Geilenkirchen/Bradenton: Amerikaner sucht im Grenzland nach Spuren des Vaters

Geilenkirchen/Bradenton: Amerikaner sucht im Grenzland nach Spuren des Vaters

„Heerlen January 1945“ steht auf der Rückseite eines Fotos, das Dick Groff eines Tages in die Hände fiel. Zu sehen ist sein Vater Richard Groff wie er vor Militärfahrzeugen hockt. Er trägt einen Helm, in der linken Hand hält er eine Zigarette. In seinen Armen zwei Kinder in Wollsachen und Mützen. Vielleicht fünf und sieben Jahre alt. „Wer sind diese Kinder?“, fragte sich der Amerikaner, der in Bradenton/Florida lebt.

Seinen Vater konnte er nicht mehr fragen, weder zu dem Foto, noch zu vielen anderen Punkten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die ihn im Laufe der Jahre immer wieder beschäftigt hatten. Im Jahr 1975 war Richard Groff im Alter von 56 Jahren gestorben.

Leutnant Richard M. Groff, 701. Panzerbatallion, aus Alabama war zuerst in Großbritannien im Einsatz und kam später über Frankreich am 21. Dezember 1944 an die deutsch-niederländische Grenze. Dort wurde das Bild aufgenommen. Möglicherweise in Heerlen, möglicherweise aber auch in Übach-Palenberg oder Lindern, da sich das Panzerbatallion in den darauffolgenden Tagen durch diesen Raum bewegte. Im Dezember 1944 hatte die Ardennen-Offensive begonnen, in Hürtgenwald fielen zu der Zeit Zehntausende Soldaten. Groff und andere GIs erhielten den Befehl, unter dem Titel „Operation Grenade“ Rur und Rhein zu sichern.

Bis zum 24. Februar 1945, bis die Amerikaner die Rur bei Linnich überquerten, war er in keine Kampfhandlungen verwickelt. Wochenlang kämpften sie sich bis zum Rhein durch, im April erreichten sie schließlich die Elbe. Auch nach Kriegsende, bis Mitte 1946, blieb er in Deutschland. Er war in Gotha stationiert.

Währenddessen lernte sein Sohn, der wie er auf den Namen Richard getauft wurde und auf den Rufnamen Dick hört, laufen und seine ersten Worte sprechen. Heute ist Dick Groff jr. 69 Jahre alt und pensionierter Rechtsanwalt. „Ich habe beim Zusammentragen der Erinnerungen an meinen Vater gemerkt, dass ich viele Fragen habe“, erzählt Groff. Vor allem, was die Kriegszeit anbelangt. Über diese sei im Familienkreis nie viel gesprochen worden. Weder in seiner Anwesenheit, noch in der seiner beiden Schwestern. „Ich dachte mir: Vielleicht sind die beiden Kinder von dem Foto noch am Leben und können sich an etwas erinnern“, sagt er weiter. „Ich schätze, dass sie heute um die 70 sind.“

Ein Aufruf in der niederländischen Zeitung „Dagblad de Limburger“ blieb bislang ergebnislos. Vielleicht, weil die Aufnahme doch nicht aus Heerlen stammt. Deshalb hofft Groff nun auf ein Zeichen aus Deutschland.

(vm)
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