Eschweiler: Woodstock-Legende Hundred Seventy Split begeistert im Talbahnhof

Eschweiler: Woodstock-Legende Hundred Seventy Split begeistert im Talbahnhof

Ein doch recht ordentlicher Publikumszuspruch beim Konzert von Hundred Seventy Split war am Dienstagabend im Talbahnhof zu verzeichnen. Natürlich kein Vergleich zu den Zuschauerzahlen von Stadion-Auftritten, aber das britische Trio um Woodstock-Legende Leo Lyons nahm die Zuschauer unter der Woche dafür mit auf eine kleine, intime und wehmütige Zeitreise in die Vergangenheit.

Große Fußstapfen von Alvin Lee

Lyons, gemeinsam mit Alvin Lee immerhin in den 60er Jahren Gründungsmitglied von Ten Years After, stellte tatkräftig unter Beweis, das er noch lange nicht zum musikalischen Alteisen gehört. Mit einem gut sortierten Arsenal verschiedener E-Bässe und einem Kontrabass auf der Bühne sowie ziemlich flinken Fingern auf allen Griffbrettern, kann Lyons manch jungem Musiker heute noch zeigen, wo der Hase lang läuft.

Bühnenkollege Joe Gooch, Jahrgang 1977, ist ein versierter Sänger und Gitarrist, der in die zugegebenermaßen großen Fußstapfen von Alvin Lee tritt, seine Sache aber sehr gut macht. Gooch und Lyons sind sicher keine showorientierten Instrumentalisten, zeigen aber, wie sich Alt und Jung auf der Bühne zu einem gefälligen Konzept vereinen lassen. Da haben die beiden mit Damon Sawyer einen verlässlichen und taktsicheren Schlagzeuger in ihren Reihen, der das Ganze rhythmisch auf der Bühne zusammenschweißt.

Das Programm bestand aus zahlreichen Nummern der jüngeren Bandgeschichte von Hundred Seventy Split, beherbergte aber auch Klassiker von Blues-Legende Robert Johnson und natürlich Ten Years After. Genau dafür waren vermutlich auch viele der Besucher am Dienstagabend gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht. Blickte man während des Konzertes mal rückwärtig hinein ins Publikum, entdeckte man den einen oder anderen, der verträumt Songzeilen von „Love like a man“ mitzitierte, die Augen schloss und ein wenig in Ten-Years-After-Nostalgie schwelgte.

In der Pause zwischen den Sets befragten wir einige der Konzertbesucher und erhielten Reaktionen wie etwa: „Ich habe bis jetzt genau das bekommen, was ich erwartet hatte.“ oder „Weniger ist manchmal mehr.“ Das Letztere bezog sich aber sicher nur auf die Besetzungsstärke, denn auch nur zu Dritt entwickelten Gooch, Lyons und Sawyer einen ziemlich kompakten Sound, für den andere Bands doppelt so viele Musiker nebst Equipment benötigen.

Mehr als gekonnt

Folgt man einem gängigen Klischee, dann sind Briten ja bekannt für ihren bisweilen staubtrockenen Humor. Als Leo Lyons mitten Im Konzert realisierte, dass er sich für einen Folgesong offensichtlich das falsche Instrument umgeschnallt hatte, bat er seine Mitmusiker kurz darum, innezuhalten. Das veranlasste Kollege Gooch zu dem beiläufigen Kommentar: „Ach, komm, Du gibst doch hier nur an mit Deinen vielen Bässen.“ Die Stimmung auf der Bühne war also auch generationenübergreifend immer locker und entspannt.

Kritiker mögen anmerken, dass die Musik von Hundred Seventy Split vielleicht etwas arm an Kontrast und Höhepunkten sei, aber das ist wirklich nur eine Seite der Medaille. Wenn der rock- und jazzbeflissene Joe Gooch seine Gitarrensoli ansetzt, dann ist das schon mehr als gekonnt. Leo Lyons lächelt derweil, tänzelt auf der Bühne umher und mutiert während seines Spiels wieder zum jungen Mann. Und wenn man Teil einer Legende ist, lässt man die Sache ganz entspannt angehen und überlässt die Show-Ausflüge getrost dem Nachwuchs.

(psi)
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