Eschweiler: Verlassene Fahrzeuge: Ordnungsamt hat reichlich Ärger

Eschweiler: Verlassene Fahrzeuge: Ordnungsamt hat reichlich Ärger

Mit der Beliebtheit ist das so eine Sache. Kommt immer auf die Perspektive an. Zum Beispiel, wenn es um die Arbeit des Ordnungsamts geht. „Neun von zehn Azubis nennen als Wunsch-Einsatzstelle das Ordnungsamt“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Und Michael Effenberg, stellvertretender Leiter des mit insgesamt 102 Mitarbeitern (dazu zählen allerdings auch die hauptamtlichen Wehrkräfte) größten Amtes der Stadtverwaltung unterstreicht: „Auch Praktikanten drängen sich immer danach, bei uns eingesetzt zu werden.“

Das liegt wohl an der vielseitigen, abwechslungsreichen Arbeit. Denn die umfasst weitaus mehr als Knöllchenschreiben. So gehören zum Ordnungsamt beispielsweise auch das Standesamt und das Bürgerbüro.

Seit über einem Monat abgelaufen ist die Tageszulassung dieses rostigen Kombis, dem Michael Marx am Dienstag einen orangefarbenen Warnaufkleber verpasste. Lässt der Halter den Wagen dennoch stehen, wird er abschleppt. So wie täglich mehrere andere Fahrzeuge, die Behindertenparkplätze und Feuerwehrzufahrten blockieren. Foto: Rudolf Müller

Aus Sicht der Bürger, die von den Außendienstmitarbeitern des Amtes verwarnt werden, sieht das ganz anders aus: „Klar, dass man sich da nicht beliebt macht“, sagt Bertram.

s Foto: Rudolf Müller

„Recht und Ordnung durchzusetzen ist natürlich nötig“, sagt Bertram. „Aber das geht nur mit dem nötigen Fingerspitzengefühl.“ Und das, davon gehen Bertram und Effenberg aus, haben auch die neun Kollegen, die als Kommunaler Ordnungsdienst in der in drei Bezirke aufgeteilten Stadt nach dem Rechten schauen, gegen Falschparker vorgehen, sich um Gewerbeangelegenheiten kümmern, die Außengastronomie und andere Sondernutzungen im Auge halten, wilden Müll melden und Hundebesitzern, die die duftenden Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner in der Öffentlichkeit nicht entsorgen. ins Gewissen reden. Und ihnen nötigenfalls eine Geldstrafe verpassen.

y Foto: Rudolf Müller

Dabei geht es oft ganz schön heftig zur Sache. Michael Marx ist seit acht Jahren für das Ordnungsamt unterwegs. Wie alle seine Kollegen nicht nur tagsüber, sondern auch am späten Abend. „Ich war mal an einem Abend allein auf einem Schulhof, auf dem es immer wieder Vandalismusschäden gab, als ich mich plötzlich von fünf Gestalten umringt sah, die einen sehr aggressiven Eindruck machten. Die sind zwar schließlich friedlich abgezogen, aber man hat da schon einen Kloß im Hals.“

Dass sie sich als „Arschloch“ oder „dumme Sau“ beschimpfen lassen müssen, ist für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht ungewöhnliches. „Das ist aber nicht die Regel“, sagt Marx. „Die meisten Leute sind durchaus einsichtig.“ Oder werden vorsichtig. Wie diejenigen, die Ordnungsamtskräfte auf sogenannten sozialen Medien mit wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen überzogen haben — und dafür eine Strafanzeige kassierten, die im Einzelfall auch schon in Verurteilungen mündeten. „Als Außendienstmitarbeiter muss man zwar ein dickes Fell haben“, sagt Effenberg, „aber man muss sich nicht alles gefallen lassen.“

Respektvollen Umgang miteinander mahnt auch Bürgermeister Rudi Bertram an: „Die Leute tun nur ihren Job. Und die Bürger erwarten ja von uns schließlich auch, respektvoll behandelt zu werden.“

Leben Ordnungsamtsmitarbeiter gefährlich? Effenberg: „Für uns ist es ein schmaler Grat zwischen dem Schutz der Mitarbeiter und allzu martialischem Auftreten.“ Immerhin: Abends sind die Ordnungsdienstler grundsätzlich nur noch zu zweit unterwegs. Bei bestimmten Einsätzen tragen sie stichsichere Westen. Und einmal im Monat besuchen sie einen Selbstverteidigungskurs.

Immer wieder gehen die Ordnungsamtler auch gemeinsam mit Polizeibeamten auf Streife. „Das hebt das Sicherheitsgefühl der Bürger“, sagt Bertram. Das Feedback aus der Bürgerschaft gibt ihm Recht. Und auch die Kriminalitätsstatistik entwickele sich zusehends zum Positiven, seit die Ordnungshüter von Stadt und Polizei stärker Präsenz zeigen, sagt der Verwaltungschef.

Positiv aus Sicht der Stadt entwickeln sich auch die Einnahmen der Stadt, resultierend aus Verwarnungen: Verhängte das Ordnungsamt 2014 noch 20.000 „Knöllchen“, so waren es 2015 bereits 22.500, 2016 schon 26.000 (inklusive Umweltzonenverstöße) und in diesem Jahr bis Juli 14.500. In Euro bedeutet das: 2014 flossen 300.000 Euro, 2015 waren es 350.000, 2016 schon 415.000 und 2017 bisher bereits 290.000.

Viel zu schaffen machen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes in diesen Wochen auch Fahrzeuge, die von ihren Haltern „ausgesetzt“ wurden: meist abgemeldet, oft schrottreif. Seit einigen Wochen tritt dieses Phänomen verstärkt auf: Täglich sind es ein oder zwei Fahrzeuge, die vom Ordnungsamt im öffentlichen Verkehrsraum festgestellt werden. Allein in den letzten Wochen waren dies laut Effenberg 43 Fälle.

Ein leuchtend orangefarbener Aufkleber macht die oft unbekannten Halter dann darauf aufmerksam, dass sie die Karosse schnellstmöglich zu entfernen haben. Meist reicht dieser Hinweis. Reagieren die Halter allerdings nicht, lässt die Stadt die Wagen abschleppen und schließlich — nach angemessener Wartefrist — verschrotten. Die Abschleppkosten und nicht unerheblichen Standgebühren bleiben meist am Steuerzahler hängen.

In eineinhalb Wochen steht dem Ordnungsamt der nächste Großeinsatz ins Haus: Beim Eschweiler Music Festival gilt es, Rettungswege freizuhalten und vor allem Präsenz zu zeigen. „Unsere Anwesenheit wird dankbar zur Kenntnis genommen“, sagt Effenberg. „Wenn es um Veranstaltungen geht, sind die Leute sehr sensibel geworden.“