Eschweiler: Verlust: Die RWE-Power-Band wird aufgelöst

Eschweiler: Verlust: Die RWE-Power-Band wird aufgelöst

Frühjahrskonzert des RWE-Chors — da ist die Festhalle Weisweiler voll. Jedes Jahr wieder. Zwei sehr unterschiedliche Arten Unterhaltungsmusik bekamen am Freitag die Besucher des traditionellen Frühlingskonzerts zu hören. Der seit 1922 bestehende Chor, früher unter dem Namen Rheinbraun-Chor bekannt, interpretierte überwiegend bedächtig alte Schlager und volkstümliche Weisen.

Das Orchester der RWE Power AG und die Sängerin Linda Mikulec rüttelten das Publikum zwischendurch lautstark und im Big-Band-Sound auf: „Sie können ruhig mitsingen!“ Am Ende gab es Beifall im Stehen.

Dank für gute Zusammenarbeit

Vielleicht hat das Eschweiler Publikum zum letzten Mal den typischen Sound des RWE-Orchesters gehört. „Die RWE-Band wird leider zum Ende des Jahres durch Sparmaßnahmen im RWE-Konzern aufgelöst“, teilte Alfred Turbanski, der Vorsitzende des Chores, in seiner Begrüßungsansprache mit und bedankte sich bei den Musikern für die gute Zusammenarbeit in den vielen zurückliegenden Jahren. Das Publikum reagierte mit „Oh!“ und „Wie schade!“ Das Ensemble besteht seit über 50 Jahren und absolvierte jährlich über hundert Auftritte, oft bei caritativen Anlässen. Es war 1966 aus dem Zusammenschluss von vier Bergmannskapellen der Tagebaue in Rheinischen Revier entstanden. Seit 2001 wird es von Ralf Conzen geleitet, der auch am Freitag dirigierte.

Die ersten zehn Sekunden des Konzerts lassen sich getrost als Höhepunkt des Abends bezeichnen. Auf dem Programm stand „Rhapsodie in Blue“, gespielt vom RWE-Orchester. Nicht die Originalfassung von George Gershwin, sondern eine kurze Bearbeitung der schönsten Melodien daraus. Aber immerhin das eröffnende Klarinetten-Glissando war original, und der Solist Dieter Wolff spielte es wundervoll.

Chordirektor Ernst Matthias Simons, Dirigent des RWE-Chores, führte durch das abwechslungsreiche Programm, das Evergreens und Schlager, Operettenmelodien und Songs aus Musicals bot. Abwechslungsreich war es vor allem durch den Gegensatz zwischen den eher geruhsamen Chorbeiträgen, die lediglich vom Pianisten Theo Palm begleitet wurden, und dem lautstarken Sound der RWE-Band. Beide kamen auf ihre Art beim Publikum an. Als der Chor den Freddy-Quinn-Schlager „Heimweh“ anstimmte („Brennend heißer Wüstensand...“) war an den Lippenbewegungen vieler älterer Besucher in der fast voll besetzten Festhalle zu sehen: Das kannten sie alle noch auswendig.

Und spätestens, als der Gaststar des Abends, die Sängerin und Entertainerin Linda Mikulec, beim Marianne-Rosenberg-Song „Er gehört zu mir“ zum Mitmachen aufforderte, sangen die Besucher nicht nur heimlich und leise, sondern laut und fröhlich mit, begleiteten die Lieder mit rhythmischem Klatschen und amüsierten sich prächtig. Ein weiterer — zum Glück diesmal mehr als nur ein paar Sekunden dauernder — Höhepunkt des Abends war Mikulecs Interpretation von „Bei mir bist du schön“, auch durch das faszinierende Arrangement des Stückes von Ralf Conzen und ein Trompetensolo von Dieter Kaltenbach.

Wie jedes Konzert des RWE-Chores endete auch dieses mit dem Steigerlied. Das Publikum der einstigen Bergbaustadt Eschweiler sang es stehend mit: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“.