Eschweiler: Zu groß, zu hell, nicht schön: Werbeturm missfällt Bürgern

Eschweiler: Zu groß, zu hell, nicht schön: Werbeturm missfällt Bürgern

Wenn Brigitte Kiessler und ihr Lebensgefährte Michael Rönsch auf ihren Garten an der Dreieckstraße blicken, dann sehen sie seit einigen Tagen vor allem eins: den 38,5 Meter hohen Werbepylon des Media-Marktes. Tagaus, tagein. Und so geht es inzwischen vielen Anwohnern der Franz-Liszt- und Dreieckstraße.

Mit ihrer Unterschrift unter ein Protestschreiben an die Stadt drückten sie ihren Umnmut aus. Inzwischen wurde auch reagiert, denn das gigantische Werbeschild wird zwischen 23 und 5.30 Uhr abgeschaltet. Das löst jedoch in den Augen der Anwohner nicht das grundlegende Problem: „Der Werbepylon hat eine so erdrückende und optisch bedrängende Wirkung, die ist mit dem Abschalten des Lichts nicht behoben”, argumentiert Michael Rönsch.

Ziel der Kritik: Die Stadt

Ziel der Kritik ist aber nicht der Media-Markt, sondern die Stadt. Die Anwohner fühlen sich verschaukelt. Der Technische Beigeordnete Hermann Gödde räumt ein, dass keine Bürgerversammlung stattgefunden habe - allerdings war er auch noch nicht im Amt, als der Bebauungsplan auf den Weg gebracht wurde. Seit 23. Juli 2008 ist er rechtskräftig. Davor hatten die Bürger zwar Gelegenheit, gegen die Pläne vorzugehen, aber auch Gödde gibt zu: „Man kann von Bürgern nicht verlangen, dass sie sich mit Plänen auskennen und sie richtig lesen können.” Den Wunsch der Bürger nehme er ernst, sagte er in diese Woche.

Dies zweifeln die betroffenen Anwohner jedoch an: „Wir haben angerufen und eingeladen, sich den Zustand einmal vor Ort anzuschauen, da ist keine Reaktion erfolgt”, berichtet Brigitte Kiessler. Erst nachdem sie die Liste mit den 50 Unterschriften überreicht hatten, kam ein Schreiben der Stadtverwaltung. Antworten erhalten die Bürger ihrer Ansicht nach darin nicht. „Weil die Stadt diesen unzumutbaren Zustand verursacht hat, indem sie die Baugenehmigung erteilt hat, erwarten wir, dass sie auf die Bürger zukommt”, betont Michael Rönsch.

Den Weg vors Gericht schließt er nicht aus, zumal er sich auch formaljuristisch im Recht sieht: „Es gibt auch ein Rücksichtsnahmegebot, dass mit diesem Werbemast in dieser Dimension verletzt wird”, argumentiert Rönsch. Nicht das Licht sei das entscheinde Kriterium, sondern die Ausmaße des Mastes. „Der hätte dort gar nicht hingesetzt werden dürfen”, ist er sich sicher. Er müsse deswegen dringend versetzt werden.

Schon während der Bauarbeiten war es zu Problemen gekommen. Dabei ging es um einen Wall, der offensichtlich zu hoch geraten war. Vom Bauleiter soll Rönsch erst zurückgewiesen worden sein, erst als er die Stadt einschaltete, habe man die Erde wieder teilweise abgetragen. „Dieser Wall war zunächst etwa 15 Meter hoch”, so Rönsch.

Ruckzuck: Und dann stand der Pylon

Vor zwei Wochen kam das aktuelle Ärgernis hinzu: Binnen Stunden wurde der Werbepylon errichtet. „Ich muss gestehen, mir schossen die Tränen in die Augen, als ich dieses Teil da plötzlich an unserem Garten sah”, sagt Brigitte Kiessler. Beim Spaziergang traf sie viele Nachbarn, die ähnliche Probleme mit dem Werbeturm haben. Bei den Gesprächen kam dann der Gedanke, Unterschriften zu sammeln und bei der Stadt zu protestieren. „Es kann schließlich nicht sein, dass man die Bürger erst gar nicht fragt, wenn man so einen deutlichen Eingriff in ihrem Leben vornimmt”, schüttelt sie den Kopf.

Hoffte die Stadt, dass die Kuh mit dem nächtlichen Abschalten vom Eis sei, so deutet nun vieles daraufhin, dass sich ein Rechtsstreit entwickeln wird. Mit ungewissem Ausgang, auch wenn sich beide Parteien auf der sicheren Seite wähnen. Es liegen zwar Urteile mit ähnlichen Fällen vor, allerdings geht auch daraus hervor, dass immer die Situation vor Ort entscheidend ist. So spielt im Urteil des OVG Münster vom 15. März 2007 auch die „erdrückende oder optisch bedrängende Wirkung” eine Rolle.

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