainer Hubbes, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat.

„Jeder Klient bringt seine Stärken mit. Ihre Ressourcen muss man aufdecken und fördern, damit er zu seinem Selbstwertgefühl kommt“, sagt sie mit Blick auf ihre „besondere Arbeit mit besonderen Menschen“. Jetzt, als Leiterin des Therapiezentrums Loherhof Geilenkirchen, mit den Außenstellen in Aachen, Düren und Bergheim, verbringt sie die meiste Zeit naturgemäß an ihrem Schreibtisch. „Früher habe ich viele Jahre Klienten mit Herzblut betreut. Sie alle liegen mir am Herzen“, sagt sie und weiß: „Unterschiedliche Suchtkranke in unterschiedlichen Situationen brauchen unterschiedliche Hilfen.“ Die Arbeit der Einrichtung wird sich auch unter der neuen Leitung nicht verändern, allerdings arbeitet sie an neuen Konzepten, um differenziertere Angebote machen zu können.

Doppeldiagnosen

30 stationäre Plätze für Menschen mit einer Doppeldiagnose stehen im Therapiezentrum Loherhof zur Verfügung. „Meist besteht ein Zusammenhang zwischen Alkohol und Depression“, sagt Sabrina Sauren. Eine Beschäftigung finden ihre Klienten in der Gartenarbeit, in der Hauswirtschaft oder im kreativen Bereich. „Hier bekommen sie eine Tagesstruktur. Für viele ist es bereits eine Herausforderung, morgens aufzustehen und den Tag ohne Drogenkonsum zu überstehen. Es ist der tägliche Kampf mit der Sucht“, sagt die neue Leiterin.

Mit Unterstützung ihres Therapiebegleiters müssten Klienten lernen, mit starkem Willen abstinent zu sein. Sabrina Sauren und ihre Mitarbeiter sehen in ihren Klienten nicht nur den Suchtkranken, sondern den ganzen Menschen. Sie geben Hilfe in vielen Lebenslagen und Alltagssituationen. Dennoch gibt es manches Mal auch herbe Rückschläge. Zur Entgiftung arbeitet das Therapiezentrum eng mit der ViaNobis GmbH Gangelt, mit dem Alexianerkrankenhaus Aachen, dem Klinikum Aachen und mit der LVR-Klinik Düren zusammen. 30 Mitarbeiter stehen Sabrina Sauren für den stationären und heimnahen Bereich zur Seite: Sozialarbeiter, Therapeuten, Hauswirtschaftlerinnen, Heilerziehungspfleger, Ergotherapeuten, Lehrer, Familienhelfer, Pflegepersonal und Verwaltungsmitarbeiter.

Zum heimatnah betreuten Wohnen gehören 30 Plätze in sechs Einzel- und zwölf Doppelwohnungen, die sich ebenfalls auf dem Gelände des Loherhofes, etwa 150 Meter von der stationären Einrichtung entfernt, befinden. Diese Klienten nehmen noch an der Tagesstruktur der stationären Einrichtung teil, werden aber noch in ihrer eigenen Wohnung zwischen drei und acht Stunden in der Woche von Therapeuten betreut. „Diese Menschen vollziehen einen ersten Schritt in die Selbstständigkeit“, sagt Sabrina Sauren.

Bevor es soweit ist, haben die Suchtkranken meist zwischen eineinhalb und fünf Jahre in der stationären Einrichtung gelebt. Einige wenige brauchen über zehn Jahre den geschützten Rahmen. Vier Einzelwohnungen für ambulant betreutes Wohnen unterhält das Median Therapiezentrum auch in der Straße „Zum Kniepbusch“. Betrachtet man das Therapiezentrum Loherhof und die Außenstellen insgesamt, stehen hier 65 Mitarbeiter für 30 stationäre und 200 ambulante Klienten zur Verfügung.

Angebot erweitern

Sabrina Sauren arbeitet derzeit an neuen Plänen: Speziell für Klienten mit einem erhöhten Bedarf an Betreuung baut sie ein Angebot des intensiv betreuten Wohnens auf. Dieses Angebot ist für Klienten gedacht, die nicht mehr stationär untergebracht werden müssen, aber ein recht engmaschiges ambulantes Betreuungskonzept benötigen. Fünf Plätze sind zunächst vorgesehen, das Angebot soll aber erweitert werden. Sauren hofft, durch dieses zusätzliche Angebot Mitarbeitern mit einem befristeten Arbeitsverhältnis einen unbefristeten Vertrag anbieten zu können.

Auch möchte die neue Leiterin die Jugendhilfe weiter ausbauen und kleine stationäre Wohngemeinschaften für junge Menschen mit einer Suchterkrankung einrichten. „Der missbräuchliche Konsum beginnt oft im Alter von zehn Jahren mit starken Auffälligkeiten im Sozialverhalten und im psychischen Verhalten bis hin zu Psychosen“, hat die Sozialarbeiterin festgestellt. Und sie sagt. „Die Zielgruppe wird immer jünger, diesen Bereich müssen wir ausbauen.“

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