Whisky probieren mit Psalmen und Evangelien in Eschweiler

Genussvoll glauben : Whisky probieren mit Psalmen und Evangelien

Whisky zu probieren ist gar nicht so einfach. Schon vor dem ersten Schluck muss man sich anstrengen. Diese gälischen Namen! Wie bitte spricht man die Destillerie Auchentoshan aus, die in den schottischen Lowlands liegt? Ockn-Toschn? Aha.

Zu einem biblischen Whisky-Tasting hatte die Evangelische Gemeinde Weisweiler-Dürwiß eingeladen, und das Saal des Gemeindehauses an der Weisweiler Burg war gut besucht. Das Konzept der Veranstaltung wurde vom Amt für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen entwickelt. Unter dem Motto „Genussvoll glauben“ werden dabei vier hochkarätige schottische Single-Malt-Whiskys verkostet, dazu gibt es passende Speisen und passende Bibeltexte.

Stimmungsvoll eingedeckte und dekorierte Tische, Kerzenlicht, Menükarten – das ehrenamtliche Team der Gemeinde um Pfarrerin Kerstin Lube hatte sich ins Zeug gelegt. Weintrauben und Käse, Brot und Nuss-Dattel-Häppchen standen bereit, um die Mägen auf den ersten Whisky vorzubereiten. Eine Einführung in die Welt des schottischen Whiskys bot auch eine informative kleine Broschüre, die jeder Teilnehmer erhielt, mit Platz für seine Tasting-Notizen und mit den Bibeltexten des Abends.

Das Wort Whisky kommt aus der gälischen Sprache, dort heißt es „Uisge beatha“, und das bedeutet „Wasser des Lebens“. Damit ist dann schon die erste Verbindung zur Bibel geschaffen, denn auch dort ist vom Wasser des Lebens die Rede, auch wenn damit natürlich nicht ein alkoholisches Getränk gemeint ist: „Ich will dem Durstigen geben vom Brunnen des lebendigen Wassers umsonst“ heißt es im 21. Kapitel der Offenbarung.

Genussvoll glauben: Um einen reich gedeckten Tisch geht es im Psalm 23. Das durften die Gäste des biblischen Whisky-Tastings wörtlich nehmen. In der Schöpfungsgeschichte, dem zweiten Bibeltext des Abends, spricht Gott „Und siehe, es war alles gut.“ Einen überraschenden Genuss bietet auch der Fischzug auf dem See Tiberias. Er wird im 21. Kapitel des Johannes-Evangeliums beschrieben.

Im Gemeindezentrum gab es zwar nicht, wie in der Bibel, am Kohlenfeuer gegrillte Fische, sondern eine Whisky-Cheddar-Suppe, die allerdings ganz wunderbar zu den verkosteten Getränken passte. Der vierte Bibeltext war der Gang nach Emmaus aus dem Lukas-Evangelium. In diesem Text erkennen die Jünger den auferstandenen Jesus erst, als dieser das Brot bricht. Der Maler Caravaggio hat in einem berühmten Gemälde diese Szene festgehalten. Das Team der Evangelischen Gemeinde zeigte und erläuterte es bei dem Tasting in einer Multimedia-Präsentation. Serviert wurde dazu Apple-Crumble mit Vanilleeis.

Die Whiskys des Abends steigerten sich von leicht bis schwer. Dem Auchentoshan Three Wood aus den Lowlands folgte ein 15-jähriger Glenfarclas, der in Sherryfässern gereift wurde. Ein mit 52,4 Prozent Alkohol unverdünnter 12-jähriger Malt von der Insel Arran leitete dann über zum extrem rauchigen Lagavulin von der Insel Islay – ein Whisky, bei dem sich die Geister scheiden. Man findet ihn entweder wunderbar oder grässlich. Bei der abschließenden Abstimmung, welcher der vier Malts denn der beste gewesen sei, bekam aber dieser „Torfhammer“ die meisten Stimmen.

Und weil die vier Whiskyflaschen von den Probier-Portionen nicht leer geworden waren, konnte sich anschließend noch jeder, der mochte, von seinem persönlichen Lieblingswhisky ordentlich nachschenken lassen. Denn so steht es ja auch im Psalm 23 geschrieben: „Du schenkest mir voll ein“.

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