Eschweiler: Wenn die Pegel an der Inde wieder steigen

Eschweiler: Wenn die Pegel an der Inde wieder steigen

Wenn es im Winter taut, steigen auch wieder die Pegel der Flüsse an. Mit welchen Wassermassen in den kommenden Monaten an der Inde zu rechnen ist und ob wieder ein Hochwasser wie im vergangenen Jahr droht, ist aber nur schwer vorherzusagen.

Eine Prognose für das Jahr 2012 sei nicht möglich, dafür sei das Einzugsgebiet der Inde im Vergleich zum Rhein oder zur Mosel einfach zu klein, sagt Thomas Meurer vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Der 42-jährige Diplom-Ingenieur ist beim Wasserverband für den Einzugsbereich der Inde verantwortlich.

Im vergangenen Jahr, als das Wasser der Inde bis knapp unter die Brücken anstieg, sei eine Einschätzung leichter gefallen. Der Schnee habe lange gelegen, es sei bekannt gewesen, wieviel Flüssigkeit in der weißen Masse gespeichert war, und man habe gewusst, wann die Temperaturen ansteigen würden. Der zusätzliche Niederschlag habe damals schließlich zu einer „außergewöhnlichen Kombination” geführt, erklärt Meurer.

Von einem Jahrhunderthochwasser könne dabei aber nicht die Rede sein, sagt Meurer. Bei dem Begriff, der mittlerweile in Zusammenhang mit jeder kleineren Überschwemmung auftaucht, handelt es sich um einen statistischen Wert. Das bedeutet, das solch ein Ereignis im Durchschnitt alle 100 Jahre stattfindet. Es kann aber auch sein, das es zwei Jahre hintereinander auftritt und dann wieder 200 Jahre lang nicht. Das ist eben Statistik.

In der Wasserwirtschaft wird solch ein Jahrhunderthochwasser kurz als HQ 100 bezeichnet. Darauf sind die Hochwasserschutzmaßnahmen an den Flüssen und Bächen ausgelegt und bemessen. Ereignisse, die statistisch gesehen alle 5, 10 oder 20 Jahre auftauchen, werden entsprechend als HQ 5, HQ 10 und HQ 20 bezeichnet. Das heißt aber nicht, das bei einem HQ 10 doppelt soviel Wasser die Inde herunterfließen würde als bei einem HQ 5.

„Der Unterschied beträgt oft nur wenige Zentimeter”, sagt Meurer. Das erklärt auch, warum er in Zusammenhang mit dem vergangenen Jahr nicht von einem Jahrhunderthochwasser spricht. Dafür muss die Inde am Pegel Eschweiler einen Stand von 2,87 Meter erreichen. Das sei 2011 aber nicht der Fall gewesen, auch wenn der Anblick des knapp unter den Brücken hersausenden Wassers bedrohlich gewirkt und mulmige Gefühle habe auslösen können.

Bereits bei HQ 20 beginne sich das Wasser an den Brücken einzustauen, zu einem sogenannten Überstau, also zu einer Überschwemmung der Brücken komme es aber erst bei einem Hochwasser, das statistisch alle 200 Jahre vorkommt. „Wenn das Wasser an den Brücken beginnt einzustauen, sind ja noch einige Dezimeter Platz”, sagt der Ingenieur.

Das angeschwemmte Treibgut könne allerdings zu einer Gefahr werden, räumt Meurer ein. Deshalb habe im vergangenen Januar ein Bagger auf der Brücke an der Grabenstraße gestanden, um angeschwemmtes Holz und andere Gegenstände zu entfernen.

Genaue Angaben zum Wasserstand der Inde liefert der vom Land NRW betriebene Pegel Eschweiler, der sich in Höhe der Straße An der Wasserwiese befindet. Die Anlage misst den Wasserstand auf unterschiedliche Art und Weise. Die einfachste und zuverlässigste Methode ist der so genannte Lattenpegel.

Anhand einer festgelegten Markierung kann der Wasserstand einfach vor Ort abgelesen werden. Die andere Methode funktioniert über ein in der Indesohle befindliches Pegelrohr, welches die Wasserstände der Inde auf einen Schwimmer überträgt, der sich im Inneren des rotgeklinkerten Messhauses befindet.

Die Daten werden kontinuierlich aufgezeichnet und in Intervallen auch ins Internet übertragen (siehe Box). Mit Hilfe der Seilkrananlage die sich von einem Ufer zum anderen spannt, kann ein Messgerät ins Wasser gelassen werden, das die Fließgeschwindigkeit misst. Anhand der Wasserhöhe, die der Schwimmer bzw. der Lattenpegel ermittelt, lässt sich die Wassermenge, die jede Sekunde die Inde hinunterfließt, berechnen.

Meist sind es aber nicht Flüsse wie die Inde, die den für den Hochwasserschutz Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, sondern die kleineren Gewässer wie der Omerbach. Während Inde, Wurm und Rur eher von Winterhochwässern betroffen sind, entsteht das Hochwasser an kleinen Bächen durch kurzen starken Regen wie zum Beispiel bei einem heftigen Sommergewitter. Der Boden kann die großen Niederschlagsmengen in der kurzen Zeit nicht aufnehmen, an engen Rohren staut es sich dann besonders häufig. Das haben die Betroffenen entlang des Omerbachs in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren bekommen.

Um den Hochwasserschutz zu optimieren hat der WVER inzwischen drei Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Das Becken an der Eifelstraße ist bereits seit 2007 in Betrieb. Die anderen beiden Becken befinden sich in der Nähe von Gressenich und gehen im Frühjahr 2012 in Betrieb.

Gefährdete Bereiche entlang der Inde

Eine Übersicht der Gefährdung der Bereiche entlang der Inde bei unterschiedlich starkem Hochwasser bieten die Hochwassergefahren Karten des Landes NRW.

Die Karte für den Bereich Inde/Vicht ist unter http://www2.hydrotec.de/hwgks-inde-vicht/ abrufbar.

Die Pegelstände sind unter http://luadb.lds.nrw.de/LUA/wiski/pegel.php.de abrufbar.