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Schreibwerkstatt: Was Heimat für kreative Realschüler bedeutet

Schreibwerkstatt : Was Heimat für kreative Realschüler bedeutet

Im Mai initiierte der Förderverein Stadtbücherei Eschweiler eine Schreibwerkstatt für Jugendliche. Nun sollen die entstandenen Geschichten in Form eines Readers in einer Abschlussveranstaltung überreicht werden.

Susanne Brandt und Peter Adrian blicken sichtlich zufrieden zurück auf die Schreibwerkstatt für Schülerinnen und Schüler der Realschule Patternhof. „Es war das erste Mal, dass wir als Verein ein Projekt in dieser Form angeboten haben“, sagt Adrian, Vorstandsmitglied des Fördervereins Stadtbücherei Eschweiler und bedankt sich bei seiner Kollegin.

Die Vorsitzende des Fördervereins habe die Schreibwerkstatt, die durch Mittel aus dem Heimat-Projekt der Landesregierung unterstützt wurde, initiiert. „Ich habe die Idee eine ganze Weile mit mir rumgetragen“, erinnert sich Brandt. Dann kam das Hochwasser am 14. und 15. Juli 2021, das unter anderem die Realschule Patternhof schwer getroffen hat. „Wir wollten den Kindern und Jugendlichen nach der Katastrophe etwas Besonderes anbieten“, sagt Brandt.

Mit der Schule haben die Initiatoren schon vorab gesprochen und sind auf reges Interesse gestoßen. „Die Schulleiterin, Michaela Silbernagel, war begeistert und hat sofort geschaut, welche Jahrgangsstufe in Frage kommen könnte“, erzählt sie. Danach habe Brandt die Bewerbung zum Förderprogramm verschickt und kurze Zeit später erhielt sie die Bewilligung. „Dass das Projekt bewilligt wurde, sehe ich als eine Art Auszeichnung für die Stadtbibliothek, den Förderverein und die Schule“, ergänzt Adrian.

Das Thema der Schreibwerkstatt war „Heimat – hier und anderswo“. An dem freiwilligen Angebot haben insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangstufe teilgenommen. „Die Realschule Patternhof pflegt eine gute Beziehung zum Autor Tilman Röhrig, den sie deswegen als Referenten für die Schreibwerkstatt gewinnen konnte“, erklärt Brandt.

Vom 16. bis zum 20. Mai kamen die Jugendlichen in der Stadtbibliothek zusammen. Mit der Deutschlehrerin Silke Schuster-Seidel und Röhrig konnten sie kreativ werden und ihre eigenen Geschichten schreiben. „Tilman Röhrig hat dort wahre Mentorenarbeit geleistet“, sagt Adrian. Röhrig habe den Schülerinnen und Schülern etwa aus seinem Jugendbuch „Thoms Bericht“ vorgelesen. „Schrittweise konnten sie dann selbst kreativ werden und fiktive Geschichten zu Papier bringen“, erzählt die Initiatorin.

Autor Tilman Röhrig stand den Schülerinnen und Schülern der Realschule Patternhof bei der Entwicklung ihrer Kurzgeschichten zur Seite.
Autor Tilman Röhrig stand den Schülerinnen und Schülern der Realschule Patternhof bei der Entwicklung ihrer Kurzgeschichten zur Seite. Foto: Susanne Brandt

Nun wurden die entstandenen Geschichten der Jugendlichen in einem Reader zusammengestellt. Dieser soll den Schülerinnen und Schülern in einer Abschlussveranstaltung in der Stadtbibliothek am 30. November überreicht werden. Der Reader werde außerdem in der Stadtbücherei ausliegen. „Wir können uns bei den Jugendlichen nur bedanken, dass sie sich auf das Projekt eingelassen und sich getraut haben, ihre Geschichten niederzuschreiben“, fasst Brandt zusammen.

Auch wenn das Thema festgelegt war, sind sehr unterschiedliche Geschichten entstanden. Entgegen den Erwartungen der Initiatorin, komme die Jahrhundertflut nur in wenigen Texten vor. „Was dennoch auffällt, ist, dass es den Protagonisten der Geschichten meistens nicht gut geht“, sagt Brandt. Es schwinge in vielen Texten eine gewisse Melancholie mit. „Das gibt einem zu denken“, sagt auch Adrian und fügt hinzu: „Diese Geschichten sagen etwas über die junge Generation dieser Region aus.“