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Vorgeburtliche Diagnostik: Wird der Körper zu einem planbaren Produkt?

Vorgeburtliche Diagnostik : Wird der Körper zu einem planbaren Produkt?

Wie sind Wissenschaft und Ethik in Einklang zu bringen? Wo sind der Forschung Grenzen gesetzt und lassen sich diese Grenzen überhaupt einhalten? Für Professor Axel Siegemund sind das maßgebliche Themen seiner Forschung, er besetzt die Hemmerle-Stiftungsprofessur zu Grenzfragen von Theologie, Naturwissenschaft und Technik an der RWTH.

Im Rahmen des Forums „Gott und die Welt“ griff Siegemund den umstrittenen Bereich der pränatalen Diagnostik auf und stellte Chancen und Risiken im Zusammenhang zu christlichen Werten.

Mit der pränatalen Diagnostik sind erstmal erfreuliche Neuigkeiten für Eltern verbunden. Sie können vor der Geburt wissen, ob ihr Kind an bestimmten Krankheiten, wie etwa Trisomie 21, leidet. Daher wurde auch durch den Bundestag 2019 entschieden, dass diese Bluttests für Mütter mit Risikoschwangerschaften – immerhin 80 Prozent der Schwangerschaften – kostenlos sind.

Doch Siegemund warf den Blick bereits voraus: Könnte das dazu führen, dass der gesellschaftliche Druck auf die Eltern steigt und sie nur noch „gesunde“ Kinder zur Welt bringen sollen? Das sei aus sozialen, aber auch ökonomischen Gesichtspunkten denkbar, warnte der Ethiker. „Mit dem Blick auf den Menschen müssen wir uns fragen: Ist der Mensch eine komplexe Maschine oder ist er ein Tier?“, betonte Siegemund und gab zu bedenken, dass so die Wertigkeit von menschlichen Leben verschoben werden könnte.

Denn, so zeige die Debatte im Bundestag auch, Abtreibungen auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten seien schon lange außerhalb der christlichen Gemeinde kein Tabubruch mehr. So führten über 90 Prozent der positiven Tests auf Trisomie 21 etwa zum Abbruch der Schwangerschaft – wobei er allerdings auch anmerkte, dass über 97 Prozent der Kinder gesund zur Welt kamen.

Entscheidend sei aber die Entwicklung in der Zukunft: „Wird der Körper zu einem planbaren Produkt?“ Es entstand eine angeregte Diskussion mit dem Publikum im Kinder- und Jugendzentrum St. Peter und Paul. Während auf der einen Seite Leben entwertet werden könnte, gab ein Zuhörer auch zu bedenken, dass in Zukunft durch die pränatalen Tests Behandlungen früher durchgeführt und Risiken rechtzeitig erkannt werden könnten.

Für Siegemund steht das außer Frage – die möglichen Folgen einer Selektion vor der Geburt seien jedoch nicht zu unterschätzen, weshalb er dafür plädierte der Wissenschaft stets auch moralische Grenzen zu geben und manchmal eben auf das Mögliche zu verzichten.