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Workshop der Stadtbücherei: Wenn Kinder selbst Videospiele und Charaktere gestalten

Workshop der Stadtbücherei : Wenn Kinder selbst Videospiele und Charaktere gestalten

„Vom Spiel in die Wirklichkeit“: Das war der Titel eines Workshops, bei dem jetzt 17 Kinder Spielcharaktere zum Leben erwecken konnten. Gemeinsam haben sie Geschichten erzählt, Abenteuer erlebt – und sind in neue Rollen geschlüpft.

Im Kinder- und Jugendzentrum (Kijuze) St. Peter und Paul wird gebastelt, gemalt und gespielt. Das ist erst mal nicht unüblich, doch in dieser Herbstferienwoche beschäftigen sich 17 Kinder mit Spieledesign und Cosplay, also dem Hobby, sich gerne als Spiele- und Comicfigur zu verkleiden. Im Programm „Stärker mit Games“ (Computerspielen), das die Stiftung Digitale Spielekultur Berlin mit der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen „Kultur macht stark“ veranstaltet, fand jetzt vier Tage lang der Workshop „Vom Spiel in die Wirklichkeit“ statt.

Unter fachkundiger Anleitung entwickelten die Kinder eigene Charaktere, Logos und Kostüme. Dabei stand vor allem das Zusammenspiel von digitaler und analoger Welt im Vordergrund, denn beim Spieledesign beschäftigten sich die Teilnehmer mit Spielen im virtuellen Raum, während sie beim Cosplay ganz praktisch arbeiteten und tolle Kostüme kreierten.

Vier Tage lang tauchten die Kinder ein in die Bereiche. „Der erste Tag stand ganz im Sinne der Identität und des Charakterdesigns“, erzählt Valerie Quadde. Sie ist Cosplayerin und extra für den Workshop aus Österreich angereist. Es ging um die Bedeutung und den Ursprung von Cosplay, außerdem wurden die Teilnehmer in Gruppen, sogenannte Clans, eingeteilt. In diesen mussten sie sich einen Namen, ein Wappen, einen Kampfschrei und ein Maskottchen überlegen. Zum Beispiel gab es eine Gruppe, die auf Harry Potter basierte und eine, die sich mit der japanischen Mangaserie Naruto beschäftigte.

17 Kinder haben sich vier Tage lang mit Game Design und Cosplay auseinandergesetzt. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Am zweiten Tag lernten die Kinder dann Cosplaytechniken. Welche Materialien kann man verwenden, um eine Maske zu basteln? Wie stellt man eine Rüstung her? Woraus könnte man Zauberstäbe anfertigen? Unter Anleitung von Quadde und Spieledesigner Martin Fischer nutzten die Kinder Papier, Pappe und Kork, aber auch Gips und Resin. Letzteres ist eine Art Harz, aus dem die Kinder zum Beispiel Kristalle geformt haben. Worbla, ein thermoplastischer Kunststoff, der beim Erhitzen weich und somit formbar wird, diente ebenfalls als Material. Daraus haben die Kinder sich Armschienen gebastelt, die sie bunt bemalt haben.

In Sachen Design hat Fischer den Kindern das Spiel „Bloxels“ gezeigt, das sowohl als App für Smartphones und Tablet verfügbar ist als auch als analoges Spiel existiert. Aus Steinen konnten die kleinen Designer Charaktere bauen, die dann mithilfe der App in digitale Spielfiguren umgewandelt wurden.

Dort war es auch möglich, sich eine Spielewelt zu kreieren, in der die Figuren dann Aufgaben absolvieren mussten. „Es ist eine Pixelgrafik und sehr einfach zu programmieren“, erklärt Fischer, der aus Berlin gekommen ist. Jeder einzelne Stein in den Levels könne einzeln gestaltet und verändert werden.

Mithilfe einer App haben die Kinder ihr eigenes kleines Videospiel entworfen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Das hat dem neunjährigen Matthias besonders gut gefallen. „Es ist ein bisschen verrückt, dass wir mit richtigen Steinen ein Spiel gemacht haben, was dann auf dem Tablet ein eigenes Spiel wurde“, sagt er fasziniert. Dass er selbst ein Spiel programmieren konnte, hat ihm besonders gut gefallen. Überhaupt waren die vier Tage eine schöne Erfahrung. „Ich bastle nämlich sehr gerne und finde Cosplay interessant.“

Marissa gehörte dem „Harry Potter“-Clan an. „Ich fand es besonders cool, Kostüme von Comics und Filmen zu basteln und Spiele selber zu programmieren“, erzählt die Neunjährige. Es sei spannend gewesen, zu sehen, wie weit man es in seinen eigenen Levels schaffe. Die App zur Programmierung möchte sie auch zu Hause mit ihren Eltern weiter benutzen.

Über diesen Effekt freut sich Michaele Schmülling-Kosel, Leiterin der Stadtbücherei. Diese hat den Workshop gemeinsam mit Tanja Pelinski vom Kijuze veranstaltet. „Er soll die Persönlichkeit stärken und einen bewussten Umgang mit Medien vermitteln.“