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Eschweiler: Wildunfälle werden oft nicht gemeldet

Eschweiler : Wildunfälle werden oft nicht gemeldet

Der Eschweiler Stadtwald ist zu allererst ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Das sieht Stadtförsterin Susanne Bock genau so wie die Bürger der Stadt. Aber ein bisschen mehr Rücksicht auf die Natur und die Tiere im Wald könnten die Waldbesucher schon nehmen.

Und bitte vorsichtiger hindurch fahren: „Es werden sehr viele Rehe tot gefahren im Stadtwald.”

Der 414 Hektar große Wald im Süden der Stadt wird intensiv von Joggern, Spaziergängern und Reitern genutzt. Und häufig auch von Umweltferkeln. Die sieben Parkplätze im Stadtwald seien oft Müllabladeplätze, berichtete die Försterin einer interessierten Zuhörerschaft in der Donnerberg-Kaserne. Dort referierte sie am Donnerstag über „Stadtwald Eschweiler - Konflikt Mensch und Natur”.

Das mit dem Müll, der einfach in den Wald gekippt wird, ist schlimmer geworden, versicherte Susanne Bock. Ab und zu erwischt sie jemanden: „Da werde ich dann sehr laut.” 2003 habe es 16.000 Euro gekostet, den wilden Müll zu beseitigen - nur die Lohnkosten. In diesem Jahr werde man damit nicht auskommen.

Aufbaubetrieb

Während sonst im Wald pro Hektar jährlich fünf bis sechs Festmeter Holz geerntet werden, sind es im Stadtwald gerade einmal die Hälfte: 2,6 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass der Stadtwald ein Aufbaubetrieb ist. Mehr als 60 Prozent der Bäume sind jünger als 60 Jahre. Und jene Bäume, die älter sind, stecken voller Splitter aus dem 2. Weltkrieg. „Die alten Bäume würden beim Schrotthändler mehr bringen als beim Holzhändler” zitierte Susanne Bock ein Bonmot ihres Amtsvorgängers Christian Färber.

Splitterschäden, Windbruch und Tonböden sind Gründe, weshalb der Stadtwald nicht so wirtschaftlich ist wie andere Wälder. Und es stehen die falschen Bäume im Wald, wenn auch nur noch auf 18 Prozent der Fläche: Fichten. Fichten aber gehören nicht auf Tonböden. Denn da kippen sie bei Sturm schnell um. Statt dessen gehört die Eiche in diesen Wald, sagt die Forstwissenschaftlerin. Auf 19,6 Prozent der Fläche steht sie bereits.

20 Kilometer Wanderwege

Damit sich Jung und Alt im Wald wohl fühlen, tut die Stadt eine Menge. Die Försterin zählte auf: 20 Kilometer Wanderwege, fünf Kilometer Wanderpfade, neun Kilometer Reitwege, Waldlehrpfad, geologischer Pfad, Spiel- und Grillplatz, sechs Wetterschutzhütten, sechs Angelteiche, eine Rodelbahn, sieben Parkplätze und exakt 109 Bänke - die werden gerade repariert und erneuert.

Der Stadtwald ist Lebensraum für viele Tiere. Darunter sind sogar welche, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Die Ringelnatter zum Beispiel. Und auch die Gelbbauchunke. Natürlich hat die intensive Nutzung des Waldes durch die Bevölkerung Auswirkungen auf die Tierwelt. Försterin Bock berichtete von Joggern, die sogar nachts mit Stirnlampen durch den Wald flitzen.

Und allein in den knapp zehn Monaten seit April dieses Jahres seien neun Rehe überfahren worden. Was sie besonders empört: „Fünf dieser Unfälle wurden nicht gemeldet! Ich weiß wirklich nicht, was solche Leute sich denken. Die angefahrenen Tiere leiden doch, denen geht es schlecht.” Sie bittet Autofahrer nachdrücklich, bei Wildunfällen entweder die Polizei oder im Forsthaus (Ruf 02403/22339) anzurufen - auch wenn das Tier vom Fahrzeug nur gestreift wurde und dann ins Dickicht geflüchtet ist.