Eschweiler: Wer beim Eschweiler Karneval feiern will, muss sich an Regeln halten

Eschweiler: Wer beim Eschweiler Karneval feiern will, muss sich an Regeln halten

Sie scharren längst mit den Hufen und können es kaum noch abwarten: 6500 Jecke, die am Rosenmontag durch die Fastelovendsmetropole Eischwiele ziehen werden und für ausgelassene Feierstimmung unter ungezählten Besuchern aus Nah und Fern in den Straßen der Stadt sorgen werden.

Die Stadt ist bestens vorbereitet, betont Bürgermeister Rudi Bertram: „Karneval kann kommen!“ Monatelang haben ungezählte Helfer darauf hingearbeitet, dass das närrische Großereignis reibungslos vonstatten gehen kann. Dabei ziehen seit jeher Komitee, Jugendamt, Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen an einem Strang.

Und das geht in diesem Jahr etwas entspannter vor sich als im vergangenen. Damals mussten unter dem Eindruck des Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin erhöhte Sicherheitsmaßnahmen kurzfristig umgesetzt werden. „In guter Zusammenarbeit aller Beteiligten ist das bestens gelungen“, resümiert Bertram. „Alles ist in normalen Bahnen verlaufen.“

Einige Hundert Menschen werden auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass alles gut geht. Schon am Donnerstag werden mehr als 110 Kräfte von Feuerwehr, Ordnungs- und Jugendamt, Security- und Hilfsorganisationen vor allem auf dem Markt und auf der Marienstraße Präsenz zeigen. Hinzu kommen Einsatzkräfte der Polizei in Uniform und in Zivil — wie viele, das behält die Polizei stets für sich.

An den beiden Einsatzschwerpunkten wird die Feuerwehr je eine Einsatzleitstelle platzieren, gleich daneben finden sich die Leitstellen der Hilfsorganisationen sowie der Security. „Mit der Johanniter Unfallhilfe, dem Malteser Hilfsdienst und dem Deutschen Roten Kreuz haben wir gemeinsame Einsatzkonzepte entwickelt“, betont Wehrchef Axel Johnen. „Unsere Zusammenarbeit hat sich seit langem bewährt; da gibt es längst erprobte Einsatzabläufe.“

Sollte das Personal vor Ort nicht ausreichen, stehen in vier Feuerwehrstandorten, sprich: Gerätehäusern, weitere Einsatzkräfte auf Abruf bereit. Eine Reserve, die im vergangenen Jahr kräftig ans Arbeiten kam, weil Sturmeinsätze der Wehr zu schaffen machten.

Am Rosenmontag werden zudem an verschiedenen Punkten entlang des Zugwegs Rettungswagen positioniert. Und natürlich stehen auch am Rosenmontag weitere Einsatzkräfte in den Feuerwehrdomizilen für den Notfall bereit. Dafür, dass im Rosenmontagszug möglichst niemand zu Schaden kommt, sorgen neben zahlreichen ehrenamtlichen Zugbegleitern allein 400 „Wagen-Engel“.

Ein Vollrausch ist kein Spaß

Ein besonderes Auge werden die Ordnungskräfte schon Fettdonnerstag auch auf Alkohol konsumierende Jugendliche haben. „Schon morgens früh um 9 darüber informiert zu werden, dass gerade ein Elfjähriger mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurde, grenzt an einen Alptraum“, erinnert sich Bürgermeister Rudi Bertram an Gott sei Dank vergangene Zeiten.

Dass die weiterführenden Schulen am Altweiberdonnerstag erst gar nicht mehr zu unterrichten versuchen, sondern ihre Schüler zu Hause lassen, hat viel dazu beigetragen, dass das Alkoholproblem in den zurückliegenden Jahren deutlich gemindert wurde — „aber nicht so, dass wir uns darum nicht mehr kümmern müssten“, sagt Bertram.

Und das tut die Stadt nicht nur durch Jugendschutzkontrollen: Zwischen 11 und 20 Uhr sind am Donnerstag Zweierteams des Ordnungsamtes unterwegs zwischen Markt und Marienstraße, um im Bedarfsfall einzugreifen. Zudem sind die Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit von 11 bis 16 Uhr mit ihrem Bus an der Ecke Indestraße/Marktstraße anzutreffen.

In ihrem mobilen Jugendtreff bieten sie eine „Chill-out-Area“ für Jugendliche an, die sich hier erholen und aufwärmen sowie sich mit belegten Brötchen und alkoholfreien Getränken stärken können. Mit dabei: ehrenamtlich tätige junge Leute des Projekts „Feierstarter“, die ihre Altersgenossen über Risiken und Folgen des Alkoholkonsums aufklären, ohne ihnen den Spaß am Feiern zu nehmen.

Im Bus gibt‘s auch ein „Care-Paket“ mit Papiertaschentüchern, Traubenzucker, Desinfektionsmittel, einem Pflaster und einem Jugendschutzkalender. Ein in vier Sprachen (Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch) erschienener Flyer, der über Kinder- und Jugendschutz im Karneval informiert und Nicht-Rheinländern erklärt, was Karneval überhaupt ist, ist schon im Vorfeld an die weiterführenden Schulen verteilt worden.

Strenges Glasverbot

Der Flyer weist auch auf ein weiteres großes Sicherheitsthema im Eschweiler Karneval hin: das Glasverbot. Das gilt am Donnerstag zwischen Grabenstraße, Peilsgasse, Indestraße und Dürener Straße, sowie für die Marienstraße vor der Jecke-Tön-Bühne, am Montag für den Marktplatz und die Zugangswege dorthin. Sowohl am Donnerstag als auch am Montag werden die Zugänge zum Markt gesperrt und die Besucher durch Sicherheitspersonal auf mitgeführtes Glas kontrolliert.

Das kann dauern, bittet die Stadt um Verständnis für die im Interesse unbeschwerten Feierns notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Und weist darauf hin, dass Personen, die Messer, Pfeffersprays oder sonstige „Selbstverteidigungsmittel“ mit sich führen, der Zugang zum Markt verwehrt wird. Und: „Wer auf dem Markt bzw. innerhalb der Glasverbotszone mit Gläsern oder Glasbehältnissen angetroffen wird, muss mit einen Verwarngeld von 30 Euro rechnen. Bei wiederholten Verstößen droht ein Platzverweis“, heißt es aus dem Rathaus.

Die weitaus meisten Besucher, so weiß Michael Effenberg vom Ordnungsamt, sind einsichtig. Zumal es die beliebten hochprozentigen Stimmungsmacher im Taschenformat inzwischen auch in Kunststofffläschchen gibt. Im vergangenen Jahr mussten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes etwa 20 Verwarngelder verhängen. Angesichts der Tausenden von Besuchern eine erfreulich geringe Zahl.

Bei Verstößen einschreiten

Das Glasverbot gilt übrigens auch weitgehend für die Teilnehmer des Rosenmontagszugs, wie Komitee-Präsident Norbert Weiland betont: Das Werfen (und Wegwerfen) von Glasbehältern ist strengstens untersagt. Die Zugbegleiter sind angehalten, bei Verstößen einzuschreiten und vor allem auf offenkundig übermäßig Alkohol konsumierende Jugendliche zuzugehen. „Das hilft uns mehr, als im Nachhinein hinter vorgehaltener Hand über mögliche Vorfälle zu reden.“

Die Jecken, so Norbert Weiland, stehen in den Startlöchern. „In enger Kooperation mit allen beteiligten Dienststellen haben wir alle möglichen Stolpersteine aus dem Weg geräumt.“ Jetzt kann gefeiert werden.

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