Die Stadt will bauen: 150 Kita-Plätze werden in Geilenkirchen 2020 fehlen

Die Stadt will bauen : 150 Kita-Plätze werden in Geilenkirchen 2020 fehlen

Die Stadt Geilenkirchen will zwei Kindertagesstätten bauen, aber die Bewilligungsbescheide fehlen noch. Bis dahin kann nicht gebaut werden. Eine Gebührenfreiheit soll nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses bis 38.000 Euro eingeführt werden. Das entscheidet aber noch der Stadtrat.

Die Stadt Geilenkirchen erweitert ihr Betreuungsangebot im Kita-Bereich. Dennoch werden im nächsten Jahr mehr als 150 Kindergartenplätze im Stadtgebiet fehlen. Die Verwaltung sieht derzeit auch keine Lösung: „Es ist hart, aber die Eltern müssen warten“, erklärte Hermann-Josef Lehnen, stellvertretender Jugend- und Sozialamtsleiter, in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses.  Zwei Kita-Gruppen, so Lehnen, würden im November An der Friedensburg ihre Arbeit aufnehmen, im Vereinsheim Beeck würden dann zwei weitere Gruppen Ende Dezember in Betrieb gehen. Lehnen stellte fest, dass der Ausbau des Kita-Angebots nicht immer leicht sei: „Baufirmen sind nicht einfach zu finden.“

Der Neubau hinter der Realschule am Gillesweg hänge in der Luft. Weil die Stadt noch auf den Bewilligungsbescheid des Landesjugendamtes warten müsse. „Sobald wir den Bescheid bekommen, können wir anfangen. Ein vorzeitiger Baubeginn wurde abgelehnt“, erklärte er.

Auch der Neubau einer Kindertagesstätte im Neubaugebiet Hünshoven ist noch in der Schwebe. Beigeordneter Herbert Brunen: „Die Vorplanungen finden gemeinsam mit der Lebenshilfe als Träger statt. Wir haben ambitionierte Bauprojekte geplant. Bedauerlich ist, dass auch hier kein Bewilligungsbescheid vorliegt, obwohl wir alle Hebel in Bewegung gesetzt haben.“ Lehnen sagte nochmals vor den Ausschussmitgliedern klar und deutlich: „Wir müssen bauen, können aber noch nicht.“ Ihr Unverständnis über die Situation zeigten die Grünen. Ruth Thelen kritisierte die späte Planung: „Wir schaffen Neubaugebiete, wir wissen, dass die Geburtenrate steigt, da müssen wir auch frühzeitiger in die Planung von Kitas einsteigen.“ Dem widersprach Brunen.

„Es ist anders gekommen, als damals geplant“

Vor einigen Jahren noch sei man davon ausgegangen, dass die Zahl der Kinder sinken oder zumindest stagnieren werde. „Wäre dieser Fall eingetreten und wir hätten trotzdem gebaut, hätten die Träger Probleme bekommen. Damals hat es keine Fördermittelmittel in dem Maße gegeben, wie es sie heute gibt. Es ist anders gekommen, als damals geplant.“ Ausschussvorsitzender Stefan Mesaros (Für GK) unterstützte Brunen: „Keiner hat diesen Bedarf gesehen. Als er da war, hat man sich in unseren Ämtern überschlagen. 150 unversorgte Kinder sind eine fatale Situation, die niemand zu verantworten hat.“ Lehnen wies darauf hin, dass sich die Zahl von 150 erst im nächsten Jahr langsam aufbauen: „Derzeit sind es etwa 30 bis 40 Plätze, die fehlen.“

Wie wichtig der Neubau der Kita in Hünshoven besonders für Kinder mit Förderbedarf im Vorschulalter ist, hatte zuvor Birgit Roye, Leiterin der inklusiven Kindertagesstätte „Triangel“ der Lebenshilfe in Geilenkirchen, dargestellt. Auf Antrag der Grünen gab sie einen Bericht zur aktuellen Situation der Kinder mit Förderbedarf ab und stellte fest: „Zwölf Plätze fehlen derzeit, die Zahl steigt erfahrungsgemäß im Laufe des Kita-Jahres weiter an.“ Die Lebenshilfe habe noch nie so viele Anmeldungen gehabt wie jetzt.

Diskutiert wurden wie in den vergangenen Jahren auch wieder die Elternbeiträge für den Kita-Besuch der Kinder: Die Gebührenfreiheit soll nach dem Willen des Ausschusses, sofern der Stadtrat zustimmt, auf Antrag der Grünen auf 38.000 Euro Jahreseinkommen angehoben werden.

Diskussion Betragsfreiheit

Die Grünen hatten nicht nur eine Beitragsfreiheit bis 38.000 Euro gefordert, sondern auch eine komplette Abschaffung der Beiträge in den nächsten Jahren, eine Einkommen-Staffelung in 5000-Euro-Stufen und eine Erweiterung über die 200.000-Euro-Grenze hinaus und Beitragsfreiheit bei der Mittagsverpflegung in Kitas und der Tagespflege.

Michael  Kappes (CDU) forderte, sich dem Beispiel des Kreises Heinsberg anzuschließen, der die Beitragsfreiheit auf 27.000 Euro festsetzen will. Dem widersprach Ruth Thelen: „Auch dann hätten die Jugendämter keine einheitliche Satzung, es gibt gravierende Unterschiede. Auch bei gleichen Grenzen gibt es eine unterschiedliche Behandlung von Geschwisterkindern. Wir haben die Chance, es besser zu machen, wir bleiben bei 38.000 Euro.“

Karola Brandt (Bürgerliste) wollte die 38.000-Euro-Grenze mittragen, allerdings nicht die Gesamtheit des Paketes. Tom Klein (SPD) fragte: „Wer kann schon von 27.000 Euro leben? Auch bei 38.000 Euro wird es schwierig.“ Bei neun Ja- und sechs Nein-Stimmen wurde beschlossen, die Beitragsfreiheit auf 38.000 Euro anzuheben.

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