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Donnerberger Gesprächskreis: „Wir sind mittendrin im Klimawandel“

Donnerberger Gesprächskreis : „Wir sind mittendrin im Klimawandel“

Die „Fridays for future“-Bewegung, weltweiten Proteste gegen die scheinbar politische Ignoranz der Einhaltung von verabschiedeten Klimazielen, Debatten in den Regierunsparlamenten dieser Welt über CO2-Ausstoß und Industrie-Lobbyismus – alles nur ein Hype?

Populistische Parteien auf dem gesamten Erdball behaupten unentwegt, es gebe gar keine Erderwärmung oder ein Klimawandel hin zum globalen Kollaps, Regierungschefs der mächtigsten Industrienationen dieser Welt stimmen in dieses Ammenmärchen mit ein, doch angeschwemmtes Polareis an den Küsten dieser Welt, kilometerweites Korallensterben in den Meeren, die Verwüstung ganzer Regenwälder sprechen ein deutliche Sprache: „Wir sind mitten drin im Klimawandel!“, so deutlich formulierte es Dr. Klaus Reuter.

Der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW war auf Einladung des Europavereins zum Donnerberger Gesprächskreis erschienen und hielt vor den Toren der Stadt, die vor einem Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, einen flammenden Appell für die lokale Verantwortungsübernahme, die ökologischen mit dem ökonomischen Herausforderungen in Balance zu bringen, nicht nur für eine nachhaltige lebenswerte Zukunft, sondern für eine Zukunft per se.

„Ich wage zu bezweifeln, dass ein solcher Beschluss heute noch zustande kommen könne“, eröffnete der Doktor der Biologie am Donnerstagabend seinen einstündigen Vortrag in der Donnerbergkaserne und nahm Bezug auf die mittlerweile auch bereits 20 Jahre alte Agenda 21, die seinerzeit von 197 Staaten der Vereinten Nationen beschlossen wurde und als Leitlinie für die politischen Prozesse für die Erhaltung unserer Öko-Systeme gelten sollte.

Sollte. Denn nicht wenige der heutigen Regierungen dieser Welt hält der Referent für schlichtweg nicht geeignet, dieses essentielle, überlebenswichtige Thema konsequent zu verfolgen. Der vergangene Woche vorgelegte Klimabericht der Bundesregierung bestätigt seine These. Die 1 Grad-Schwelle der weltweiten Erwärmung ist bereits vorzeitig wieder überschritten, die Klimaziele werden auch von der Bundesrepublik erneut verfehlt. „Obwohl wir genau wissen, was passiert, frage ich Sie: Wollen wir daran festhalten und sehenden Auges in die Katastrophe gehen?“ Dr. Reuter wurde sehr deutlich. Denn angesichts ehrgeiziger Ziele – 2050 soll die CO2-Bilanz der gesamten EU-Industrie und privaten Haushalte geringer sein als die der heutigen Mobilität alleine – werde es Zeit, zu handeln, und dies natürlich auf politischer Ebene, angefangen bei der lokalen Politik.

Eschweiler habe bewiesen, dass der Strukturwandel erfolgreich und nachhaltig bewältigt werden könne, unter anderem mit der Städtepartnerschaft mit Alta Floresta in Brasilien gar globale Verantwortung übernommen, wofür Bürgermeister Rudi Bertram im Oktober 2018 den Nachhaltigkeitspreis entgegen nehmen durfte. Natürlich gebe es berechtigte Proteste, wie die der Bauern Anfang letzter Woche in Berlin, doch „ein Großteil der Betriebe in diesem Land sind nicht mehr landwirtschaftlich, sondern großindustriell geprägt“, behauptete Reuter und nannte als Beispiel die Pestizidbelastung in der Bundesrepublik „in gesundheitsschädlichen Ausmaßen“.

Es gebe durchaus Chancen, etwa in der gemeinsamen Agrar-Politik der EU oder der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr, indem eine ganze Reihe wichtiger, zukunftsweisender Entscheidungen getroffen werden. Im „Europen Green Deal“, einem EU-Positionspapier aus der Juncker-Ära, sind zahlreiche lokale Projekte enthalten, die schnell auf breiter Basis umgesetzt werden könnten. Und in der europäischen Landwirtschaft sieht Dr. Klaus Reuter „einen Schlüssel zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele“, sicherlich nicht zum Nulltarif, die Finanzierung der Klimaziel-Erreichung der EU wird über 270 Milliarden Euros kosten, allerdings als alternativlosen Weg, denn Europa müsse seiner Meinung nach eine Spitzenreiterposition im Kampf gegen den Klimakollaps einnehmen.

(vr)