Geilenkirchen: Abonnenten erkunden Nato-Airbase Teveren

Geilenkirchen: Abonnenten erkunden Nato-Airbase Teveren

Der Flugplan meint es gut mit den 30 Abonnenten unserer Zeitung, die am Mittwochmorgen auf dem Rollfeld der Nato-Airbase in Teveren stehen. Eine der 16 Awacs-Maschinen des E-3A-Verbandes hebt direkt vor ihren Augen ab.

Blicke hinter die Kulissen zu gewähren, das ist der Sinn dieser Touren. Für die notwendigen Informationen sorgt der Mann mit der Berufsbezeichnung „Surveillance Controller“. Hauptmann Wolf-Sören Radtke hat knapp 2000 Flugstunden auf dem Buckel — und er weiß so ziemlich alles über die fliegenden Radarschirme des Verbandes.

Stabsfeldwebel Jürgen Wieczarkowiecz (l.) und Hauptmann Wolf-Sören Radtke (r.) zeigen den Abonnenten eine Awacs-Maschine — inklusive des engen Cockpits (rechtes Bild).

Das Radar auf dem Dach der Boeings hat einen Durchmesser von exakt 9,20 Meter. Dieser sogenannte „Frisbee“ hat auf das Flugverhalten keine Auswirkungen, denn er ist gewölbt wie eine Tragfläche. Während des Fluges dreht er sich sechs Mal pro Minute und ermöglicht so eine 360-Grad-Überwachung des Luftraumes.

Würde man eine E-3 A über Frankfurt am Main parken, könnte man eine Strecke von London bis Prag überblicken. „Wir können alles sehen, was schwimmt oder fliegt“, erklärt Radtke. Wie das geht? „Das Pulsdoppler-Radar ist so etwas wie Ihre Einparkhilfe am Auto“, erklärt er.

Während so ein Radarsystem auf der Erde knapp 400 Kilometer „Reichweite“ hat, ehe die Erdkrümmung zum Problem wird — von Gebirgen ganz zu schweigen — haben fliegende Systeme gravierende Vorteile. So wurden die 18 Awacs-Flugzeuge, die 1982 den Betrieb aufnahmen, zur größten Anschaffung in der Geschichte des westlichen Verteidigungsbündnisses.

3,8 Milliarden Dollar betrugen die Gesamtkosten seinerzeit, berichtet Radtke in seinem Vortrag. Weil ein Standort in Deutschland gesucht wurde, der möglichst weit westlich liegt, fiel die Wahl auf Geilenkirchen. Heute hat der Verband ein Jahresbudget von rund 250 Millionen Euro. Deutschland stellt mit 298 Soldaten 31 Prozent der Kräfte und damit vor den USA (288) die größte Gruppe.

So weit die Theorie. Wie die Arbeit der 16-köpfigen Crew aussieht, das erklären Radtke und Stabsfeldwebel Jürgen Wieczarkowiecz als „Surveillance Operator“ direkt an Bord einer Maschine. Das ist so etwas wie das Paradies für Technik-Nerds. Dabei sehen die Geräte in etwa so aus wie die ersten Computer in den Achtzigern. „Aber von der Übermittlungsgeschwindigkeit träumt jeder Computerspieler“, sagt Radtke. An Arbeitsplätzen, sogenannten Konsolen, überwacht die taktische Besatzung den Luftraum.

Fast 18 Stunden in der Luft

Egal ob G7-Gipfel, Fußball-Weltmeisterschaft, Papstbesuch, Waffenschmuggel nach Libyen oder Naturkatastrophen wie das Oder-Hochwasser — die Dienste der Awacs sind nicht nur in Kriegsgebieten gefragt, aber dort eben ganz besonders. „Mein längster Flug dauerte fast 18 Stunden, das war über Afghanistan“, berichtet Radtke.

Bei aller Faszination für Technik und Fliegerei — die Belastungen der Crew im Ernstfall kann sich keiner der Zeitungsleser wirklich vorstellen. „Unsere Einsätze über Bosnien oder dem Kosovo waren sehr anstrengend und sehr gefährlich“, sagt auch Wieczarkowiecz. Und dennoch: „Ich habe mein Leben ans Fliegen verschenkt.“ Mittlerweile verfügt er über knapp 8500 Flugstunden und zählt somit zu den Spitzenreitern des Verbandes.

Daten im Flug sammeln und sofort zur Verfügung stellen, so könnte man die Mission der Awacs (Airborne Early Warning and Control System) kurz zusammenfassen. „Der Datenlink ist abhörsicher und kann nicht gestört werden“, erklärt Radtke. Wie das geht, bleibt geheim. Immerhin erfahren die Teilnehmer, die aus Düren, Würselen, Aachen und sogar aus der Eifel gekommen sind, dass alle Maschinen das luxemburgische Wappen tragen, denn dort sind die Flugzeuge registriert.

Weil die Luftfeuchtigkeit aufgrund der Technik an Bord nur knapp zehn Prozent beträgt, muss jedes Besatzungsmitglied während eines Fluges drei bis vier Liter Flüssigkeit zuführen. Die Temperatur in der Kabine variiert hingegen: „Das hängt davon ab, ob vorne ein Italiener oder ein Norweger sitzt“, scherzt Radtke. Natürlich gebe es an Bord auch „Kotztüten“, denn speziell beim Betanken in der Luft könne es schon mal kräftig schaukeln. Gegen Übelkeit hat Radtke sein eigenes Geheimrezept: „„Einfach in den Schlaf schaukeln lassen oder eine Kleinigkeit essen.“

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