Eschweiler: Volkstrauertag: Den Opfern der Weltkriege ein Gesicht geben

Eschweiler: Volkstrauertag: Den Opfern der Weltkriege ein Gesicht geben

Die Familienforscher des Eschweiler Geschichtsvereins wollen alle Eschweiler Opfer der beiden Weltkriege und der Nazi-Zeit dokumentieren. Für ihre Suche nach Namen, Daten, Fotos und Dokumenten bitten sie die Bevölkerung um Mithilfe.

„Nie wieder Krieg!“ Im nächsten Jahr ist es 100 Jahre her, dass der Erste Weltkrieg zu Ende ging, mit 17 Millionen Todesopfern. Ein Zweiter Weltkrieg mit noch weit mehr Opfern folgte bald darauf. Am Volkstrauertag, der am Sonntag begangen wird, gedenken viele Menschen der toten Soldaten und Zivilisten der beiden Kriege. Auch in Eschweiler.

Die Arbeitskreis Familienforschung im Eschweiler Geschichtsverein hat sich vorgenommen, die vielen Opfern dieser beiden Kriege aus Eschweiler und den zugehörigen Orten in das öffentliche Bewusstsein zu rücken — mit ihren Namen, ihren Daten, mit Fotos und allem, was an sie erinnern kann: Briefe, Totenzettel, Andenken. Für jede Person soll ein eigenes Gedenkblatt angelegt werden.

Auch an die anderen Opfer der NS-Zeit soll dabei erinnert werden. An die in Konzentrationslagern ermordeten Gewerkschaftler und Politiker, an die Eschweiler Juden, ebenso an die in Eschweiler gestorbenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter.

Ausstellung nächstes Jahr

Die Ergebnisse dieser Forschung will der Arbeitskreis Familienforschung in einer Ausstellung beim 3. Eschweiler Genealogentag am 7. November des nächsten Jahres der Öffentlichkeit vorstellen. Außerdem ist ein Internet-Gedenkbuch mit allen Namen und Daten geplant. Anlass ist das Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor dann 100 Jahren. „Das wird eine riesige Fleißarbeit, deshalb wollen wir jetzt schon loslegen“, sagt Claudia Niederhäuser, die Leiterin des Arbeitskreises.

Bei ihrer Forschung in Eschweiler Archiven haben die Mitglieder des Arbeitskreises bereits Daten von 2360 Gefallenen und zivilen Opfer aller Art der beiden Weltkriege zusammen getragen, in nur wenigen Wochen. Für viele davon gibt es aber nicht mehr als die puren Daten — Namen, Geburts- und Sterbedatum.

Um mehr über diese Menschen zu erfahren, wenden die Familienforscher sich nun an die Bevölkerung. „Bestimmt gibt es noch in vielen Familien Erinnerungen an die Opfer der beiden Kriege“, ist sich Claudia Niederhäuser sicher. Vielleicht existieren auch noch Fotos, oder Totenzettel, sogar persönliche Erinnerungen gibt es oft noch: „Wir suchen alles, was hilft, den Opfern ein Gesicht zu geben.“

Weiterhin plant der Arbeitskreis, die Grabsteine und Gedenktafeln auf Ehrenfriedhöfen den Gedenkblättern zuzuordnen. Auch das wird eine sehr aufwendige Arbeit.

Abgeben im Archiv

Wer helfen will, das Projekt der Familienforscher mit Daten, Bildern und Erinnerungen zu unterstützen: Abgeben kann man seine Unterlagen im Archiv des Eschweiler Geschichtsvereins (im Rathaus, Zugang vom Johannes-Rau-Platz aus), und zwar dienstags 9 bis 11 Uhr und donnerstags 16 bis 18 Uhr. Oder im Archivraum 191 im 1. Stock des Rathauses, donnerstags 9 bis 11 Uhr.

Niederhäuser: „Wir fotografieren vor Ort ab und geben das Material sofort zurück.“ Möglich ist es auch, Unterlagen wie digitalisierte Fotos per Mail zu senden (claudia@niederhaeuser.name), zusammen mit den entsprechenden Informationen und einer kurzen Einverständniserklärung zur Veröffentlichung.

Die Familienforscher sind sich sicher, dass auf diese Weise viele Erinnerungen zusammen kommen und aufbewahrt werden können, auch als Mahnung an künftige Generationen.