Eschweiler: Weihnachtsbaum stürzt auf Karussell: Suche nach Ursache

Eschweiler : Weihnachtsbaum stürzt auf Karussell: Suche nach Ursache

Menschen plaudern entspannt bei Glühwein und Punsch, im Hintergrund säuseln Weihnachtslieder, Kinder tollen durch die Reihen der Erwachsenen — erst ein unheilvolles Knacken beendet am Sonntag kurz vor 18 Uhr die Idylle auf dem Eschweiler Weihnachtsmarkt. Die etwa 15 Meter hohe und mit glänzenden Päckchen behangene Fichte kippt und begräbt eine Reihe von Menschen, darunter viele Kinder, unter sich.

Was folgt, kennen manche lediglich aus Katastrophenfilmen: aufgeregt schreiende Menschen, Hilferufe, weinende Kinder. 24 Stunden später sind die meisten Spuren auf dem Marktplatz beseitigt, lediglich die tiefe Delle im Dach des Kinderkarussells erinnert an das Unglück vom Vortag. Es gleicht einem Wunder, dass lediglich sechs Menschen verletzt wurden. Ein 49-Jähriger blieb über Nacht im Krankenhaus, er erlitt starke Prellungen und konnte das St.-Antonius-Hospital am Montag verlassen.

Welche Folgen der Bruch des Baums gehabt hätte, wäre der Fall nicht vom Fahrgeschäft gebremst worden, will sich niemand ausmalen. Noch am Abend meinte Bürgermeister Rudi Bertram beim Blick auf die Unfallstelle: „Wir haben Glück im Unglück gehabt.“ Am Tag danach geht die Suche nach den Ursachen weiter. Noch am Sonntagabend war die Kriminalpolizei vor Ort. Der Weihnachtsbaum steckte 1,50 Meter tief in einer Metallhülse, die eigens für den Weihnachtsmarkt im Boden des Platzes einbetoniert wurde. Fotos zeigen, dass der Stamm verjüngt worden war, um ihn in den Boden zu lassen. Etwa 50 Zentimeter über Bodenniveau ist der Stamm geborsten.

Der Citymanagement-Verein veranstaltet den Weihnachtsmarkt und hat dafür eine Sondernutzungserlaubnis des Marktplatzes von der Stadt erhalten. Der Weihnachtsbaum hingegen zählt zur jährlich stattfindenden Aktion des Eschweiler Kinderschutzbundes und wurde von einer Firma gestiftet. Nach Informationen unserer Zeitung wurde eine Versicherung für den Baum abgeschlossen.

Aus Sicht der Stadtverwaltung hat am Sonntag keine Veranlassung bestanden, den Weihnachtsmarkt aufgrund der Wetterlage abzusagen: „Uns lag vom Deutschen Wetterdienst eine Meldung der Stufe zwei vor“, berichtet Verwaltungssprecher René Costantini. Diese Einstufung sagt Windböen mit einer Geschwindigkeit von maximal 100 Stundenkilometern voraus.

Der Wetterdienst spricht dann von „markantem Wetter“. Die Stadtverwaltung wird erst tätig, wenn Stufe drei erreicht wird. „Dann wird der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes informiert“, teilt Costantini mit. Dies übernimmt in Eschweiler die Feuerwehr, die auch die Wetterlage im Blick behält. Bei Stufe vier wäre der Weihnachtsmarkt geschlossen worden.

Dies geschah am Sonntag unmittelbar nach dem Unfall. Alleinunterhalter Peter-Heinz Arnolds bat die Besucher von der Bühne aus, in Ruhe den Platz zu verlassen, um Polizei und Feuerwehr bei ihrer Arbeit nicht zu behindern. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Verletzten in den Krankenwagen bereits behandelt. Ursprünglich war von fünf Personen die Rede, ein Mensch habe schwere Verletzungen davongetragen, hieß es. Am Montag wuchs die Zahl auf sechs. Allerdings blieb es in fünf Fällen bei ambulanten Behandlungen. Auch der vermeintlich schwerer Verletzte konnte mit schweren Prellungen das Eschweiler Krankenhaus verlassen.

Welche Kräfte eine Fichte in der Größe entwickelt, lässt sich nur grob schätzen. Beim Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde rechnet man damit, dass der Baum auf dem Eschweiler Weihnachtsmarkt ein Gesamtgewicht von über 1,5 Tonnen gehabt hat. Gefährlich seien in solchen Fällen auch dickere Äste, die beim umkippenden Baum eine Peitschenwirkung entwickeln können, heißt es dort. Der Eschweiler Unglücksbaum ist inzwischen zunächst von Feuerwehrleuten grob zersägt und am Montagmorgen von Mitarbeitern der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler zerlegt und abtransportiert worden.

In anderen Städten ist es üblich, dass Weihnachtsbäume in einer gewissen Größe zusätzlich mit Stahlseilen abgesichert werden. Ob derartige Überlegungen auch in Eschweiler anstehen, ist nicht bekannt. „Soweit sind wir noch nicht“, sagte Costantini. Man wolle zunächst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten.

Am Montag saßen sowohl die Vertreter des Citymanagement-Vereins, als auch des Kinderschutzbunds im Rathaus mit am Tisch. „Wir sind alle gemeinsam mit im Boot, es geht nicht darum, einen Schuldigen zu finden“, betont der Verwaltungssprecher. Der Eschweiler Weihnachtsmarkt wird ausschließlich von Ehrenamtlern organisiert. Der Veranstalter ist haftbar, der Citymanagement-Verein hat eine entsprechende Versicherung für den Weihnachtsmarkt abgeschlossen.

Die Polizei rechnet nicht mit einem schnellen Untersuchungsergebnis. „Im Moment gehen wir von einem Unglücksfall aus“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Die Fotos, die die Kripo am Sonntagabend geschossen hat, werden ausgewertet. Ob noch weitere Gutachter hinzugezogen werden, steht derzeit noch nicht fest. Man werde alles sorgfältig auswerten, heißt es.

Heute soll auf dem Marktplatz wieder der Alltag einkehren. Nachdem am Montag die Läden geschlossen blieben, öffnet der Budenzauber wieder um 16 Uhr seine Pforten. Die Metallhülse für den Weihnachtsbaum bleibt jedoch leer.

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