Andreas Bingen für Aufbau des Netzwerkes Inklusion in Bundeswehr geehrt

35 schwerbehinderte Mitarbeiter im ZVA : „Die Bundeswehr baut Barrieren ab“

Für den Aufbau des Netzwerkes Inklusion innerhalb der Bundeswehr wurde Hauptfeldwebel Andreas Bingen vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Vier-Sterne-General Eberhard Zorn, mit dem Bestpreis des Generalinspekteurs ausgezeichnet.

Der ranghöchste Soldat der Bundeswehr würdigte mit der gerade erfolgten Preisverleihung die besonderen Verdienste, die sich Andreas Bingen als Schwerbehindertenvertretung beim Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr, das in der Selfkantkaserne in Geilenkirchen stationiert ist, erworben hat.

Der Generalinspekteur hatte dem außergewöhnlichen Engagement und der herausragenden Leistung, mit der Andreas Bingen dem Thema Inklusion innerhalb der Bundeswehr neue Impulse gegeben hat, seine Wertschätzung verliehen. „Schwerbehinderung in Uniform“, meint Andreas Bingen, sei ein Thema, dass sich viele Menschen gar nicht vorstellen könnten.

Barrieren abbauen

Doch gemeinsam mit seinem Kollegen in der Selfkantkaserne, Stabsbootsmann Christian Roscher, der als einer von drei Inklusionsbeauftragten eingesetzt ist, ist es Bingen gelungen, das Thema Inklusion einmal aus einer ganz neuen Perspektive anzuschauen.

„Es ist ein riesen Projekt, das sehr gut ankommt“, sagt Bingen. „Wir machen das mit Herzblut.“ Die Würdigung, die Generalinspekteur Eberhard Zorn ihm und damit dem Projekt zuteil werden ließ, ist natürlich auch Ansporn weiterzumachen.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn (r.), zeichnete das Engagement von Hauptfeldwebel Andreas Bingen (l.) bei einem Festakt in der Berliner Julius-Leber-Kaserne mit dem Bestpreis des Generalinspekteurs aus. Foto: Dettmar Fischer

Das Abbauen von Barrieren gehört zu Bingens Aufgaben. Das ist nicht nur im übertragenen Sinne zu verstehen, sondern auch ganz praktisch.

Die Gebäude der Selfkantkaserne stammen aus den 1970er Jahren, als man über barrierefreies Bauen noch nicht so intensiv nachdachte wie heute. Hinter einer Plane im Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes wird derzeit ein Aufzug eingebaut, um gehbehinderten Menschen den Zugang zu den Büros zu erleichtern.

Doch Andreas Bingen sind die Barrieren in den Köpfen der Führungskräfte und der Mitarbeiter mindestens genau so wichtig, wie die zwischen zwei Stockwerken. Andreas Bingen ist selber schwerbehindert. Wie ihm sieht man auch rund 75 Prozent der 11.000 schwerbehinderten Menschen in der Bundeswehr ihre Schwerbehinderung nicht an. Bingen hat im Laufe des seit zwei Jahren laufenden Projektes sein Konzept zur Integration schwerbehinderter Menschen in die Mitte der Bundeswehr in eine Handakte geschrieben, die Vorgesetzten und Mitarbeitern als Richtlinie zur Umsetzung des Inklusionsgedankens dient. Zudem hat er Pilotschulungen für die insgesamt 103 Inklusionsbeauftragten der Streitkräftebasis, der  Dienstleistungseinrichtung der Bundeswehr, ins Leben gerufen. Zwei dieser Pilotschulungen wurden bereits durchgeführt, die dritte steht kurz bevor.

„Wir sind hier sozusagen die Vorreiter-Dienststelle für alle anderen Dienststellen der Streitkräftebasis“, so Andreas Bingen. Bingen geht es darum, der Unwissenheit über die Leistungsfähigkeit der schwerbehinderten Mitarbeiter zu begegnen, zu sensibilisieren für das, was möglich ist.

Das Zentrum für Verifikationsaufgaben in Geilenkirchen hat derzeit 35 schwerbehinderte Mitarbeiter. Bingen ist überzeugt, dass mit den entsprechenden Hilfs- und Fördermitteln schwerbehinderte Mitarbeiter die gleiche Leistung bringen wie gesunde Menschen, manchmal leisteten sie sogar mehr, als sie selber für möglich gehalten hätten.

„Der Bestpreis des Generalinspekteurs ist eine schöne Bestätigung“, sagt Andreas Bingen, „er zeigt, dass das Konzept aufgeht. Wir spiegeln jetzt das Zentrum für Verifikationsaufgaben in die Streitkräftebasis.“

Im November kommen die nächsten 30 Inklusionsbeauftragten der Streitkräftebasis für drei Tage zur Pilotschulung in die Selfkantkaserne. Die Rückmeldungen der Teilnehmer, die viele Impulse für ihre Arbeit mitnehmen, waren bislang zu 100 Prozent positiv, hatte Andreas Bingen feststellen können. Sein Motto „Nicht klagen, sondern bewegen und machen“ setzt sich durch.„Man muss einfach mal eine andere Brille aufsetzen und eine andere Perspektive einnehmen.“ Ein Rollstuhlfahrer sei doch genauso leistungsfähig wie jeder andere Mitarbeiter, wenn man nur die Bordsteinkante absenke.

Zum Netzwerk, das Andreas Bingen mittlerweile aufgebaut hat, um Probleme schnell und effizient lösen zu können, gehört auch der Behindertenbeauftragte der Stadt Geilenkirchen, Heinz Pütz. Wenn einer nicht wisse, wo Rollstuhlfahrer ein Sportangebot finden könnten, dann wisse es sicherlich der nächste im Netzwerk. Anspruchsvolle Tätigkeiten wie die Mitgestaltung der internationalen Rüstungskontrolle seien auch für schwerbehinderte Mitarbeiter kein Problem, wenn man ihnen den Weg ebne. Andreas Bingen: „Es geht in die richtige Richtung. Die Bundeswehr baut Barrieren ab.“ Und er stellt fest: „Wir haben hier eine Arbeitsumgebung geschaffen, die in der Bundeswehr ohnegleichen ist.“

Mehr von Aachener Zeitung