Eschweiler: Vor 20 Jahren: Eschweiler Rollkunstläuferin wird Weltmeisterin

Eschweiler : Vor 20 Jahren: Eschweiler Rollkunstläuferin wird Weltmeisterin

Sie ist tatsächlich Weltmeisterin! Im kommenden Jahr wird es schon 20 Jahre her sein, dass die Eschweilerin Elke Dederichs den Höhepunkt ihrer Karriere als Rollkunstläuferin erreicht hatte. Es ist erfreulich, dass wir in unserer Serie über ehemalige Spitzensportler aus Eschweiler auch einmal einen Blick auf eine Randsportart richten können. Zunächst sollten wir aber einen Rückblick auf die Entwicklung der sportlichen Laufbahn von Elke Dederichs halten.

Die Frage, wie sie zu dieser Sportart gekommen ist, beantwortet sich fast von selbst, wenn man weiß, aus welcher Familie sie stammt. Denn auch ihre Mutter war schon Rollkunstläuferin, sie lebte ursprünglich in Dresden und kam noch vor dem Mauerbau aus der DDR in den Westen. Elkes Vater stammt aus Eschweiler-Dürwiß, wo er in der Lindenstraße wohnte. Elke ist die jüngste von vier Kindern, wurde im Jahr 1978 geboren. Ihre Schwester Petra widmete sich der gleichen Sportart, war sogar Elkes Trainerin. Petra Konstanty, wie sie jetzt heißt, ist heute Vorsitzende der Eschweiler SG Rollsport.

Schon als Sechsjährige auf Rollen

Zu Zeiten der erfolgreichen Elke Dederichs war das noch die Rollsportabteilung der Eschweiler SG. Bereits mit sechs Jahren begann Elke mit diesem kunstvollen Sport. Sie besuchte damals die Eduard-Mörike-Grundschule, die Familie wohnte an der Preyer Straße. An der Liebfrauenschule machte sie 1998 ihr Abitur, im gleichen Jahr, in dem sie auch Weltmeisterin wurde. Nach einjährigem Besuch der Höheren Handelsschule begann sie an der RWTH Aachen das Studium der Betriebswirtschaft, das sie als Diplom-Kauffrau abschloss. Im Anschluss war sie bei einem Großhandelsunternehmen für Lebensmittel und Tabakwaren tätig.

Wie Eiskunstlaufen

Rollkunstlaufen ist verwandt mit dem Eiskunstlaufen. Sprünge und Figuren haben sogar die gleichen Namen. Es Sportler, die in beiden Sportarten erfolgreich waren. Die bekanntesten aus deutscher Sicht waren Franz Ningel, Manfred Schnelldorfer und Marina Kielmann. Ningel war in beiden Sportarten sogar Weltklasse (Weltmeister im Rollkunstlauf 1956 und 1957; Olympia-Dritter 1956 und Vize-Europameister im Eiskunstlauf/Paarlauf mit Marika Kilius 1957). Manfred Schnelldorfer war Olympiasieger 1964 im Eiskunstlauf und WM-Dritter 1958 im Rollkunstlauf. Marina Kielmann war zunächst im Rollkunstlauf erfolgreicher (Vize-Weltmeisterin 1990), dann aber auf dem Eis 1992 Vize-Europameisterin und WM-Vierte 1994.

Unterschiedlich sind allerdings die möglichen Meisterschaftstitel. Während im Eiskunstlaufen das Kurzprogramm (die Pflicht wurde abgeschafft) und die Kür zusammengefasst das Ergebnis darstellen, kann man im Rollkunstlauf sowohl in der Pflicht als auch in der Kür Titel gewinnen und dazu noch in der Kombination von beidem.

So war es auch bei Elke Dederichs. Auf deutscher Ebene war sie ohnehin fast unschlagbar. Von 1992 bis 2001 wurde sie in jedem Jahr Deutsche Meisterin in ihrer jeweiligen Altersklasse. International machte sie erstmals 1993 auf sich aufmerksam, als sie in Wuppertal Jugend-Europameisterin in der Pflicht wurde. Ein Jahr später, in Oderzo (Italien), setzte sie noch einen drauf und wurde sogar doppelt Jugend-Europameisterin in Pflicht und Kombination. Junioren-Vizeweltmeisterin wurde sie 1995 in Bucaramanga (Kolumbien) und 1996 in Mar del Plata (Argentinien) in der Kombination. In der Hauptklasse gewann sie Bronzemedaillen in der Kombination in den Jahren 1997 (in Reus/Spanien), 1999 (Gold Coast/Australien) und 2000 (Springfield/USA).

WM in Bogotá

Der ganz große Wurf gelang ihr dann 1998 in Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, mit dem Weltmeistertitel in der Kombination. Südamerika war also ein „gutes Pflaster“ für sie. Bei dieser Weltmeisterschaft gewann sie außerdem die Silbermedaille in der Kür und die Bronzemedaille in der Pflicht, also praktisch einen kompletten Medaillensatz. Sie war damals erst 20 Jahre alt. Da war es klar, dass noch weitere Glanzpunkte folgen würden. Zwei Jahre später wurde sie in Lloret de Mar (Spanien) zweifache Europameisterin (Pflicht und Kombination). Ihren letzten internationalen Erfolg erreichte sie bei den World Games 2001 in Akita (Japan). Bei diesen „Weltspielen der nichtolympischen Sportarten“ gewann sie die Bronzemedaille. Dort stand nur ein Kürwettbewerb auf dem Programm.

Verletzung beendet Laufbahn

Ihre aktive sportliche Laufbahn beendete Elke Dederichs verletzungsbedingt im Jahr 2001. Sie hatte sich einen Ermüdungsbruch im Sprunggelenk zugezogen. Mit 23 Jahren schon aufzuhören, mag manch einem recht früh erscheinen. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass Rollkunstlauf eine Sportart ist, mit der man kein Geld verdienen kann.

Reine Amateure müssen aber irgendwann an ihren Beruf und überhaupt an ihr späteres Leben denken. Wenn dann während der Sportkarriere eine schwerwiegende Verletzung auftritt, ist der Entschluss zur Aufgabe nachvollziehbar. Zwei Jahre nach ihrer Entscheidung wurde ihr die höchste Auszeichnung zuerkannt, die man im deutschen Sport erhalten kann. In Berlin wurde ihr das Silberne Lorbeerblatt verliehen.

Aber noch eine andere Auszeichnung wird unvergesslich bleiben. Schon 1995 wurde sie nämlich von den Lesern der Aachener Tageszeitungen zur Sportlerin des Jahres gewählt. Schirmherr der Veranstaltung war kein Geringerer als Franz Beckenbauer, den sie natürlich bei dieser Gelegenheit persönlich kennenlernen durfte. Das Foto von der vorangegangenen Pressekonferenz, auf dem Beckenbauer sie „auf Händen getragen“ hat, war nicht nur in Eschweiler ein längeres Gesprächsthema. Es gibt gewiss nicht viele, die ein solches Foto vorweisen können.

Fragt man sie nach den nachhaltigsten Eindrücken ihrer Zeit als Leistungssportlerin, dann kommt die Sprache sofort auf die Reisen in alle Welt, die ihr in dieser Fülle wohl nie ermöglicht worden wären. Abgesehen von Afrika hat sie an Wettkämpfen in allen Kontinenten teilgenommen. Sie ist dankbar dafür, dass sie dabei nicht nur Sporthallen gesehen hat, sondern wirklich Land und Leute in fremden Kulturen kennen gelernt hat. Allein dafür haben sich schon die Mühen gelohnt, die man auch in einer Randsportart auf sich nehmen muss, um so erfolgreich zu sein, wie sie es war.

Neffe bereits erfolgreich

Vor fünf Jahren hat Elke Dederichs geheiratet und trägt seitdem den Familiennamen Frentzen. Ihre beiden Töchter Luisa und Emilia sind drei Jahre beziehungsweise fünf Monate alt. Die junge Familie lebt in einem schmucken Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet in Erkelenz. Ehemann Oliver ist ebenfalls begeisterter Sportler und spielt wettkampfmäßig mit Freude Tennis.

Es gibt aber in der „erweiterten“ Familie noch weitere „Hoffnungsschimmer“: Der 13-jährige Neffe Max Konstanty hat auch schon erste große Erfolge im Rollkunstlaufen aufzuweisen. Vor wenigen Wochen wurde er in Italien Vize-Europameister in der Kombination in der Altersklasse der Cadetten (bis 15 Jahre). Seit 2014 ist er deutscher Sieger seiner Altersklasse. Seine kleine Schwester Carolina ist mit neun Jahren ebenfalls schon auf nationaler Ebene erfolgreich.