Gangelt: 26. Kräuterweihe: Am Ende werden die Zelte doch gebraucht

Gangelt: 26. Kräuterweihe: Am Ende werden die Zelte doch gebraucht

Vom Aufbruch war die Rede, davon, die Menschen neu zu begeistern und mitzunehmen: „Man kann die Zukunft bejammern, oder man kann sie gestalten!“ So sagte es Pastor Andreas Krieg in der Predigt, die er zu Maria Himmelfahrt an der Vintelner Feldkapelle hielt und sich damit auf ein neues Projekt, der Aktion „Lokale Kirchenentwicklung in der Weggemeinschaft“, bezog.

Die Kulisse war wieder einmal malerisch, die sich den gut 300 Besuchern bei der 26. Kräuterweihe in dem kleinen Dorf zwischen Gangelt und Langbroich bot. Nur der Boden war feucht, sehr feucht. Die Wettervorhersage war für diesen Tag entsprechend gewesen und so hatte die Familie Horrichs sicherheitshalber eine ganze Batterie Zelte auf ihrem Hof aufgebaut, um für den Fall von Regenfällen gerüstet zu sein und den Gläubigen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Allerdings war die Mühe der Horrichs nicht vergebens, die Gäste sollten dieses Dach noch brauchen. Wie immer waren die Felder rund um die Kapelle abgeerntet; der Mais stand noch und Schwalben jagten über ihnen Insekten. Die Feldwege aus allen Himmelsrichtungen waren vor der Messe voll mit Radfahrern und Autos wurden sogar unmittelbar vor dem kleinen Backsteinbau aus den 1890er Jahren geparkt.

Als dann die Gruppe der Geistlichen angeführt von Regionaldekan Gottfried Graaff den Feldweg heraufzog, zeigte der wolkenverhangene Himmel schon größere blaue Lücken. Rund um die Kapelle sah es aus, wie in einem Rosamunde-Pilcher-Film. Da klingen die Marienlieder oder ein „Lobet den Herrn“ besonders schön. Musikalisch wurde der Abend von den Kevelaer-Musikern begleitet. Deren Dirigent Josef Lutzenburg hatte allerdings eine Hand zu wenig. Mit der einen hielt er seine Trompete, mit der anderen dirigierte er das kleine Orchester. Eine dritte hätte er gebraucht, um sich die Lindenblüten vom Haupt zu wischen, die im leichten Wind immer wieder aus den drei Bäumen rund um die Kapelle fielen.

Frauen aus den einzelnen Pfarren der Weggemeinschaft trugen die Fürbitten vor und hatten in den Tagen vor dem Fest wieder fleißig Kräutersträuße gebunden, die reißenden Absatz fanden. Nach deren Segnung finden sie oft Einzug in die Haushalte und werden das Jahr über bei Nöten und Krankheit ebenso eingesetzt wie bei Gewitter oder anderen Naturgewalten. Für jede Krankheit gibt es ein Kraut, und die älteren Leute wussten zu berichten, dass beispielsweise früher bei schweren Gewittern alles auf eine Karte gesetzt und der gesamte Strauß im Ofen verbrannt wurde.

„Soweit der Rauch aus dem Kamin herausgeblasen wurde, soweit kam auch nur der Blitz an das Haus heran”, erinnerte sich eine Frau aus Gangelt. Er habe in den anderthalb Jahren seines Wirkens in Gangelt gemerkt, dass „jede der acht Pfarren der Weggemeinschaft einen eigenen Kopf hat“, schmunzelte Pastor Krieg, um dann in Anlehnung an das Evangelium, in dem erzählt wird, wie Maria die schwangere Elisabeth besucht, dazu aufzurufen, „trotz aller Unterschiedlichkeiten gemeinsam im Gebet voranzuschreiten“. In Zeiten, wo auch in der Weggemeinschaft immer weniger Gottesdienstbesucher zu zählen seien, soll die lokale Kirchenentwicklung dem Trend entgegen wirken, das Gemeinsame stärken und neue Wege beschritten werden. „Wir sind nicht nur eine Glaubensgemeinschaft, sondern vor allem eine Gemeinschaft von Menschen!“

Je weiter die Messe unter freiem Himmel fortschritt, desto vernehmlicher wurde das Donnergrollen. Eine Minute nach dem Ende der Messe begann es zu regnen. „So hat es sich doch noch gelohnt, dass wir die Zelte aufgebaut hatten“, erzählt Christel Horrichs, die zusammen mit ihrem Mann Ernst und der Familie am Ende wie immer noch einen geselligen Umtrunk organisierte.