50 Jahre zurückgeblättert: Wenn bei der OP der Strom ausfällt

50 Jahre zurückgeblättert : Wenn bei der OP der Strom ausfällt

Ein Umzug zu St. Martin, der etlichen Umständen trotzen muss, Personalmangel bei der Post und ein Stromausfall während einer Operation. Das stand heute vor 50 Jahren in Eschweiler und Stolberg in der Zeitung. Auch Willi Prummenbaum war dabei.

Was stand genau heute vor 50 Jahren in dieser Zeitung? Das wollen wir in unserer neuen Serie darstellen. Diese soll in unregelmäßigen Abständen erscheinen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Diesmal geht es um den 12. November 1969. Damals, als die Gemeinderatswahlen in Stolberg und Eschweiler gerade gelaufen waren...

In Stolberg führte das dazu, dass die FDP aus dem Rat ausschied. „Dass die FDP unter die Fünf-Prozent-Grenze rutschte, war die Überraschung der Stolberger Stadtratswahlen“, schrieb unsere Zeitung damals dazu. Auch in Gressenich – damals noch eine eigene Gemeinde – setzte sich die CDU durch. Dort gingen allerdings noch zwei Sitze an die FDP.

CDU macht das Rennen

In Eschweiler machte die CDU ebenfalls das Rennen – mit 21 Sitzen gab es wie schon fünf Jahre zuvor die absolute Mehrheit. Auch in Kinzweiler gewann die CDU. Nicht aber in Weisweiler und Dürwiß: Dort hatte jeweils die SPD die Nase vorn. In der Zeitung gab es einen Überblick über die im Rat der Stadt vertretenen Politiker. Die Überschrift: „Die zornigen jungen Männer sind auf der ‚Überholspur’“. 13 neue Namen tauchten in der Liste auf und auch einige, die es nicht geschafft hatten. Zu ihnen gehörten Philipp Schüller (CDU), Matthias Dupont (SPD) und – diese Nachricht musste wegen des folgenden schönen Namens hier rein – Willi Prummenbaum (CDU). Apropos schöne Namen: Schon damals gab es Meisterschaften, bei denen Hunde gekürt wurden. In diesem Fall waren es Schäferhunde und Sieger wurde: Bernhild von der Silberbuche.

Zugpferd in Dürwiß war damals Erich Berschkeit. Den, so steht es in der Zeitung geschrieben, hatte damals zum Start in die Karnevalssession ein Büttenredner zwischen und zwar Josef Schmitz alias „Etagen-Jupp“. Er berichtete von Geistern im Dürwisser Rathaus. Berschkeit konterte: „Solange ich im Rathaus Bürgermeister bin, werde ich dafür sorgen, daß kein Geist einzieht.“

Als jemand der ebenfalls seine Versprechen hält, ist St. Martin bekannt. Natürlich durfte der auch vor 50 Jahren in Stolberg nicht fehlen. „St. Martin kam trotz Wind und Regen“ titelte damals diese Zeitung. Die Umstände hatten es ihm und auch den Teilnehmern der Umzüge allerdings gar nicht so leicht gemacht. Das große Problem des Abends: „Dass die Fackeln wegen des Sturmes und Regens nicht brennen wollten. So verfielen einige auf eine Idee, die bald Schule machte.“

Bedeutet: Mit Batterien und Taschenlampenbirnen konnte man die Fackeln schließlich trotzdem anzünden. Probleme gab es allerdings nicht nur mit der Beleuchtung, sondern auch mit der Musik. Wegen des schlechten Wetters konnten zur Beleuchtung der Noten keine Pechfackeln eingesetzt werden. „So zeigten die Musiker ihre eigene Methode: Eine Taschenlampe, dazu Klebeband, und das Ganze am Instrument befestigen“, war damals zu lesen. Klappte wohl „prima“.

Und welches Fest steht nach dem des Heiligen Martins im Kalender? Richtig: Weihnachten. Damit vor 50 Jahren auch alle Pakete rechtzeitig ankamen, forderte die Stolberger Post dazu auf, Weihnachtssendungen nicht auf die lange Bank zu schieben. Schließlich gebe es in Stolberg zu wenig Personal. Heißt im Klartext: Pakete sollten damals bis zum 10. Dezember abgegeben werden. Pakete in die DDR mussten damals schon bis zum 4. Dezember aufgegeben werden. „Unechte“ Weihnachtssendungen, wie Kalender, Prospekte, Kataloge und Warensendungen zu Werbezwecken sollten vor dem 14. Dezember oder „am besten erst“ nach dem 26. Dezember verschickt werden. Und: „Unmittelbar vor dem Jahreswechsel ist die Auskunft der Post völlig überlastet.“ Ob sich da im Laufe der Jahre wirklich etwas geändert hat?

Von der Überlastung bei der Post kommen wir nun zu den Einsätzen der Feuerwehr. Eine Bilanz des Jahres 1969 wurde vor 50 Jahren präsentiert. Der wohl spektakulärste Einsatz: ein Stromausfall im Bethlehem-Krankenhaus. „Mit ihrem Stromerzeuger eilte die Feuerwehr am 8. Oktober zum Bethlehem-Krankenhaus, wo durch Stromausfall bei einer Operation eines Patienten das Wiederbelebungsgerät nicht mehr benutzt werden konnte.“ Wie der Fall ausging, ist nicht bekannt. Aber: Hilfe konnte noch in einem weiteren Fall im Stolberger Krankenhaus geleistet werden. Und zwar als ein Aufzug mit zwei Kindern zwischen Erd- und erstem Obergeschoss wegen des Ausfalls des Motorhauptschalters stecken blieb. Die Kinder konnten allerdings schnell aus ihrer Lage befreit werden, war damals zu lesen.

Und wo wir gerade einmal beim Thema Nachwuchs sind. Stolberg wuchs damals weiter und weiter. „Bald 40.000 Einwohner in Stolberg“ titelte damals diese Zeitung. „187 Anmeldungen standen 168 Abmeldungen gegenüber, 50 Geburten, 26 Sterbefälle.“ Was damals auch ganz wichtig zu sein schien: „Der Frauenüberschuss ging weiter zurück; denn an dem Bevölkerungsgewinn waren die Frauen mit 10 beteiligt, während die Zahl der Männer um 33 anstieg.“ Ein Beweis mehr dafür, dass Männer doch das starke Geschlecht ausmachen?

Eschweiler Originale

Was die damalige Zeit auf jeden Fall ausgemacht hat waren die Originale. „Etagen-Jupp“ war so eins, aber auch Granraths Maria, Wellemse Marie und die Frau Bötig, wie in einem Bericht über den Eschweiler Wochenmarkt zu lesen war. Diese Drei hatten die Geschicke auf dem Markt in früheren Zeiten bestimmt, 1969, als die Standgebühr 7,60 DM betrug, feierte in gewisser Servatius Lauscher (Lauschers Serv) ein Jubiläum: Seit 40 Jahren verkaufte er Waren auf dem Markt und es ist sogar erwähnt, was Lauschers Serv als erstes in seinem Leben als Marktverkäufer unters Volk brachte: einen Blumenkohl.

Es gab auch wichtige Tipps für das Eheleben und zwar in einem Bericht über einen Vortrag des Diözesanreferenten Günter Giesen, der über Glück und Freude in Ehe und Familie dozierte. Seine Botschaft wurde in der Überschrift zusammengefasst: „Ehe ohne geistigen Inhalt endet schnell im Leerlauf“. Wenn das mal nicht ein wertvoller Tipp ist.

Und da die fünfte Jahreszeit nun ja auch offiziell wieder begonnen hat: Vor 50 Jahren gab es übrigens auch schon den Orden „Wider den tierischen Ernst“. 1969 gab es den 20. Preisträger: Denis Winston Healey, seines Zeichens britischer Veteidigungsminister, wurde ausgezeichnet. Na dann, Alaaf!