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Eschweiler: Weg vom Turbo-Abi: Gymnasium plant Rückkehr zu G9

Eschweiler : Weg vom Turbo-Abi: Gymnasium plant Rückkehr zu G9

Der Schulentwicklungsplan, der die Schullandschaft der kommenden fünf Jahre in Eschweiler beschreibt, wurde im ersten Entwurf vom Kulturausschuss am Mittwoch verabschiedet — einstimmig. Allerdings nahmen die Kommunalpolitiker auch Korrekturen vor, die nicht die Zustimmung aller fanden.

So strebt das Städtische Gymnasium die Rückkehr zum Abi nach 13 Schuljahren an. Zudem wird die Verwaltung keine Initiative ergreifen, Bekenntnisschulen umzuwandeln. Die Kernpunkte:

Welche Vorschläge enthält der Entwurf des Schulentwicklungsplans, die Attraktivität des Städtischen Gymnasiums zu steigern?

Die Lehrer des Städtischen Gymnasiums stimmten in einer Sitzung am Dienstag dafür, Möglichkeiten zu ergreifen, zum Abitur nach neun Schuljahren an dem Gymnasium zurückzukehren. Am Donnerstagabend tagte die Schulkonferenz. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich dem Wunsch der Lehrer anschließt. Die Kommunalpolitiker unterstützen den Kurs der Schule, lediglich die FDP-Vertreterin Dagmar Göbbels sprach sich gegen eine Rückkehr zu G9 aus. Der Tenor der anderen Parteien lautete, dass man sich der Entscheidung der Schule anschließen werde. Zuspruch erfährt der Plan, einen Ganztagsbetrieb am Städtischen Gymnasium einzuführen. Dies soll mit dem Schuljahr 2017/2018 geschehen.

Wie hoch sind die Chancen, zum G9 zurückzukehren?

Auf den ersten Blick gering. Der Vorsitzende des Schulausschusses, Dietmar Schultheiß (SPD), sprach von einem „sehr steinigen Weg“. Die Schule und auch die Stadtverwaltung sind jedoch bereit, ihn zu gehen. In ersten Gesprächen hat die Bezirksregierung deutlich gemacht, dass derzeit nichts dafür spreche, einem solchen Antrag zuzustimmen. Schulleiter Winfried Grunewald hofft auf politische Unterstützung für das Vorhaben der Schule. Bürgermeister Rudi Bertram sagt, dass man den Eltern-, Lehrer- und Schülerwillen nicht ignorieren solle, nur um einer Bezirksregierung oder einem Ministerium zu folgen.

Was spricht für G9?

Sowohl Grunewald als auch Schulamtsleiterin Petra Seeger sprechen davon, dass immer wieder Eltern berichten, dass sich die Kinder zunehmend überfordert fühlen. Der Schulleiter sieht auch ein grundsätzliches Problem. „Mit dem Wegfall von Zivildienst und Wehrdienst, der früheren Einschulung und G8 fehlen manchen Jungen drei Jahre ihrer Entwicklung vor der Berufswahl“, sagt Grunewald. Am Städtischen Gymnasium besteht zudem ein bilingualer Zweig, der unter G8 deutlich an Attraktivität verloren hat. „Eltern sehen die Belastung von G8 und scheuen dadurch die Wahl des bilingualen Zweigs, um die Kinder nicht zu überfordern“, sagt er.

Welche Möglichkeiten bestehen, G9 am Städtischen Gymnasium wieder einzuführen?

Juristisch hat Eschweiler schlechte Karten, dieses Vorhaben umzusetzen. Im Jahr 2010 bestand letztmals die Möglichkeit, innerhalb eines Schulversuchs G9 wieder zu installieren. Die Schulkonferenz am Städtischen Gymnasium lehnte damals ab — allerdings unter einem anderen Schulleiter. Es bliebe der politische Weg.

Wird die Stadtverwaltung, wie im Entwurf des Schulentwicklungsplans vorgesehen, die Umwandlung von Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen anregen?

Nein, dem hat die Mehrheit des Schulausschusses widersprochen. Der katholische Pfarrer Hannokarl Weißhaupt hatte zuvor darauf hingewiesen, dass von einer Umwandlung „die einzige evangelische Grundschule in der Stadt“ betroffen sei, weil dort die Schüler mit christlichen Bekenntnissen in der Minderheit seien. Losgelöst von der Entscheidung des Schulausschusses können Eltern an jeder Schule eine Umwandlung anregen. Lediglich die Vertreter der CDU wollten den Passus im Schulentwicklungsplan belassen, nach Möglichkeit Bekenntnisschulen umzuwandeln.

Müssen bald sechsjährige Grundschüler mit dem Linienbus zur Grundschule fahren?

Diese Möglichkeit besteht. Schulamtsleiterin Petra Seeger schloss lediglich aus, dass Kinder von Dürwiß nach Kinzweiler fahren müssen. Allerdings betonte sie, dass es zumutbar sei, wenn Kinder von der Stadtmitte nach Kinzweiler fahren: „Der ÖPNV ist auch für Grundschulkinder eine Möglichkeit.“ Der Schulentwicklungsplan legt Klassenobergrenzen für die Grundschulen und die Zügigkeit fest.

Sind die Kapazitäten ausgeschöpft, müssen Kinder abgewiesen werden, auch wenn sie schulortsnah wohnen. Dies führte zu Kritik von den Schulleitern. Deren Sprecher Gerd Schnitzler setzt sich unter anderem dafür ein, betroffenen Eltern einen Schülerspezialverkehr anzubieten. Die Chancen, dies zu finanzieren, wertete Seeger als gering. Dr. Christoph Herzog sprach für die SPD und bat, das Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ nach Möglichkeit einzuhalten. Allerdings stimmten auch die Sozialdemokraten letztlich für den Verwaltungsvorschlag und damit für die Option, Eltern bei der Anmeldung an eine andere Schule zu verweisen.

Wann tritt der Schulentwicklungsplan in Kraft?

Beraten wurde der Entwurf. In ihm werden nun die Änderungen aus der Abstimmung im Schulausschuss eingearbeitet. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat in seiner letzten Sitzung des Jahres. Der Schulentwicklungsplan soll alle fünf Jahre aufgelegt werden, der letzte in Eschweiler stammt von 2010.