Späte Verurteilung: 27 Jahre alter Diebstahl landet vor Gericht

Späte Verurteilung : 27 Jahre alter Diebstahl landet vor Gericht

Nachdem der Aktenstaub, der sich in 27 Jahren zwangsläufig angesammelt hatte, verflogen war, verlas Staatsanwalt Kaufmann am Dienstag vor dem Schöffengericht Geilenkirchen  die Anklageschrift.

In dieser wird ein räuberischer Diebstahl beschrieben, der sich am 18. März 1992 in einem Supermarkt in Selfkant-Wehr, gleich an der deutsch-niederländischen Grenze, ereignet hatte.

Den Supermarkt, aus dem der heute 64-jährige, niederländische Angeklagte am 18. März 1992 gegen 12.30 Uhr 18 CDs geklaut hatte, gibt es schon lange nicht mehr. Die dem Schöffengericht vorsitzende Richterin Corinna Waßmuth war damals noch keine Richterin. Und wenn der Angeklagte ein bisschen Schwein gehabt hätte, wäre er wahrscheinlich bis ans Ende seiner Tage von den Folgen seines Diebstahls unbehelligt geblieben.

200 D-Mark Schaden

Das Verfahren hatte sich in die Länge gezogen, da der Name des Niederländers in den Akten falsch vermerkt worden war. So konnte er über die Jahrzehnte nicht ausfindig gemacht werden. Eigentlich wäre der räuberische Diebstahl nach zwanzig Jahren verjährt gewesen. Doch zwischenzeitlich war einmal ein Haftbefehl erlassen worden, der die Verjährung aufgeschoben hatte.

Der Schaden des Diebstahls war mit gut 200 damals noch Deutsche Mark eher im unteren Bereich des Möglichen geblieben. Allerdings hatte sich der Angeklagte dem Versuch eines Supermarktmitarbeiters, ihn festzuhalten, hartnäckig widersetzt, was den einfachen zu einem räuberischen Diebstahl machte. Und für diesen verlangt der Gesetzgeber eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten.  So konnte das Gericht den staubigen Aktendeckel nicht einfach wieder zuklappen. 

Der Angeklagte zeigte sich in vollem Umfang geständig. Kramte in seiner Erinnerung und berichtete, dass er im März 1992 obdach- und mittellos sowie drogenabhängig gewesen sei. Ein bis zwei Gramm Heroin hätte er täglich finanzieren müssen. Da seien Schulden bei seinem Dealer aufgelaufen. Dieser habe ihn zum Supermarkt in Wehr gefahren und ihn zum Klauen in den Markt geschickt.

CD-Klau scheitert an der Kasse

Im niederländischen Grenzgebiet habe es sich damals herumgesprochen gehabt, dass man in diesem Einkaufsmarkt über die Mittagszeit gut klauen könne. Dann sei das Personal in der Mittagspause. Da der Angeklagte aber tags zuvor schon einmal in diesem Markt aufgefallen war, war ein Mitarbeiter doch auf ihn aufmerksam geworden. Der CD-Klau scheiterte im Kassenbereich.

Doch auch der Supermarktmitarbeiter hatte in seiner polizeilichen Vernehmung die Einlassung des Angeklagten bestätigt, dass ihn ein Ellbogen des Angeklagten im Verlauf der Rangelei unbeabsichtigt ins Gesicht getroffen habe. Die fahrlässige Körperverletzung, die somit in Betracht gekommen wäre, war allerdings schon verjährt.

Sechs Monate auf Bewährung

So verurteilte das Schöffengericht Geilenkirchen den Angeklagten wegen räuberischen Diebstahls zur Mindeststrafe von sechs Monaten. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. Für den Angeklagten sprachen unter anderem sein umfassendes Geständnis, sein geänderter Lebenswandel und die Tatsache, dass er die ungewöhnlich lange Verfahrensdauer nicht zu verantworten hat.