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Eschweiler: „Vier Kinder? Eine Unverschämtheit!”

Eschweiler : „Vier Kinder? Eine Unverschämtheit!”

Das Schlafzimmer wirkt wie eine überfüllte Kleiderkammer. In jeder freien Ecke stapeln sich Kartons mit Kleidung. Die Dachgeschosswohnung mit ihren zahlreichen Schrägen hat keinen Platz für die nötigen Schränke.

Allenfalls für Kisten voller Haushaltsdinge und für ein paar Küchenoberschränke, die im Schlafzimmer auf dem Boden lagern. In der eigentlichen Küche ist kein Platz dafür. Auch ihren Wohnzimmerschrank hat die Frau, die hier mit ihren Kindern lebt, halbieren müssen: Das Wohnzimmer - gleichzeitig Küche und Esszimmer - ist einfach zu klein.

Zu klein für fünf Personen. Ruth Ripphausen (42) teilt sich die 95-Quadratmeter-Dachgeschosswohnung am Ortsrand Hehlraths mit vier ihrer Kinder. Sascha ist 17 und besucht das Berufskolleg, Samara (11) geht wie ihre zehnjährige Schwester Melissa auf die Grundschule Kinzweiler, und Nesthäkchen Céline, vier Jahre jung, besucht den Kindergarten.

Sascha hat hier ein Mini-Zimmer für sich, die drei Schwestern müssen auf wenigen Quadratmeter miteinander auskommen.

Anderes gewohnt

Keine leichte Angelegenheit, vor allem für Céline. Die Kleine ist anderes gewohnt. In St. Jöris besaß die Familie ein selbst gebautes Einfamilienhaus - da hatten die Kinder Platz und konnten im Garten spielen. Dass ihr Vater nach der Trennung der Eltern das Haus verkaufte und die verbliebene Familie in drangvoller Enge unterm Dach lebt, kann vor allem die Jüngste kaum verkraften. Sie ist seither in ärztlicher Behandlung.

Seit gut zwei Jahren versucht Ruth Ripphausen, die schwer erträgliche Situation zu verbessern. Vergeblich. Eine allein erziehende Mutter mit vier Kindern auf Wohnungssuche - ein fast unmögliches Unterfangen.

Geld ist kein großes Problem

Dabei ist Geld nicht das große Problem. Ruth Ripphausen hat einen Halbtagsjob, hofft zum Jahresende eine Ganztagsstelle zu bekommen. Für ihre drei Mädchen zahlt die Unterhaltsvorschusskasse, und die Lücke von 100 bis 150 Euro im Monat deckt das Sozialamt. 680 Euro Miete zahlt sie in dem Hehlrather Neubau. Für eine größere Wohnung, am liebsten ein Haus, würde sie auch ein paar Euro mehr zahlen.

Das Problem sind die Kinder. In einem Land, in dem der Generationenvertrag längst auf der Kippe steht, weil viel zu wenig Kinder geboren werden, die später für die Renten der dann älteren Generation sorgen, muss sich Ruth Ripphausen von potenziellen Vermietern am Telefon beschimpfen lassen. „Unverschämt, vier Kinder in die Welt zu setzen!”

Dabei hat sie eigentlich sechs. Tochter Sabrina (25) ist Versicherungskauffrau, verheiratet und macht Ruth Ripphausen im August zur strahlenden Oma; Sohn Marcel (22) hat gerade eine Lehre beendet. „Ich möchte keines meiner Kinder missen”, sagt die 42-jährige Mutter aus Leidenschaft. „Es tut mir nur weh, wie manche Leute auf Kinder reagieren. Kinder zu haben ist herrlich. Und meine halten zusammen wie Pech und Schwefel!”

Heute geht Ruth Ripphausen für ein paar Tage ins Krankenhaus. Knie-Operation. Um die Kleinen kümmern sich derweil die Großen. Ihr Ex-Mann, sagt sie, kümmert sich um gar nichts. Und vielleicht ist ja, bis sie entlassen wird, ein kleines Wunder passiert. Wer helfen kann, sollte unsere Redaktion anrufen: 21065.