Eschweiler: Wind in den Segeln der Sportler bleibt

Eschweiler: Wind in den Segeln der Sportler bleibt

Hätten die Zuständigen die Bojenkette im Blausteinsee einfach immer mal wieder auf ihren eigentlichen Platz und damit rechtlich und vermessungstechnisch richtig positioniert, hätten sie jetzt den Ärger nicht.

Sie hätten ihn vermutlich aber damals, als der Blautsteinsee noch am Anfang seiner Karriere als Naherholungsgebiet stand, gehabt. Die Bojenkette trennt den naturgeschützten Bereich des Sees vom Wassersportbereich.

Und bisher liegt sie - der Unteren Landschatsbehörde und der Blausteinsee GmbH lange bekannt - an der falschen Stelle, etwas näher am Ufer als sie es dem damaligen Planfeststellungsverfahren nach eigentlich tun müsste. Zum Teil ist die Bojenkette verdriftet, zum Teil vielleicht nie ganz richtig positioniert gewesen. Zwischen 10 und 100 Metern sind einzelne Bojen von ihrem eigentlichen Platz entfernt.

Unsichtbare Grenze

An diese Grenze, die eigentlich keine ist, haben sich Surfer, Segler und Taucher bisher gehalten. Jetzt, im Rahmen des Landschaftsplans VII, soll diese Bojenkette an ihre eigentlich rechtmäßige Position verschoben werden. Das bedeutet aber, dass der Bereich, der den Wassersportlern zur Verfügung steht, etwas kleiner wird. Und diese Tatsache erhitzte bei der Bürgerinformation der Städteregion Aachen im Eschweiler Ratsaal die Gemüter der rund 100 gut vorbereiteten Diskussionsteilnehmer. Überwiegend waren Wassersportler zur Vorstellung des Landschaftsplan-Vorentwurfs gekommen. Wanderer und Vogelkundler waren nicht dort, um ihre - vielleicht ganz andere Sicht auf das Schutzgebiet - einzubringen.

„Es wird entgegen anders lautenden Gerüchten keine räumliche und zeitliche Einschränkung im Vergleich zu heute geben. Da gilt mein Wort”, sagte Umweltdezernent Uwe Zink zu Beginn der Veranstaltung, um den Wassersportlern den Wind gleich aus den Segeln zu nehmen. Allerdings sprach Zink von den gesetzlich festgelegten und nicht von den derzeit genutzten Grenzen und auch nur für den Fall, dass die Bezirksregierung nichts anderes vorschreibt. „Dort, wo die Kette jetzt liegt, darf sie aus rechtlicher Sicht gar nicht sein”, so Zink. Das müsse die Blausteinsee GmbH ändern, koste aber Geld.

„Der See hat sich doch mit uns Wassersportlern und mit dieser Grenze entwickelt und diese Natur hervorgebracht”, argumentierten Kanuten, Surfer, Segler und Taucher. Warum also jetzt plötzlich eine gut funktionierende Praxis verändern? Fachplanerin Heidi Reuters vom Büro lanaplan sagt dazu, dass der See ein enormes Potenzial habe und dass sich ohne Wassersportler sicher noch mehr seltene Arten rund um das Gewässer angesiedelt hätten. Die festgelegte Grenze liege eigentlich schon unter dem fachlich gebotenen Abstand zum Ufer. „Aus Naturschutzsicht wäre es durchaus wünschenswert, den gesamten See als Naturschutzgebiet auszuweisen”, sagte ihr Kollege Dr. Klaus van de Weyer. Jedoch sei man auf der Suche nach einen Kompromiss, der Menschen, seltenen Tieren und Pflanzen gerecht werde.

Der Natur gerecht werden

„Zwei Drittel des Sees stehen für Wassersport zur Verfügung, nur ein Drittel für die Natur. Das ist bereits ein Kompromiss zugunsten der Menschen”, sagte Udo Thorwesten von der unteren Landschaftsbehörde. Aber die Natur müsse auch zu ihrem Recht kommen. Angesichts des Naturschutzes gingen mit manch einem Diskussionsteilnehmer zwischen planfestgestellten Grenzen und ordnungsbehördlichen Verordnungen die Emotionen durch.

Gut, dass ein ganz anderer Aspekt aus dem Entwurf schon verschwunden war. Eigentlich wollten die Planer auch den südlichen Zipfel des Sees als Rückzugsgebiet für Vögel unter Naturschutz stellen. Diese Idee ist nach Gesprächen mit der Stadt aber wieder vom Tisch, denn die würde dort gerne eine zweite Liegewiese anlegen. Zink machte klar, dass man auf das Gebiet verzichte, wenn die alte (unsichtbare) Grenze im Gegenzug eingehalten werde. Und er erntete dafür heftige Kritik: „Das ist ja wie auf einem türkischen Basar.”

Dabei, so eine Surferin, sei die Idee, den Südzipfel als Naturschutzgebiet auszuweisen, aus Sicht der Windsportler gar nicht schlecht. Wenn die Bojenkette darf bleibt, wo sie ist. Denn der Südzipfel sei sei für Windsportler ohnehin uninteressant. Aus fachplanerischer Sicht sei eine solche Unterteilung wenig sinnvoll, sagt Heidi Reuters. „Der Nord-Osten des Sees ist eine besonders wertvolle Uferzone.” Hermann Gödde, Geschäftsführer der Blausteinsee GmbH, kündigte jedoch an, im Rahmen des Landschaftsplanes auch fachlich über diese Grenze zu debattieren.

Anders als die Debatte, dreht sich der Landschaftsplan nicht nur um den See. Nur am Rande der Debatte äußerten einige Landwirte ihre Bedenken, für die es nach Angaben der Verantwortlichen jedoch keine Gründe gibt. „Die Existenz der Landwirtschaft bleibt gesichert. Maßnahmen werden nur in Absprache mit Eigentümern und Pächtern umgesetzt”, so Zink.

Lösen konnte die Diskussion den Konflikt zwischen Naturschutz und Wassersport wie erwartet nicht. Die Sportler fürchten um ihren Freizeitspaß, Naturschützer und Behörden um Flora, Fauna und Gesetzestreue. Ob die Debatte den Vorentwurf beeinflusst, bleibt abzuwarten. Wenn der Entwurf erarbeitet ist, trifft sich die Diskussionsrunde wieder - vermutlich im September.