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Übach-Palenberg: „Alle Religionen gehören längst zu Deutschland“

Übach-Palenberg : „Alle Religionen gehören längst zu Deutschland“

„Manche Flucht hat kein Ziel, scheinbar keine Zukunft und nur den Wunsch, endlich weg zu sein.“ Mit diesen Worten begann SPD-Stadtverbandsvorsitzender Alf-Ingo Pickartz am Samstag seine Ansprache zum Neujahrsempfang. Wie immer im Januar, luden die Sozialdemokraten alle Interessierten in das Mehrgenerationenhaus (MGH) am Palenberger Bahnhof ein.

Dabei legten sie nur wenig Wert auf die Farbe des Parteibuches, denn ebenso traditionell sind Politiker aller im Stadtrat vertretenen Fraktionen anwesend. In diesem Jahr legte Alf-Ingo Pickartz als erster Sozialdemokrat in der Stadt den Fokus auch nicht so sehr auf lokalpolitische Themen, sondern eher auf den Umgang der Gesellschaft mit der Angst vor möglicher Überfremdung.

Angst vor Veränderung

Pickartz hatte als Gäste Larry Abbas aus dem Senegal und Hussain Shabbir aus Pakistan geladen. „Ich habe die beiden und viele andere besucht, habe mir Zeit genommen“, beschrieb Pickartz seine Begegnungen mit diesen beiden der aktuell 100 Asylsuchenden in der Stadt. Dass es monatlich mehr werden, mag nicht jedem gefallen, so Pickartz weiter, und die „Angst vieler Menschen vor Veränderung ist verständlich“, schloss er.

Doch Angst und daraus resultierende Wut seien Dinge, die Sozialdemokraten verhindern müssten. „Meine Idee ist, einige so zu unterstützen, dass sie in der Lage sind, ihr Wissen weiterzugeben.“ Das Wort Willkommenskultur müsse mit Leben gefüllt werden, gerade angesichts der elf unterschiedlichen Kulturen und Länder in den Unterkünften für Asylsuchende in der Stadt. „Zeigen wir ihnen unsere Stadt und lassen sie früh an unserem Leben teilhaben“, rief Pickartz, „nur so erzeugen wir Dankbarkeit und Aufgeschlossenheit für unsere Werte.“ Letztere an der Religion festzumachen, hielt Alf-Ingo Pickartz allerdings für wenig zielführend, „denn tatsächlich gehören längst alle Religionen zu Deutschland, und das ist gut so.“

Natürlich ließ er als Stadtverbandsvorsitzender der Sozialdemokraten auch die Stadt nicht ganz außen vor. In Sachen Haushaltszustimmung der Fraktion sah er mit Investitionen in Gebäude und Sanitäreinrichtungen einen ersten Schritt getan, um die Schulen langfristig zu sichern. Dennoch wünschte er sich eine verbesserte Schulsozialarbeit, weniger Unterrichtsausfall und ein Plus bei der Förderung der Jugendarbeit. „Das Mehrgenerationenhaus bietet doch gute Voraussetzungen“, so Pickartz weiter, „es ist schade, dass hier nicht mehr passiert.“

Einen Seitenhieb auf das ewige und mittlerweile umgesetzte Ziel der CDU in der Stadt, die Aachener Straße zu öffnen, verkniff er sich nicht. „Hätten die Mittel nicht bessere Verwendung in der Beleuchtung eines Basketballplatzes oder im Bau einer Mountainbikestrecke gefunden?“, fragte er. Und in Sachen grüner Stadt konnte Pickartz außer den Pflanzaktionen im Bürgerwald kein Projekt erkennen, das die Aufmerksamkeit von Nachbarkommunen auf sich zöge. So fallen beispielsweise auch die schönen Kastanienbäume an der Boschelner Hauptschule einem Immobilienprojekt zum Opfer. „Meine Idee einer Grünanlage in Wohngebieten, in der auch Schrebergärten und Kleinstbiotope angesiedelt werden, fällt wiederholt dem Pragmatismus zum Opfer“, schimpfte Pickartz. So gehe die Identität der Stadt verloren, obwohl mit dem Erbe des Bergbaus und der landwirtschaftlichen Tradition durchaus Anknüpfungspunkte vorhanden wären. „Sie aufzunehmen und mit der Moderne zu verbinden, wird unsere Aufgabe sein“, schloss Pickartz.

Nach dem Gastgeber kam auch Bundestagsabgeordneter Norbert Spinrath zu Wort, der in seinen Grußworten, die länger dauerten als die Rede des Vorsitzenden, einen thematischen Rundumschlag von der lokalen zur Bundespolitik zelebrierte.

(mabie)