Ziegen für den Schul-Tierpark: Tiergestützte Pädagogik seit 2003 erfolgreich

Tierischer Zuwachs für Eschweilers Förderschule : Auch Elvis und Big Mama lieben das Trio

Drei Ziegen ziehen in die Willi-Fährmann-Schule

Eigentlich war der Ausgangspunkt der Aktion tieftraurig: Im April verstarb die von den Schülern und Mitarbeitern der Willi-Fährmann-Schule geliebte Schulziege Fräulein Rottenmeier, die jahrelang fester Bestandteil der Tiergestützten Pädagogik an der Förderschule im Verbund mit den Schwerpunkten „Lernen“, „Sprache“ sowie „emotionale und soziale Entwicklung“ war, für die Kinder eine treue Begleiterin darstellte und von ihnen selbst auf ihrem letzten Weg liebevoll begleitet wurde.

Doch jedes Ende kann auch ein neuer Anfang sein: Die Verantwortlichen der Willi-Fährmann-Schule um Schulsozialarbeiterin Carolin Emonds, die das Projekt der „Tiergestützten Pädagogik“ vor gut eineinhalb Jahrzehnten initiierte, nahmen Kontakt zum Kooperationspartner Terra Mater e.V. Umwelt- und Tierhilfe auf, dessen Mitarbeiter wiederum die Tierschutzpartner vom Geißblatthof im niedersächsischen Warpe informierten.

Von dort machten sich nun gestern Morgen die beiden angehenden Tierpflegerinnen Melissa Schröder und Jennifer Döbel auf zur rund vierstündigen Fahrt nach Eschweiler. Mit an Bord: Drei Ziegen, die von den Schülern der Willi-Fährmann-Schule in großer Vorfreude bereits auf die Namen Flöckchen, Emily und Max getauft worden waren.

Um kurz vor Zwölf war das Ziel schließlich erreicht.

Die drei tierischen Neuzugänge wurden von den Willi-Fährmännern sehnlichst erwartet und begrüßt. Flöckchen, Max und Emily zeigten sich bei ihrer Ankunft selbst vom starken Regen nicht beeindruckt, ließen sich von Melissa Schröder und Jennifer Döbel bereitwillig zum Tierbereich des Schulgeländes führen, das von dem Trio sofort neugierig inspiziert und nach ersten Eindrücken für „prima“ befunden wurde. Wohl auch, weil der Stall unmittelbar vor der Ankunft von den Schülern noch einmal ausgemistet worden war. Und so verlief auch die erste Kontaktaufnahme mit den neuen Mitbewohnern, darunter die Hängebauchschweine Big Daddy und Big Mama, Schaf Elvis und Ziegen-Artgenossin Heidi, entspannt und problemlos.

Neugierig: Unmittelbar nach Ankunft inspizierten Flöckchen, Emiliy und Max ihr neues Zuhause in der Willi-Fährmann-Schule. Foto: Andreas Röchter

„Am liebsten hätten alle unsere rund 140 Schüler die drei Neuzugänge persönlich begrüßt. Dies wäre für die Tiere, die sich erst einmal in Ruhe akklimatisieren sollen, natürlich unzumutbar gewesen“, betonte Carolin Emonds-Seeger. Stattdessen sollen die Kinder und Jugendlichen nun nach und nach die drei Neuzugänge kennenlernen, schließlich kommen an der Willi-Fährmann-Schule alleSchüler in den Genuss der Tiergestützten Pädagogik.

Deren Startschuss fiel an der indestädtischen Förderschule bereits im Jahr 2003. „Seitdem werden die Kinder und Jugendlichen durch den Kontakt zu Tieren in ihrer Entwicklung unterstützt. Die Schüler werden damit konfrontiert, Verantwortung zu übernehmen. Sie begegnen den Tieren mit Respekt und erhalten dafür im Gegenzug Zuneigung“, unterstreicht die Schulsozialarbeiterin und erntet Zustimmung von Kati Ahuis von Terra Mater.

„Für uns als Tierschutzverein ist es sehr wichtig, dass gerade Kinder frühestmöglich und altersgerecht an einen rücksichtsvollen Umgang mit anderen Lebewesen, im Einklang mit der Natur, herangeführt werden“, lässt die Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit wissen. Seit Einführung der Tiergestützten Pädagogik an der Willi-Fährmann-Schule fungiere Terra Mater als Träger und Fürsprecher des Projekts.

Zuhause geht durch den Magen: Bereits kurz nach der Ankunft verkostete  Ziegenbock Max zur Freude aller „Fährmänner“ das reiche Futterangebot. Foto: Andreas Röchter

Mit tatkräftiger Unterstützung der Schüler wurde das gesamte Areal der Schule tiergerecht umgebaut. Und so fühlen sich neben den Ziegen, Hängebauchschweinen, Hühnern und Schaf Elvis auch Kaninchen, Bart-agamen und Wellensittiche wohl.

„Die Tiere werden von der Schülerschaft unter Aufsicht einer pädagogischen Fachkraft, aber weitestgehend eigenverantwortlich, versorgt“, erklärt Carolin Emonds. Die laufenden Kosten für Futtermittel, tierärztliche Versorgung sowie den Hufschmied übernimmt Terra Mater. „Das Projekt hat sich bewährt“, ist die Projektinitiatorin überzeugt und erfreut, dass Flöckchen, Emily und Max weiteren frischen Wind bringen. Und dabei auch ihre Charakterzüge voll ausleben.

Während die beiden Ziegendamen gestern Mittag weiterhin das Areal Zentimeter für Zentimeter in Augenschein nahmen, tat sich Ziegenbock Max bereits am leckeren Heu gütlich.

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