Vortrag von Andreas Witte: Eschweilers Innenstadt braucht frische Luft

Städtebau und Klimaanpassung : Die Innenstadt braucht frische Luft

Es ist nicht so, dass Andreas Witte Alarm geschlagen und Politik und Verwaltung eine düstere Zukunft für Eschweiler vorhergesagt hat. Aber der Experte für Städtebau und Klimaentwicklung hat jetzt mit seinem Vortrag im Planungs-, Bau-, und Umweltausschuss darauf hingewiesen, dass für den Großraum Aachen ausreichend wissenschaftliche Analysen darüber vorliegen, wie sich das Klima hier verändert hat und wie es sich verändern wird.

Was die Experten der RWTH Aachen und der Städteregion mit Hilfe des Wasserverbandes herausgefunden haben, soll im besten Fall die Basis dafür sein, wie Politik und Planer ihre Kommunen weiterentwickeln möchten.

Was bedeutet die Studie mit dem Namen „Eskape“ (Entwicklung Städteregionaler Klimaanpassungsprozesse) für Eschweiler?

Zunächst gelten generelle Aussagen der Untersuchung für die Städteregion allgemein, wie zum Beispiel die Prognose, dass es in Zukunft immer öfter sehr stark regnen wird. Durchschnittlich treten im Sommer an 12,5 Tagen sogenannte Starkregenereignisse auf. Da die Lufttemperatur aber steige, müsse sich die Region auch auf mehr Tage mit starkem Regen einstellen. Das wiederum werde dann Folgen für die Kanäle und den Hochwasserschutz haben. Eine Kommune kann zum Beispiel analysieren lassen, auf welche Bereiche Tage mit starkem Regen den meisten Einfluss haben – und daraus ihre Schlüsse ziehen. Gleiches gelte für die Einflüsse von heißen Tagen und die nächtliche Abkühlung auf einzelne Stadtteile. Eine Grafik zeigt bereits, dass die Innenstadt rund um die Marienstraße sowie zwischen Inde und Markt stark Hitze belastet ist.

Wo strömt Kaltluft (nicht)?

Andreas Witte hält es darüber hinaus für sinnvoll, dass Kommunen eine Simulation erstellen lassen, die den Weg von Kaltluft nachzeichnet. So lasse sich nachvollziehen, wo die Kaltluftflüsse unterbrochen werden. „Eine einfache Berechnung kostet unter 20.000 Euro und wird bis zu 80 Prozent vom Land gefördert“, erläuterte Witte. Nun lässt sich schon ohne Simulation sagen, dass es viele Gebäude gibt, die den Strom von Kaltluft aufhalten oder umleiten. Deswegen betonte Witte, dass es schwierig bis unmöglich sei, mögliche Probleme „im Bestand“ zu beheben – Kommunen müssten daher vorausschauend planen.

Zum Thema Kaltluft schilderte Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde, dass Wiesen und Auen hinter dem ehemaligen Kabelwerk bewusst freigehalten werden. „Direkt am Omerbach und anderen kleinen Flüssen, die Frischluft erzeugen, wird es daher auch keine Bebauung geben“, betonte Gödde. Die Verwaltung wisse, wie viel nötig und möglich sei, die Planer machten sich über die Folgen des Klimawandels und das Thema Klimaanpassung bereits Gedanken.

Dr. Andreas Witte hat das Projekt „Eskape“ geleitet. Foto: ZVA/Michael Grobusch

Was hilft also, um die Hitzebelastung in Eschweiler zu verringern und für im wahrsten Sinne mehr frischen Wind zu sorgen? Da die Inde mit ihrem Ost-West-Verlauf die wichtigste Schneise für Kaltluft ist, schlug der Grünen-Sprecher Dietmar Widell eine Verbreiterung des Flusses vor. In Sachen Frischluft ist die Inde unersetzlich, sie ist aber auch ein Risikofaktor was Hochwasser angeht, weswegen die Stadt nach den Aussagen von Hermann Gödde stetig „sichtbar und unsichtbar“ an verschiedenen Maßnahmen arbeite, zum Beispiel in Richtung Weisweiler.

Andreas Witte nannte einige kurzfristig durchführbare Lösungen, die nicht wirklich überraschen: mehr Bäume, mehr Grünbepflanzug, weniger dunkler Boden und Fassaden. „Grünflächen reduzieren die Temperatur. Vor allem Bepflanzung auf Dächern. Und es kann Kommunen bei der Planung helfen, wenn sie analysieren, welche Flächen Wasser aufnehmen“, sagte Witte. Aber man könne nicht errechnen, dass x Bäume die Temperatur um y Grad senken. „Man kann nur die Effekte aller Maßnahmen untersuchen.“ Zur Sprache kamen auch die sogenannten Steingärten und der „schleichende Prozess“, dass Hauseigentümer Rasenflächen gegen Einfahrten tauschen. Im Bestand könne die Stadt nichts dagegen tun, sagte Gödde, daher wolle die Verwaltung die Entwicklung in Neubaugebieten im Blick haben und sensibilisieren, statt „den Hammer zu schwingen“.

Umfrage

In der Innenstadt rund um die Marienstraße und am Auerbachcenter ist die Hitzebelastung in Eschweiler am größten. Welche Ideen haben die Bürger, um die Innenstadt abzukühlen? Anke Capellmann hat sich umgehört.

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