Eschweiler: Zeitumstellung: Für viele ist das purer Blödsinn

Eschweiler : Zeitumstellung: Für viele ist das purer Blödsinn

Viele Freunde hat die Zeitumstellung heutzutage nicht mehr: „Ich brauche immer 14 Tage, bis ich mich auf die neue Uhrzeit eingestellt habe“, klagt die Gemüse- und Obstverkäuferin Roswitha Hirtz. Das Ganze bringe Menschen und Tiere durcheinander, deswegen plädiere sie für eine Abschaffung. Ihr Job verlange es, dass sie jeden Morgen um fünf Uhr aufstehe.

Seit am Wochenende die Uhr umgestellt worden sei, würde sie also eigentlich um vier Uhr aus dem Bett müssen.

Sebastian Baum, kaufmännischer Direktor des St.-Antonius-Hospitals, spürt von der Zeitumstellung wenig. „Ich gehe jeden Morgen um fünf Uhr joggen, deswegen macht es mir nicht viel, wenn mir eine Stunde verloren geht“, sagt er. Auch im betrieblichen Ablauf des Krankenhauses spüre man keine Veränderung. Schwieriger wäre es, wenn von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt würde, da dann eine Arbeitsstunde mehr mit Personal bestückt werden müsse. In der Osterferienzeit sei es allgemein ruhiger und die Grippewelle würde allmählich zurückgehen, so dass die Lage entspannt sei.

Das Totschlagargument der Zeitumstellungsverfechter, die Energieeinsparungen, wird seit langem bezweifelt. Zwar gab es im St.-Antonius-Hospital noch keine detaillierte Erhebung zum Energieverbrauch, aber auch Baum glaubt nicht an einen großen Unterschied zur Winterzeit.

Ähnlich sieht es bei der Firma Klotz und Gangloff aus. Es gebe keine merkbaren Unterschiede bezüglich des Energieverbrauchs, fasst Birgit Bansemer, die in der Verwaltung arbeitet, zusammen. „Müde ist man immer, oder?“, fügt sie lachend hinzu.

Die Forderung nach einer Abschaffung der Zeitumstellung ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Dass das aber nicht unbedingt alle tangiert, lässt sich am Beispiel von Geschäftsführer Carlo Tacchi Venturi, ESW Röhrenwerke, sehen. Er müsse selbst viel reisen, so dass er die eine Stunde mehr oder weniger nicht bemerke. Und auch innerbetrieblich spiele es keine große Rolle: Es werde rund um die Uhr gearbeitet, so dass die gewonnene Helligkeit am Abend auch keine Energiekosten einsparen würde.

Im Falle des Familienzentrums Zauberhut entsteht sogar ein gegenteiliger Effekt: Hier wird das Licht jetzt seit dem Wochenende wieder früher angeschaltet. „Den Vorteil, dass es abends länger hell ist, können wir wegen unserer Öffnungszeiten leider nicht ausnutzen“, erklärt Einrichtungsleiterin Birgit Robens-Prick. Sie persönlich sei aber kein Freund der Sommerzeit, da ihr dadurch „eine Stunde flöten“ gehe. „Ich schlafe jetzt abends früher, da nutzt mir die Helligkeit am Abend wenig.“ Den Kindern merke man aber nichts an, die seien fit wie immer.

Auf dem Bergrather Hof regelt die aufgehende Sonne den Betrieb: Die Tiere seien darauf eingestellt, bei Tagesanbruch gemolken zu werden, erläutert Arnold Jordans, Landwirt im Ruhestand. Dementsprechend beginnt die Arbeit zur Sommerzeit eine halbe Stunde später, die dann abends drangehangen werde. Ihm selbst sei die Winterzeit aber wesentlich lieber, da ihm das Aufstehen im Hellen leichter falle.

Auch, wenn viele die längeren Tage nutzen, um Sport zu treiben oder im Garten zu arbeiten: Gerade im Sommer bereiten die langen Abende der Polizei öfter auch Schwierigkeiten. Je wärmer es werde und je größer die Möglichkeiten, sich abends lange draußen aufzuhalten, desto mehr werden auch die Vorfälle von Ruhestörungen bis zu Körperverletzungen, erklärt Pressesprecher Paul Kemen. Noch sei davon nichts zu spüren, in den folgenden Monaten werden diese Vorfälle, vor allem in Kombination mit Alkohol, jedoch häufiger werden.

Dieses Argument kann auch Friedel Krahe sehr gut nachvollziehen. Für den Vorruheständler ist die Zeitumstellung „absoluter Blödsinn“. Es werde auf der Basis einer Freizeitgesellschaft für die Sommerzeit argumentiert, wovon Berufstätige aber wenig profitieren würden. Ihm selbst sei es immer viel lieber gewesen, bei Tageslicht zur Arbeit zu fahren.

Aus medizinischer Sicht, merkt auch Doktor Rainer Jansen an, sei eine feste, durchgehende Zeit eindeutig sinnvoll. Er präferiere aber die Sommerzeit, da er kein Problem damit habe, morgens im Dunkeln den Tag zu beginnen, solange er abends noch bei Helligkeit nach draußen könne. Patienten, deren Beschwerden durch die Zeitumstellung zu begründen seien, habe er in diesem Jahr allerdings noch keine gehabt.

Und auch in der Faust-Apotheke gab es bisher noch keine vermehrten Klagen über Nachwirkungen der verlorenen Stunde.