Eschweiler: Willi-Fährmann-Schüler lernen: So ein Baby ist ganz schön anstrengend

Eschweiler: Willi-Fährmann-Schüler lernen: So ein Baby ist ganz schön anstrengend

Was ist zu tun, wenn ein Baby schreit? Hat es Hunger, müssen die Windeln gewechselt werden oder braucht es einfach nur eine liebevolle Umarmung? Mit Fragen wie diesen setzten sich 16 Schüler der Willi-Fährmann-Schule in der vergangenen Woche auseinander. Seit Beginn des Schuljahres ist Frank Römer vom Helene-Weber-Haus wöchentlich in der Schule zu Gast.

Das Projekt, das über 100 Schulstunden dauert und von der Städteregion sowie dem Jugendamt der Stadt Eschweiler finanziert wird, fand seinen Höhepunkt in der Babybedenkzeit-Woche.

In dieser kümmerten sich die Schüler von Klassenlehrerin Laila Kiklas um acht Puppen, die sie wie richtige Babys betreuen sollten. Am Montag nahmen vier Schüler ihre Schützlinge sogar über Nacht mit nach Hause.

Doch bereits der Weg dorthin erwies sich als umständlich: Im Bus oder auf der Straße fingen die Puppen an zu weinen und mussten von den Jugendlichen versorgt werden. Komische Blicke und Kommentare von Passanten blieben da nicht aus, wie die Schüler berichteten. Sprüche wie: „Wenn Kinder Kinder kriegen“, hörten die Jugendlichen nicht selten.

Besonders anstrengend sei jedoch die Nacht gewesen, erzählten die 15- und 16-Jährigen. In dieser sei man oft auf den Beinen gewesen, um den Nachwuchs zu versorgen. „So ein Baby ist echt anstrengend“, waren sich die Schüler sicher. In den Puppen befand sich ein Chip. So konnte am Ende der Woche ausgewertet werden, ob die „Babys“ richtig behandelt wurden.

Bei einem Besuch im Eschweiler Jugendamt wurden die Schüler darüber aufgeklärt, wo sie Hilfe bekommen, wenn der Ernstfall eintritt. Außerdem erfuhren sie dort, was geschieht, wenn man sein Kind vernachlässigt. Eine weitere Überraschung erlebten die Jugendlichen dann in verschiedenen Geschäften. Dort sollte sie nachschauen, was Babysachen kosten und kamen zu der Erkenntnis: „Die Sachen sind wirklich teuer.“

Zudem standen Themen wie Risikofaktoren in der Schwangerschaft, Babynahrung und das Aufwachsen in verschiedenen Kulturen auf dem Stundenplan. Dies wurde auch an Puppen veranschaulicht. Drei Puppen simulierten, wie alkohol- und drogengeschädigte Babys reagieren. Sie erzeugten bei den Jugendlichen Mitleid.

Doch es gab auch schöne Momente. „Wenn die Babys anfangen zu lachen, ist das richtig schön“, erklärte eine Schülerin. Auf die Frage, ob sie selbst in nächster Zeit Nachwuchs bekommen möchten, gaben die Jugendlichen eine eindeutige Antwort: „Wenn überhaupt, dann erst später.“

(se)