Versammlung der IG Metall Stolberg-Eschweiler: Viele Arbeitsplätze in der Region sind in Gefahr

Versammlung der IG Metall Stolberg-Eschweiler : Viele Arbeitsplätze in der Region sind in Gefahr

Der Sommer liegt zwar kalendarisch in den letzten Zügen, doch von einer Sommerpause konnte Martin Peters, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Stolberg, während der Delegiertenversammlung im Eschweiler Talbahnhof keinesfalls berichten.

Im Gegenteil: Der Monat Juli sei von „einschneidenden Maßnahmen“ in zwei Unternehmen der Stolberger Industrie geprägt gewesen. „Zunächst kündigte Leoni Kerpen an, am Standort Stolberg 150 Arbeitsplätze abzubauen, dann zog die Prym-Gruppe in Sachen Hiobs-Botschaften nach, in dem sie verlauten ließ, in den kommenden vier Jahren das Stolberger Inovan-Werk zu schließen.“

Damit nicht genug: Das Unternehmen, zu dem auch die Firmen Prym Consumer, Prym Fashion sowie Prym Intimates gehören, kündigte die im Herbst 2016 geschlossenen Zukunftstarifverträge. „Die Verantwortlichen des Unternehmens sind der Meinung, dass die in den Verträgen vereinbarte Öffnungsklausel zum Tragen kommt. Inzwischen wurde aber festgestellt, dass drei der vier ausgesprochenen Kündigungen einer Prüfung nicht standhalten, also ungültig sind“, berichtete Martin Peters. Diese Tatsache werde von Prym jedoch ignoriert: „Bisher wurde der Tarifvertrag zwar noch nicht gebrochen, doch die Situation hängt wie ein Damokles-Schwert über den Beschäftigten“, so der Bevollmächtigte.

Mit den Vertretern der Firma Inovan nehme die IG Metall nun Verhandlungen auf. Die Betriebsräte seien in die Lage versetzt worden, sich genaue Informationen über die Situation beschaffen zu können. „Inovan hat am Standort Stolberg eine Menge Fehler zu verantworten. Unter anderem die Verlotterung der Vertriebsstruktur“, kritisierte Peters. Im Hinblick auf den geplanten Stellenabbau bei der Leoni Kerpen GmbH versicherte der Gewerkschafter, dass ein solcher frühestens ab dem 1. August 2020 wirksam werden könne. „In 2019 wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“

Ein weiterer Schwerpunkt, so Martin Peters im Rahmen seines Geschäftsberichts, habe in den zurückliegenden Monaten die „Transformationskampagne“ der IG Metall dargestellt. Die dringende Frage laute, ob die Betriebe gewappnet seien für die unumgänglichen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt? „In Sachen Zukunftsfähigkeit der Betriebe, steigender Qualifizierungsbedarf und drohender Beschäftigungsabbau fühlen sich die Beschäftigten nicht ausreichend vorbereitet“, erklärte der Bevollmächtigte. Genau diese Themen würden auch beim anstehenden „ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall“, der vom 6. bis 12. Oktober in Nürnberg stattfinden wird, ganz oben auf den Tagesordnungen stehen.

Der Blick richte sich auf die „Arbeit in der Industrie 2030“ und mögliche Szenarien einer Arbeitswelt, deren Transformation innerhalb eines Jahrzehnts bevorstehe. Klimawandel, Demographie, Globalisierung und die vollständig vernetzte Welt seien Megathemen, die „brutale Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben werden und zusätzlich auf eine ungerechte Welt treffen“, warnte Peters und nannte die Vermögensverteilung und Chancenungleichheit als negative Beispiele. Aus dem technischen Fortschritt müsse aber auch sozialer Fortschritt generiert werden. Digitalisierung dürfe nicht zurück in frühkapitalistische Abhängigkeitsverhältnisse führen.

Die Schlagworte müssten stattdessen „sicher, gerecht und selbstbestimmt“ lauten. „Und dies beinhaltet auch und nicht zuletzt ökologische Nachhaltigkeit“, betonte Peters, der abschließend einige Zukunftsziele der IG Metall nannte. „Es gilt, Leiharbeit zur Ausnahme zu machen, wirtschaftliche Mitbestimmung der Beschäftigten als nachhaltigste Unternehmenspolitik zu fördern und das Augenmerk auf die regionale Industriepolitik zu legen.“

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