Eschweiler: Vier Jahrzehnte Eschweiler Karneval in Wattrelos

Eschweiler : Vier Jahrzehnte Eschweiler Karneval in Wattrelos

Wenn einer Ahnung von Karneval in Wattrelos hat, dann ist es Norbert Weiland, Präsident des Eschweiler Karneval-Komitees. Seit vor 40 Jahren der Eschweiler Karnevals in die nordfranzösische Stadt „exportiert“ wurde, ist Weiland fast jedes Jahr dabei, wenn dort wie auch an diesem Wochenende das jecke Treiben auf den Programm steht.

Weiland hat, damals in der Funktion als Präsident der KG Lustige Reserve, mit dazu beigetragen, den Karneval dort zu etablieren, und hilft heute noch bei der Organisation der Fahrt nach Frankreich. Denn jedes Jahr sind auch viele Jecken aus Eschweiler dabei und reisen extra mit dem Bus oder dem Auto nach Frankreich, um mitzufeiern. Mittlerweile ist eine enge Verbindung zu den Franzosen entstanden. „Dieses freundschaftliche Treffen ist jedes Jahr das Highlight für mich“, erklärt Weiland.

Bunte Impressionen aus Frankreich aus den vergangenen 40 Jahren Karneval in Wattrelos: Gerade die Ehrentribüne, mit Komitee-Präsident Norbert Weiland in der Mitte, bleibt vom Konfettihagel nicht verschont. Von dort hat er (links) in den vergangenen Jahren immer einen guten Blick auf das jecke Treiben und die mitlaufenden Eschweiler Gruppen (zweite Reihe von oben, linkes Bild). Die großen Traditionsfiguren aus Pappmaché sind bei jedem Umzug mit dabei (zweite Reihe,. Foto: Archiv

Früher: Umzüge in Vororten

Bunte Impressionen aus Frankreich aus den vergangenen 40 Jahren Karneval in Wattrelos: Gerade die Ehrentribüne, mit Komitee-Präsident Norbert Weiland in der Mitte, bleibt vom Konfettihagel nicht verschont. Von dort hat er (links) in den vergangenen Jahren immer einen guten Blick auf das jecke Treiben und die mitlaufenden Eschweiler Gruppen (zweite Reihe von oben, linkes Bild). Die großen Traditionsfiguren aus Pappmaché sind bei jedem Umzug mit dabei (zweite Reihe,. Foto: Müller

Seit 1973 sind Wattrelos und Eschweiler Partnerstädte. Aufgrund regelmäßiger Besuche haben die Franzosen die närrische Zeit hier miterlebt. „So einen Karneval kannten die natürlich bei sich nicht und haben dann gesagt: ‚Das wollen wir bei uns auch haben‘“, erinnert sich Weiland. Mit organisatorischer Unterstützung des Eschweiler Karneval-Komitees ist dann der erste Zug 1978 durch Wattrelos gezogen. Rund 350 indestädtische Jecken waren damals dabei. Am Wochenende feiern knapp 200 Eschweiler mit.

Bunte Impressionen aus Frankreich aus den vergangenen 40 Jahren Karneval in Wattrelos: Gerade die Ehrentribüne, mit Komitee-Präsident Norbert Weiland in der Mitte, bleibt vom Konfettihagel nicht verschont. Von dort hat er (links) in den vergangenen Jahren immer einen guten Blick auf das jecke Treiben und die mitlaufenden Eschweiler Gruppen (zweite Reihe von oben, linkes Bild). Die großen Traditionsfiguren aus Pappmaché sind bei jedem Umzug mit dabei (zweite Reihe,. Foto: Archiv

Früher gab es in Wattrelos noch kleinere Vorortumzüge, heute besteht nur noch ein zentraler Zug durch das Zentrum Wattrelos, der etwa anderthalb Stunden läuft und an der Ehrentribüne vorbeizieht. Dort sitzen sowohl die Vertreter aus Eschweiler — unter anderem das Karnevalskomitte und Mitglieder des Partnerschaftsvereins — als auch die französischen Ehrengäste aus Politik und den dortigen Gesellschaften.

Bunte Impressionen aus Frankreich aus den vergangenen 40 Jahren Karneval in Wattrelos: Gerade die Ehrentribüne, mit Komitee-Präsident Norbert Weiland in der Mitte, bleibt vom Konfettihagel nicht verschont. Von dort hat er (links) in den vergangenen Jahren immer einen guten Blick auf das jecke Treiben und die mitlaufenden Eschweiler Gruppen (zweite Reihe von oben, linkes Bild). Die großen Traditionsfiguren aus Pappmaché sind bei jedem Umzug mit dabei (zweite Reihe,. Foto: Essers

Die meisten Gruppen präsentieren sich zu Fuß. Es gibt aber auch mehrere Wagen. Darunter selbstverständlich auch der, der für den Prinzen gedacht ist - sowohl für den aus Wattrelos als auch für den aus Eschweiler. Weiland war 1981 Karnevalsprinz in Eschweiler und gleichzeitig der erste Prinz überhaupt, der beim Zug in der nordfranzösischen Stadt dabei war — noch bevor Wattrelos eigene Prinzen proklamierte.

Bunte Impressionen aus Frankreich aus den vergangenen 40 Jahren Karneval in Wattrelos: Gerade die Ehrentribüne, mit Komitee-Präsident Norbert Weiland in der Mitte, bleibt vom Konfettihagel nicht verschont. Von dort hat er (links) in den vergangenen Jahren immer einen guten Blick auf das jecke Treiben und die mitlaufenden Eschweiler Gruppen (zweite Reihe von oben, linkes Bild). Die großen Traditionsfiguren aus Pappmaché sind bei jedem Umzug mit dabei (zweite Reihe, rechts). Foto: Müller

Ausnahmeregelung für Uniformen

Eigentlich dürfen die Unformen, wie der Eschweiler Prinz sie trägt, nach der Session nicht weiter getragen werden. „Es gibt aber eine Ausnahmegenehmigung des Bundes Deutscher Karneval, weil das Brauchtum Karneval in Wattrelos eben zu einem anderen Zeitpunkt gefeiert wird“, erklärt Weiland. Patrick Nowicki darf sich also am Wochenende noch einmal als Prinz Patrick I. feiern lassen und ist am Sonntag während des Zuges in voller Montur zu sehen, auch wenn das Gefühl für ihn ein anderes sei: „Es ist so, als wenn man für nachträgliche Hochzeitsfotos den Anzug oder das Kleid noch einmal anziehen würde“, beschreibt Nowicki. F

ür ihn sei die Feiern in Wattrelos ein „innerlicher Abschluss der Karnevalssaison. Es gehört schon mit dazu.“ Viel habe sich in den vierzig Jahren nicht verändert, sagt Weiland. Es sei schwierig den Eschweiler Karneval mit dem in Wattrelos zu vergleichen: „Bei uns ist es Tradition, der Karneval ist hier über Jahrzehnte gewachsen. Dort ist es ja eine relativ neue Erscheinung und wurde gezielt erschaffen.“ Die Karnevalsgesellschaften in Wattrelos heißen „Folklore Gruppen“. Einige bestehen heute nicht mehr, dafür würden andere wieder neu gegründet. „Das freut mich besonders“, erklärt Weiland.

Während in Eschweiler der Jagdinstinkt auf Kamelle und anderes Wurfmaterial schon recht ausgeprägt ist, setzen die Einwohner Wattrelos hierbei noch einen drauf. „Da bleibt aber auch gar nichts auf den Straßen liegen“, betont Weiland und lacht. Mit den Worten „Monsieur, Bonbon“ fragen die Menschen nach Kamelle, die dort sehr geschätzt werden.

Während die Deutschen Süßigkeiten werfen, sind die Franzosen berühmt und berüchtigt für ihre Konfettikanonen. „Konfetti ist deren Ein und Alles“, sagt Weiland und lacht laut. „Es gehen auch fliegende Händler ins Publikum und verkaufen Konfetti, damit die wiederum die Zugteilnehmer bewerfen können“. Patrick Nowicki findet die Kombination von Deutschen und Konfetti noch brisanter: „Das sind die Schlimmsten. Die bringen mich dazu ‚Alaaf‘ zu rufen, und werfen dann alles in den Mund.“

„Alaaf“ rufen auch die Franzosen. Das sei alles eine Frage der Erziehung, sagt Weiland schmunzelnd.

Der Zug in Wattrelos wird von einer Motorradgruppe angeführt, dann folgen jedes Jahr die drei bis vier Meter große Traditionsfiguren Jeanne de Wattrelos, Ferrand du Portugal und Thomas de Savoie aus Pappmaché, die geschoben werden. Am Ende des Zuges, wie auch in Eschweiler, kommt dann der Wagen mit den beiden Prinzen.

Mit Händen und Füßen reden

Der Karnevalsprinz aus Wattrelos wird am Samstagabend im Rahmen einer Feier in der Festhalle von einer Jury bestimmt. Zuvor findet im Rathaus ein Empfang der Eschweiler statt. Hier werden Reden gehalten, die teilweise im Vorfeld ausgetauscht und übersetzt werden. Bei den offiziellen Anlässen ist auch immer ein Dolmetscher dabei. „Ich kenne ich Wattrelos drei Menschen, die Deutsch können. Ansonsten verständigen wir und mit Händen und Füßen“, erzähl Weiland. Prinz Patrick I. wird auch eine Rede auf Französisch halten auch ohne Vorkenntnisse Hierfür hat er extra eine kleine Aussprache-Nachhilfe bekommen.

Die Eschweiler bereiten sich also gut auf ihren Besuch vor und freuen sich über die karnevalistische Partnerschaft, die hoffentlich noch lange bestehen bleibt, wenn es nach Weiland geht. Der Austausch sei wichtig, auch um Freundschaft, Offenheit und Zusammenhalt zu demonstrieren. „Der Karneval in Wattrelos ist für mich der Beweis, dass unser Motto in diesem Jahr ‚grenzenlos Jeck‘ zutreffend ist. Wir zeigen seit 40 Jahren, dass wir mit jedem, egal welcher Sprache, Hautfarbe und sozialer Einstellung feiern.“ #

Was die nächsten 40 Jahre bringen, kann Weiland nicht prognostizieren. „So lange der Karneval dort besteht, fahren wir mit. Alles, was in im Rahmen unserer Möglichkeiten ist, werden wir tun“, sagt Weiland. Auch wenn die finanziellen Mittel in Wattrelos nicht groß sind — der Karneval wird von der Verwaltung getragen — so sei die Gastfreundschaft in Frankreich sehr ausgeprägt. Man müsse gucken, wie sich die Lage dort entwickelt. Von deutscher Seite aus, tragen die Karnevalsgesellschaften die finanzielle Verantwortung. „Wir haben gesagt, Partnerschaft ist keine Sache des Geldes, sondern eine Sache der Freundschaft und des Herzens“, weiß Weiland.

Mehr von Aachener Zeitung