Eschweiler: Wenig Cannabis und keine harten Drogen

Eschweiler : Wenig Cannabis und keine harten Drogen

Eine Insel der Glückseligen ist Eschweiler nicht. Aber auch alles andere als eine Drogenhochburg. Das gilt auch für Eschweilers Schulen. Hinweise, dass im Umfeld der Schulen mit Drogen gehandelt werde, nimmt die Polizei zwar ernst, kann sie aber kaum verifizieren: „Das ist alles vage, nebulös, nicht greifbar“, sagt Polizeidirektor Hans-Peter Sperber, Leiter der Polizeiinspektion 2.

Ein Hinweis wie der, dass da aus einem schwarzen Pkw jemand irgendetwas durchs Fenster gereicht hat, ist kaum geeignet, Dealern das Handwerk zu legen.

Auf Drängen von Eltern hatte die FDP-Ratsfraktion vor Wochen Drogen an Schulen zum Thema gemacht und gemeinsame Initiativen von Stadt und Polizei gefordert (wir berichteten). Letztere verweist auf die Kriminalstatistik und intensive Kontrollen Jugendlicher im vergangenen Jahr auch außerhalb der Schulen: „Die haben nichts ergeben. Da wurden nur ganz selten ganz geringe Mengen an Betäubungsmitteln gefunden.“ Aus den Schulen selbst, so Sperber, erhalte die Polizei allenfalls zwei bis vier Hinweise pro Jahr. „Womit ich nicht sagen will, dass es dort keine BTM-Szene gibt.“

Belastbare Zahlen liefert die polizeiliche Kriminalstatistik. Ihr zufolge schwankten die in Eschweiler erfassten BTM-Delikte in den zurückliegenden zehn Jahren zwischen 168 und 110 pro Jahr. 2016 wurden 127 und 2017 130 Delikte erfasst. Beide Werte liegen unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 137.

Von den 130 im vergangenen Jahr erfassten BTM-Delikten bezogen sich 90 auf Cannabis (69 Prozent), 15 auf Amphetamine (12 Prozent), fünf auf Heroin (vier Prozent), und zwei auf Kokain/Crack (zwei Prozent).

In 124 (95 Prozent) der 130 erfassten BTM-Fälle ging es um den Besitz, Handel oder Schmuggel geringer Mengen BTM. Von den 121 im vergangenen Jahr ermittelten Tatverdächtigen waren 41 (34 Prozent) noch keine 21 Jahre alt. Sieben waren 14/15 Jahre alt, zehn 16/17 Jahre alt, und 24 waren 18 bis 20 Jahre alt.

Keine schwerwiegenden Verstöße

In den zurückliegenden fast dreieinhalb Jahren, genauer: vom 1. Januar 2015 bis zum 25. April 2018, so berichtet Sperber, wurden an Eschweiler Schulen (bis zur 13. Klasse) ganze 17 BTM-Verstöße erfasst. An „sonstigen Bildungseinrichtungen“ waren es in dieser Zeit 15 Vorfälle. Darin erfasst sind auch Vorfälle auf dem Schulgelände außerhalb der Unterrichtszeiten: Gerade an lauen Sommerabenden sind die Schulhöfe beliebte Jugendtreffpunkte.

„In keinem dieser Fälle“, so unterstreicht die Polizei, „kam es zu einem schwerwiegenden Verstoß. Die geführten Verfahren bezogen sich im Höchstfall auf zwei Gramm Marihuana. Verfahren wegen ,harter Drogen‘ wurden nicht eingeleitet.“

Mit dem Antrag der FDP, in allen Schulen Suchtbeauftragte zu benennen, mit Polizei und Bundespolizei Maßnahmen zur Eindämmung von Drogenhandel an den Schulen zu erarbeiten, die Schulleiterkonferenz einzubinden und kurzfristig einen Informations- und Präventionsplan für Jugendliche zu erstellen, befasst sich der Schulausschuss in öffentlicher Sitzung am 30. Mai.

Im Vorfeld hatte Schulamtsleiterin Petra Seeger nicht nur die Polizei, sondern auch die Schulleiter um eine Stellungnahme gebeten. Letztere antworteten mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sie zugestehen, dass die Schulen keine Ausnahmen von gesamtgesellschaftlichen Phänomenen bilden: „Es mag in Eschweiler verschiedene Orte, Plätze oder Straßenecken geben, wo Drogen verteilt und konsumiert werden. Davon sind Schulen per se nicht ausgenommen...

Vorurteilsfrei entgegentreten

Eine übertriebene Dramatisierung und Skandalisierung der Drogen- und Suchtthematik ist vor allem für die Betroffenen und für die Schulen insgesamt nicht hilfreich. „Wir gehen täglich mit vielen verschiedenen Menschen um, die mit ihren unterschiedlichen Biografien zusammenleben und das Schulleben gestalten. Die Schülerschaft ist in dieser Weise ein gesellschaftliches Abbild einer bestimmten Altersgruppe mit allen positiven und negativen Aspekten, die auch außerhalb der Schule zum Tragen kommen.“ Für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit sei wichtig, den Kindern und Jugendlichen vorurteilsfrei und vorverurteilungsfrei zu begegnen.

Die Schulleiter weisen auch darauf hin, dass sie seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Ansätzen und Partnern intensive Suchtprävention leisten. Das beginnt mit Programmen zur Ich-Stärkung und Gesundheitsprävention in den Grundschulen und setzt sich in den weiterführenden Schulen mit einem „seit vielen Jahren gut evaluiertem, implementierten und erfolgreichen Suchtpräventionskonzept“ fort.

Maßgebliche Unterstützung erfahren die Schulen dabei von den inzwischen an allen Schulen tätigen Schulsozialarbeitern.