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Eschweiler: Zwischen Unbekümmertheit und Reife

Eschweiler : Zwischen Unbekümmertheit und Reife

Jugendliche Unbekümmertheit und professorale Reife bestimmten den wunderbaren Klavierabend, den der Förderverein für die Rehabilitation psychisch Kranker und Behinderter e.V. unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Rudi Bertram initiiert hatte.

Auf dem Programm standen Werke von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy und Schumann, in dieser Gestaltungsweise überzeugend vorgestellt von Pi-hsien Chen, Klavierprofessorin an den Musikhochschulen Köln und Freiburg, und ihren beiden Meisterschülerinnen Yi-chung Chen und Ainoa Padron Ortiz.

Dabei erlebten die Zuhörer, unter ihnen Landrat Carl Meulenbergh, im Eschweiler Ratssaal nicht nur exzellent vorgetragene Musik, sondern die aus Taiwan stammende Klavierpädagogin erläuterte die anstehenden Stücke und ließ dabei E.T.A. Hoffman und Novalis zu Wort kommen.

Kontrapunktische Kunstfertigkeit

Zum Auftakt spielte Yi-chung Chen Präludium und Fuge e-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy ganz dem Charakter dieses Stückes entsprechend, bei dem sich barocke kontrapunktische Kunstfertigkeit und fantasievolle romantische Klangwelt zu einer neuen Form durchdringen und zusammen finden.

Dank ihrer famosen Spieltechnik konzentrierte sich die junge Pianistin ganz auf die vielen variierenden Ausdrucksmöglichkeiten. Angefangen von den rauschenden Figuren im Präludium und der prägnanten Vorstellung des lyrischen Fugenthemas, seiner ersten Durchführung und den verschiedenen Verdichtungen und Auflösungen spannte sie einen Bogen voller Dynamik und Kraft bis hin zu den virtuosen Intermezzi, dem strahlenden Choraleinsatz und dem liedhaften, hell und tröstlich klingenden Nachspiel.

„Gesänge der Frühe”

Ein erfrischender Vortragsstil, den sie auch bei der Interpretation der „Gesänge der Frühe”, der letzten Komposition Robert Schumanns bei behielt, was zu einer gewissen musikalischen Substanzverbesserung dieses doch ansonsten wenig gehaltvollen Werkes führte.

Zwischen diesen beiden Darbietungen wartete Ainoa Padron Ortiz mit der letzten Klaviersonate, der in D-Dur KV 576 von Wolfgang Amadeus Mozart auf Auch ihr kam die jugendliche Vitalität gepaart mit feiner Musikalität und hohem technischen Können zugute.

So vermochte sie dieses pianistisch anspruchsvolle und brillante Meisterwerk ohne Schwierigkeiten umzusetzen. Akkurat und differenziert ihr Anschlag, der die vielen kleinen kompositorischen Delikatessen und Raffinements dieser Sonate deutlich machte.

Rasche Stimmungswechsel

Zum Schluss des Abends dann gelang der Klavierdozentin Pi-hsien Chen mit der „Kreisleriana” von Robert Schumann eine durchdachte reife Interpretation. Dabei achtete sie bei all den raschen Stimmungswechseln und vielen verschiedenen Gemütsregungen auf Geschlossenheit.

Ob energisch zupackend oder behände über die Tasten huschend, ob übermütig, stürmisch oder zart und verhalten, stets behielt die Pianistin ihre Linie, die acht balladesken Sätze zu einer spannenden einheitlichen Tonerzählung zu formen. Eine großartige Darbietung, die wie zuvor das Spiel ihrer Schülerinnen bewundernd mit viel Beifall bedacht wurde.