Geilenkirchen: Abschied von einer Institution

Geilenkirchen: Abschied von einer Institution

KGS-Schulleiter Dr. Paul Mohr gab bei „Google” den Namen Heribert Zillgens ein und wurde fündig. Im World-Wide-Web stieß er auf einige Einträge über seinen Konrektor und Kollegen, der jetzt in die Alterszeit verabschiedet wurde.

Von Google habe Mohr erfahren, dass Heribert Zillgens ein einmaliger Mensch und Kollege sei, dass er in den 39 Jahren als Lehrer alleine 33 Jahre an der Katholische Grundschule Geilenkirchen und davon wiederum 28 Jahre als Konrektor gearbeitet hat.

Dies seien zwei Dinge, die ihm, Dr. Paul Mohr, nicht neu erscheinen. „Du hast offensichtlich nur für die Schule gelebt”, bemerkte Mohr bei der Verabschiedung von Zillgens in der Turnhalle der KGS.

Mohr zeigte auch auf, was er beim „Googeln” mit dem Namen Heribert Zillgens in zwei Jahren erwarte: „Fünf Reiseberichte von mindestens zwei Kontinenten, erste eigene und erfolgreiche Zuchtversuche einer neuen Taubenart, drei eigenständig kreierte Kochrezepte mit Zutaten ausschließlich aus dem eigenen Garten und vier Abbildungen eigener Kunstwerke.” Zum Hintergrund: Zillgens möchte sich nämlich mehr seinen Brieftauben widmen, Kochen, Malen und auf Reisen gehen.

Der in die Altersteilzeit gehende Konrektor habe bei der Einladung zur Feier klar den Begriff „Zeit” in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt, war Bürgermeister Andreas Borghorst aufgefallen. „Zeit zu gehen, Zeit um sich zu verabschieden, Zeit um nachdenklich zu werden... Damit haben Sie ein schwer zu fassendes Phänomen in den Blick genommen”, sagte Borghorst zu Beginn seiner Rede. Zeit könne man nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken oder fühlen.

Die fünf Sinne reichten demnach nicht aus, um dieses Phänomen zu fassen. Da helfe vielleicht ein Vierzeiler von Emanuel Geibel weiter: „Die Zeit ist wie ein Bild vom Mosaik; zu nah beschaut, verwirrt es nur den Blick; willst du des Ganzen Art und Sinn verstehen, so musst du„s Freund, aus rechter Ferne sehen.” In diesem Sinne wünschte der Bürgermeister dem scheidenden Konrektor Heribert Zillgens nicht nur die Zeit, sondern auch die notwendige Gelassenheit und den erforderlichen Abstand zu den Dingen, um so in der Lage zu sein, die Zeit zukünftig ganz anders zu nutzen und zu genießen als bisher.

Die kurzweilige Abschiedsfeier wurde gestaltet vom Schulchor unter Maria Slagboom, Lehrkollegen, Förderverein und Schulpflegschaft. Auch seine Abschiedsklasse 4 b beteiligte sich an der Programmgestaltung. Schulamtsdirektor Peter Kaiser sah es als sehr außergewöhnlich an, dass eine Lehrkraft derart lange in einer Führungsposition tätig war. „Was wären Kozikowski und Frau Kraus ohne ihren Heribert gewesen”, fragte sich Schulpflegschaftsvorsitzender Dr. Wilfried Plum.

Und auch sein dritter Schulleiter Dr. Paul Mohr habe bereits die Vorzüge des Kollegen Zillgens kennengelernt. „Eine Institution tritt ab”, sagte Plum abschließend. „Ich bin gerührt. Eigentlich habe ich mir eine kurze Abschiedsfeier gewünscht, jetzt wurde es eine lange, aber schöne”, ergriff Heribert Zillgens das Wort. Es sei eine schöne Zeit gewesen, eine Zeit, die ihm Glück und Zufriedenheit gegeben habe. Nun hieße es Abschied zu nehmen und dazu gehöre auch Danke zu sagen. Er erhoffe sich aber auch eine neue, gesunde Zeit, doch falle Gewohntes aufzugeben schwer, besonders, wenn man es lange getan hat und damit zufrieden war.

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