Eschweiler: Wettbewerb der Bundespolizei: Mit 310 km/h zum Baden

Eschweiler: Wettbewerb der Bundespolizei: Mit 310 km/h zum Baden

So hatte sich Jörg Schramm seine nächste Heimkehr nicht vorgestellt: Der gebürtige Dürwisser, der das Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum in Swisttal-Heimerzheim besucht und sonst nur am Wochenende ins heimische Eschweiler kommt, war am Donnerstag einer der ersten, die aus einem Hubschrauber der Bundespolizei spektakulär durch die aufgepeitschte Gischt in den Blausteinsee sprangen.

121 weitere taten es ihm gleich. Und alle fanden es „Spitze“, „super“, „Hammer“ oder einfach „geil“.

Der Sprung ins kalte Wasser aus — je nach persönlichem Wagemut — drei bis sieben Metern Höhe bildete den Abschluss einer Projektwoche, in der die Polizeimeisteranwärte Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft, Eigenverantwortlichkeit, Stressstabilität, Selbstdisziplin und phydische wie psychische Belastbarkeit unter Beweis stellen sollten.

Begonnen hatte das Programm am Montag mit einer Stadterallye in Bonn, der sicham Dienstag Aufgaben im Kletterpark der Sportschule Hennef und im Atemschutzparcours der Feuerwehr Bonn anschlossen, ehe am Mittwoch ein Leistungsmarsch an der Ahr folgte. Jürgen Müller, Erster Polizeihauptkommissar und Fachkoordinator der Ausbildung im mittleren Dienst, zeigte sich hoch zufrieden: An den ersten drei tagen hatte es keinen einzigen Ausfall gegeben, „nichts, wo wir sagen müssten: Hier muss noch einiges verbessert werden.“

Das änderte sich auch am Donnerstag nicht: Im Viertelstundentakt donnerten die 2 x 1588 PS starken und 310 km/h schnellen „Super Pumas“ der Bundespolizei aus Richtung Kraftwerk auf den See zu, drehten eine Runde und positionierten sich dann über dem Wasser, um Dutzende junger Polizisten in spe „auszuspucken“.

An einer ausgesuchten Stelle, wie Jürgen Müller betont: Wer aus fünf und mehr Metern Höhe abspringt, der taucht ganz schön tief ins Wasser ein. Da darf keine flache Stelle und kein Unterwasser-Hindernis den Springern im Weg sein. „Der Blausteinsee mit seinen bis zu 46 Metern Tiefe ist für unsere Zwecke ideal. Er ist zudem ruhig gelegen und so gut wie frei von Booten und Surfern.“ Letzteres sähe Hermann Gödde, der sich als Geschäftsführer der Blausteinsee-GmbH am Donnerstag auch selbst ein Bild von dem nicht alltäglichen Einsatz der Bundespolizei machte, lieber anders...

Feuerwehr und DLRG helfen

Für zusätzliche Sicherheit sorgten Taucher der DLRG Düren sowie Einsatzkräfte der Feuerwehr, die hier nicht nur für den Fall der Fälle angerückt waren, sondern die jungen Polizisten an Land auch mit Getränken versorgten. Besonders gefragt: heißer Kaffee. Einsatzleiter Axel Johnen: „Der See hat eine Wassertemperatur von 18 Grad — an der Oberfläche. Ein Stück tiefer ist es deutlich kälter...“

Eigentlich hatte der gestrige Teil des viertägigen Wettbewerbs ein wenig anders aussehen sollen: Nach dem Sprung aus dem Helikopter hätten die Probanden Ertrinkende retten und an Land bringen sollen. Dass ihnen das erspart blieb, verdanken sie dem Personalmangel, der auch vor der Bundespolizei nicht Halt macht: Für „Ertrinkende“ fehlte das Personal. Und auch die Taucher der DLRG waren die Ausnahme: Eigene waren am Donnerstag nicht verfügbar.

Über die Autobahnen 4 und 61 sind es vom Blausteinsee aus 63 Kilometer bis Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis. Per Luftlinie dürfte die Entfernung knapp die Hälfte betragen — zehn Minuten Flugzeit für die bis zu 18 Personen fassenden „Super Pumas“ der Bundespolizei.

Party in der Donnerberg-Kaserne

Die unternahmen ihre letzten Rückflüge allerdings ohne ihre jungen Fluggäste: Die 113 jungen Männer und neun jungen Frauen — der jüngste zähltenoch 16 Lenze, der älteste bereits 36 — blieben bis heute früh in Eschweiler, genauer gesagt: in der Donnerberg-Kaserne. Dort stand am Nachmittag ein Beachvolleyballturnier auf dem Programm. Am Abend wurde dann gefeiert: der Abschluss der überaus erfolgreichen Projektwoche samt Siegerehrung.

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