Zwei junge Muslima sprechen über Fremdenfeindlichkeit im Alltag

Zwei junge Muslima berichten : Wie ein Kopftuch für plötzliche Ablehnung sorgt...

Mit vielen Aktionen treibt die Indestadt die Integration Zugewanderter voran. An den Ortseingangsschildern steht zu lesen: „Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus“. Dass dennoch nach wie vor Nachholbedarf besteht, können zwei junge Muslima berichten, die von unbekannten Passanten in Eschweiler mit Sätzen wie „Geh in deine Heimat zurück“ beschimpft wurden.

Die beiden betroffenen jungen Frauen tragen aus religiösen Gründen ein Kopftuch. Beide sind in Deutschland geboren und sind deutsche Staatsbürger. Der jüngste Vorfall ereignete sich am Dienstag in der Mittagszeit. Als die 17 Jahre alte Schülerin Betül in der Pause zum Städtischen Gymnasium zurückkehren möchte und an einem Paar mittleren Alters mit zwei Hunden vorbeigeht, raunt man ihr die Worte „nicht integriert“ zu. Betül reagiert, schaut das Paar an und entgegnet: „Glauben sie mir, dass ich integriert bin. Vielleicht besser als sie.“ Im Weggehen vernimmt sie: „Geh in dein eigenes Land zurück.“ Schon wieder. In der Schule berichtet sie den Vorfall Schulleiter Winfried Grunewald.

„So etwas kann man nicht einfach hinnehmen“, sagt er. Jede Form von Intoleranz lehne man entschieden ab. Das Städtische Gymnasium war eine der ersten Schulen in der Stadt, die internationale Klassen eingerichtet haben. In jüngster Vergangenheit erfahre Grunewald verstärkt von fremdenfeindlichen Äußerungen.

Dies bestätigt Maryam Gad, Alltagsbegleiterin eines autistischen Jungen im Städtischen Gymnasium. Auch die 30-Jährige trägt ein Kopftuch seit ihrem elften Lebensjahr. Früher habe dies nie zu Problemen geführt. Bis zum 11. September 2001 und den Attentaten radikaler Islamisten in den USA. „Von diesem Zeitpunkt an schauten Menschen weg und wandten sich ab“, berichtet sie. Dies habe sie als Schülerin auch in der Schule spüren müssen. Seitdem werde sie auch auf der Straße häufiger angefeindet.

„Wir fragen uns auch, wie man das ändern kann“, sagt Maryam Gad. Probleme würden meistens dann entstehen, wenn man nur das Kopftuch und nicht den Menschen sehe. Gad hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert und arbeitet auch als Journalistin. In dieser Tätigkeit hat sie auch gemerkt, dass sich muslimische Verbände schwertun, sich zu öffnen, obwohl sie selbst Muslima ist. „Wir müssen noch mehr aufeinander zugehen“, meint sie.

Im Alltag am Städtischen Gymnasium spielt Fremdenfeindlichkeit für sie keine Rolle. Betül spricht mit Freundinnen über solche Vorfälle. Die Entscheidung mit elf Jahren, ein Kopftuch zu tragen, sei „einfach passiert“, inzwischen sei es ihr auch wichtig, denn Religion habe für sie auch etwas mit Pflichten zu tun. Wenn sie auf fremdenfeindliche Äußerungen stoße, würde sie gerne mit den Menschen ins Gespräch kommen. „Aber dies ist leider unmöglich. Dabei ist Eschweiler meine Heimat, hier bin ich geboren“, sagt. Und in Eschweiler wird sie voraussichtlich im Sommer ihr Abitur bestehen.  

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