Eschweiler: Vincent Pfäfflin: Von Warentrennern und grölenden Fans

Eschweiler: Vincent Pfäfflin: Von Warentrennern und grölenden Fans

„Wart ihr schon mal im Supermarkt?“ Jeder Zuschauer kennt wohl den Warentrenner, auf den Vincent Pfäfflin anspielte, und der in jedem Supermarkt auf dem Förderband der Kasse die Waren der Kunden voneinander trennt.

„Kennt ihr die Leute, die immer total nervös werden, wenn die Warentrenner noch nicht am richtigen Platz sind — total panisch, als würde was ganz Schlimmes passieren? Was ich gerne mach, wenn so jemand vor mir ist: Ich nehm‘ noch einen Warentrenner, tu ihn neben deren, schau den Leuten tief in die Augen und sag: ‚Ich vertrau dir nicht.‘“

So lautet auch der Titel seines Soloprogramms, mit dem Vincent Pfäfflin, „kein professioneller Komiker“, aber dafür selbst ernanntes „Modell für Ritalin“, zahlreiche Besucher im Talbahnhof begeisterte.

Er müsse jetzt leider viel reisen und auch fliegen, dabei sei ihm aufgefallen, dass keiner mehr bei den Sicherheitseinweisungen im Flugzeug zusehe. Am Anfang werde ausführlich gezeigt, wie man sich richtig anschnallt.

„Ich frag‘ mich dann immer: Für wen ist das? Wer ist diese Person, die den Flug buchen kann, zum Flughafen kommt, den Check-in macht und dann im Flughafen am Platz steht und denkt: Was sind das für komische Strapse an meinem Stuhl?!“ Vielleicht sollten diese Einweisungen mit etwas Spannenderem anfangen, beispielsweise was man machen soll, wenn einer Feuer fängt.

Auch bei der Deutschen Bahn nehme man die Sicherheit zu ernst. Wenn man da online ein Ticket buche, brauche man ein zusätzliches Dokument, das beweist, dass das Ticket auch wirklich von einem selber sei. „Voll der Stress“, fügte der Komiker hinzu.

Das ganze müsse natürlich auch auf DIN A4 gedruckt sein, sonst sei es nicht gültig. Letztens habe er es auf DIN A0 gedruckt und brauchte einen Viererplatz, um es zu entfalten. Die Kontrolleurin meinte, dass es zu groß für den Scanner sei, darauf er: „Geh doch einfach weiter weg.“

Und auch die Kontrolleure in den Bussen, die sich verkleideten, um wie normale Menschen auszusehen, gäben sich nicht richtig Mühe. Sie sollten sich mal wie besoffene Fußballfans verkleiden und grölend in den Bus einsteigen. Wenn die Tür dann schließt, würden sie sagen „Verarscht, Fahrkarte bitte“ und er würde zumindest sagen: „Ah, der war gut. Ich gönn’s dir.“

„Reisen ist kacke, aber zu Hause sein ist auch nicht toll“, fuhr er fort. Er sei in Amerika aufgewachsen, erzählte er weiter, mit 13 sei er dann nach Deutschland gezogen, genauer nach Dresden. Die ersten Tage habe er nichts verstanden und immer nur gesagt: „Ey sorry, ich spreche kein Tschechisch.“

Besonders machten ihm aber die Redewendungen zu schaffen. Etwa: „Du hast einen Vogel.“ Er habe immer nur gesehen, wie sich Leute so beschimpften und habe gedacht: „Boah, das muss ja richtig schlimm sein, wenn man in Deutschland einen Vogel hat. Wenn ich zu jemandem nach Hause kam, der einen Vogel hat, bin ich gegangen.“

Oder die Redewendung: „Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Da stellen sich doch Fragen wie: „Wie weißt du das? Warst du bei mir zu Hause? Wie wusstest du, wie viele Tassen ich ursprünglich hatte? Verfolgst du mich schon mein ganzes Leben? Und wo sind die Tassen?“

Bei „der frühe Vogel fängt den Wurm“ komme es ja auch darauf an, ob man sich mit dem Vogel oder dem Wurm identifiziere. „Ist man nämlich ein Wurm, sollte man auf gar keinen Fall früh aufstehen“, erklärte der Comedian und warf gleichzeitig ein: „Gibt’s überhaupt Vögel, die spät aufstehen? Hey sorry Jungs, es war ‘ne lange Nacht. Gibt’s noch Würmer?“

Vincent Pfäfflin bezeichnet sich selbst als faul. Letztens habe er realisiert, dass er nicht gerne steht und jetzt macht er Stand-up-Comedy. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass ich einmal eine energetische Spermie gewesen bin. Ich war die energetischste von zwölf Millionen oder so. Wie waren die anderen drauf?“

Vielleicht sei sein Vater am Tag seiner Zeugung bekifft gewesen und die ganzen Spermien seien total verpeilt gewesen: „Ey Leute, wir müssen jetzt zum Ei. Jetzt sofort? Können wir nicht erst noch ein bisschen chillen? Ich hab‘ gehört, es gibt eh jeden Monat ein neues Ei. Die ganze Sache ist bestimmt eine Verschwörung. Es ist noch nie jemand zurückgekommen!“ Im Anschluss an die Show schrieb der Gewinner des RTL-Comedy-Preises 2015 noch fleißig Autogramme.

(jlm)
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