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Geilenkirchen: Andacht auf dem Jüdischen Friedhof: Gedenken an Opfer der Pogrome

Geilenkirchen : Andacht auf dem Jüdischen Friedhof: Gedenken an Opfer der Pogrome

Der Arbeitskreis Initiative Erinnern Geilenkirchen hat mit einem Erinnerungsgang ein Zeichen gesetzt, das in der Bevölkerung auf große Zustimmung traf. Die Erinnerung an einen der schwärzesten Tage der deutschen Geschichte möchte die Initiative wach halten.

Hans Bruckschen formulierte es bei der Gedenkandacht in der Kirche St. Marien so: „Wir erinnern daran, wie es nicht mehr sein soll.“ Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gilt als schlimmste der Novemberpogrome, sie wird auch als „Reichskristallnacht“ bezeichnet. Juden wurden verfolgt und ermordet, ihre Häuser und Geschäfte demoliert.

Dass auch heute noch Menschen soziale Ausgrenzung erleben, daran erinnerte der katholische Pfarrer Peter Frisch in seiner Gedenkansprache in St. Marien vor vielen Geilenkirchener Bürgern. Er sprach die Flüchtlingsproblematik an und verwies auf die Chance, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Die evangelische Pfarrerin Anna Lungová hielt zusammen mit Pfarrer Frisch die Gedenkandacht. Zum Abschluss der Andacht in St. Marien stimmte der Kammerchor des Gymnasiums St. Ursula Geilenkirchen unter der Leitung von Thomas Gottschalk das „O salutaris hostia“ an. Pia Kreimer und Margaux Marggraf sangen Solopartien.

In St. Marien wurden die Teilnehmer des Erinnerungsgangs mit blauen und weißen, von innen beleuchteten Luftballons ausgestattet. Der Zug ging dann über den Marktplatz zum Synagogenplatz. Hans Bruckschen mahnte angesichts politischer Irrlichter, eigene Lichter gegen das Vergessen zu setzen. „Lasst uns das weitermachen hier in Geilenkirchen“, mahnte er und forderte, den Synagogenplatz als Ort der Erinnerung in einen würdigen Zustand zu versetzen.

Vom Rathaus gehört

Der Ruf wurde wohl auch im Rathaus gehört. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte die Stadtverwaltung, sich des Synagogenplatzes, der sich auf städtischem Grund befindet, annehmen zu wollen. Den Abschluss des Erinnerungsgangs bildete eine Andacht auf dem Jüdischen Friedhof, bei der die leuchtenden Ballons die Dunkelheit erhellten.

(defi)