Eschweiler: Wir haben sie schon: Schlagzeilen 04

Eschweiler : Wir haben sie schon: Schlagzeilen 04

Dunkel und geheimnisvoll liegt es vor uns, das neue Jahr. Wer wüsste nicht gerne, was es bringen wird? Für einen Blick in die Zukunft geben sich manche Leute mit simplen Bauernregeln zufrieden („Wenn Silvester es schneit, ist Neujahr nicht weit”), andere bemühen Astrologen und Wahrsager.

Das ist natürlich alles Humbug. Was wirklich 2004 in Eschweiler passiert, können Sie hier lesen. Unsere Redaktion hat in einem streng wissenschaftlichen Verfahren die Jahresberichte des Geschichtsvereins mit den Beschlüssen des Stadtrats der vergangenen zehn Jahre im Computer gemischt und mit astronomischen Eckdaten abgeglichen. Das Ergebnis ist über jeden Zweifel erhaben. Sie werden es erleben.

Januar: Das Schaltjahr 2004 - wann hat ein Februar schon mal fünf Sonntage? - steht im Sonnenzirkel 25. Die Epakte ist 8. Vor allem aber: Jahresregent ist die Venus. Das lässt erwarten, dass die Bevölkerung von Eschweiler in diesem Jahr um 1723 sehr junge Personen wächst. Nicht ganz unschuldig daran ist der Strom-Blackout nach einem Totalausfall des Kraftwerks Weisweiler vom 12. bis 16. Januar, hervorgerufen durch einen Irrtum beim Befeuern der Blöcke. Statt Klärschlamm wird das zum Verwechseln ähnliche Indewasser eingeleitet.

Februar: Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt verbieten das Werfen von Kamelle im Rosenmontagszug. Begründung: Einfache Bonbons werden sowieso nicht aufgehoben, sondern von den Umzugswagen plattgerollt. Diesen glasartigen Überzug könne die Straßenreinigung nur mit Heißwasserlanzen entfernen. Als alternatives Wurfmaterial schlagen die Wirtschaftsbetriebe Marzipanbrote und Nürnberger Lebkuchen vor. Da gebe es im Handel noch erhebliche Restbestände.

März: Im Rahmen der Aktion „Eschweiler muss kinderfreundlicher werden” baut die Stadt mehrere Verkehrsinseln auf der Indestraße zu Kinderspielplätzen aus. Abrupte Brems- und Ausweichmanöver von Autofahrer führen in den nächsten Tagen zu der Erkenntnis, dass die Kinderschaukeln nicht quer, sondern besser längst der Fahrtrichtung installiert werden sollten.

April: In der Ausgabe vom 1. April berichten wir über die geologische Störung „Sandgewand”, die unter Eschweiler verläuft und nach neuen Forschungen ein Erdbeben der Stärke 5,2 wahrscheinlich macht. Das Bauamt ordnet daraufhin erdbebensichere Fundamente bei Neubauten an. Nach diversen Dankschreiben von Baufirmen verzichten wir darauf, diesen Aprilscherz aufzuklären.

Mai: Ein Kochwettbewerb der Partnerstädte Wattrelos, Reigate und Eschweiler endet mit diplomatischen Verwicklungen, nachdem die französische „Birnentart mit Calvados-Krokant” nur auf den 3. Platz kommt, hinter dem englischen Plumpudding „Traditional” und dem Siegermenü, einem deutschen Döner Kebab.

Juni: Das mysteriöse Absinken des Wasserspiegels im Blausteinsee ist aufgeklärt. Die Rheinbraun beteuert, es sei pures Versehen, dass sie drei Monate lang das Wasser in den Tagebau Inden zurück gepumpt habe. Erneute Umkehr seit leider nicht möglich. Inden wird für Segelboote und Surfer freigegeben, auf dem fruchtbaren Boden des Blausteinsees wird ein landwirtschaftlicher Aussiedlerhof errichtet, der „Seegrundhof”.

Juli: Nachdem die Eröffnung der Euregiobahn zunächst auf Dezember 2005 verschoben worden ist, wird das Projekt nun wegen Geldmangels ganz aufgegeben. Der Bund stellt zum Ausgleich aus Mitteln der Ökosteuer 2,4 Millionen zur Verfügung, um auf der Talbahnstrecke den Indetal-Radweg zu bauen. Dementiert werden Meldungen, die Autobahn werde auf acht Spuren erweitert.

August: Die Überschwemmungen zum Beginn der Regenzeit (Riffersbach, Omerbach) treffen dieses Jahr die Stadtteile Röthgen, Bergrath, Nothberg und Hücheln. Der Bundeskanzler sagt Soforthilfe zu, es gebe noch Fluthilfe-Restmittel vom Oderhochwasser.

September: Nach der Wiederwahl von Bürgermeister Rudi Bertram geht der Landeswahlleiter einem anonym geäußerten Vorwurf des Wahlbetrugs nach. Das Wahlergebnis lasse vermuten, so heißt es in der Anzeige, dass auf einem Großteil der Wahlzettel die Namen weiterer Kandidaten vergessen worden seien.

Oktober: Am Tag der deutschen Einheit fordert die Stadt Eschweiler von Stolberg die Rückgabe des 1935 annektierten Donnerbergs. „Auch nach 69 Jahren wird aus Unrecht nicht Recht”, heißt es in der Streitschrift, die publikumswirksam vor laufenden Fernsehkameras von einem geharnischten Ritter (in der Rüstung: Albert Wegmann) über die Stadtgrenze geworfen wird. Der Citymanagement-Verein beantragt noch am gleichen Tag, diese Zeremonie künftig jährlich mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu begehen.

November: Um der ausufernden Zahl karnevalistischer Jubiläen zu begegnen, beschließt das Komitee, künftig nur närrische Jubiläen zuzulassen. Gefeiert werden können 1 Jahr 111 Tage, 2 Jahre 222 Tage, 3 Jahre 333 Tage und so weiter. Da ab dem Jubiläum 4/444 das Festdatum in das fünfte Jahr geht, wird festgelegt, dass die Vorstände der Gesellschaften um den Posten „Närrischer Amts-Mathematikus” zu ergänzen sind. Gegen die weitere Bestimmung, dass dieses Vorstandsmitglied einen Taschenrechner bedienen können muss, gibt es Proteste: „Dann könnte man ja auch verlangen, dass der Schriftführer einen Duden haben muss. Wo kommen wir denn da hin!”

Dezember: Nachdem Peter-Paul-Kirmes und Michaelskirmes ausgefallen sind, soll nun beim Weihnachtsmarkt richtig geklotzt werden. Aufgebaut werden eine Fünfer-Looping-Achterbahn, eine Geisterbahn mit aktuellen Politikerfiguren und eine Skischanze. Fünf Schneekanonen sorgen für Tiefschnee zwischen Gartenstraße und Uferstraße. Im Original Münchner Christkindl-Oktober-Festzelt wird Glühwein in Maßkrügen ausgeschenkt. Die Bevölkerung reagiert verwundert: „Wie, die Kirmes im Sommer ist ausgefallen? Habe ich gar nichts von gemerkt!”

Silvester 2004: 57.000 Eschweiler wünschen sich gegenseitig „Komm gut rein!” Wie schon ein Jahr zuvor häufig mit Erfolg.

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