Verkehr vor den Grundschulen in Eschweiler und Stolberg

Elternhaltestellen in Stolberg und Eschweiler : Nicht alle gehen die letzten Meter zu Fuß zur Grundschule

Seit Jahren ist die Verkehrssituation vor Grundschulen ein Aufregerthema. Elternhaltestellen sollten dieses Problem lösen. In Stolberg und Eschweiler hat sich die Lage etwas verbessert. Doch noch hält sich nicht jeder an die neuen Regeln.

Für Natascha Nattermann ist es selbstverständlich, ihre kleine Tochter zu Fuß zur Grundschule in Breinig zu bringen. Die Mutter hat es allerdings auch relativ leicht. Denn sie wohnt in der Stefanstraße und damit nur ein paar Meter von der Schule entfernt. Nattermann hat wenig Verständnis für Eltern, die etwas weiter weg wohnen und ihre Kinder mit dem Auto fast bis auf den Pausenhof fahren. „Es sind fast immer die Gleichen, die das machen“, sagt sie.

Auch an diesem kalten, aber sonnigen Herbstmorgen missachten ein paar Autofahrer das Halteverbot und das Schild „Wenn ihr hier parkt, kann ich nichts seh’n und nicht sicher über die Straße geh’n“, das deutlich sichtbar vor dem Schuleingang hängt. Ein Vater steigt gemeinsam mit seinem Kind aus und bringt es ins Schulgebäude. Sein Wagen blockiert fast fünf Minuten die Feuerwehrzufahrt.

Ein anderes Auto hält am Parkplatz für den Schulbus, der just in diesem Moment vorfährt. Der Busfahrer muss kurz warten, bevor der Wagen wieder wegfährt und er die Kinder aussteigen lassen kann. Solche Situationen regen Nattermann auf. „Und heute ist es noch relativ ruhig. An manchen Tagen ist hier deutlich mehr los“, sagt sie.

Nicht nur für Nattermann sind die sogenannten Helikoptereltern ein Aufreger. Das Thema ist nicht neu. Nicht ohne Grund gibt es in neun von zehn Stolberger Grundschulen mittlerweile Elternhaltestellen; nur an der Grundschule Hermannstraße gibt es keine. Im Gemeinschaftsprojekt „Verkehrszähmer“ der Grundschulen in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Ordnungsamt wurden sie vor fünf Jahren eingerichtet. Von diesen Sammelpunkten können die Kinder den restlichen Schulweg von etwa fünf bis zehn Minuten zu Fuß gehen. Dadurch soll der Bereich rund um die Schule sicherer werden und die Verkehrsbelastung durch die Eltern, die ihre Kinder bis vor die Schule fahren, reduziert werden.

In Breinig haben die Maßnahmen die Verkehrssituation rund um die Grundschule mit den rund 250 Schülern etwas verbessert. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Schulleiterin Marie-Theres Schmitz. Zwei Elternhaltestellen – eine im Wohngebiet und eine vor der Turnhalle – sorgen dafür, dass es deutlich weniger Chaos vor dem Schuleingang gibt. Von da aus sind es nur noch ein paar Meter für die Kinder; von der Turnhalle führt direkt ein Weg fernab vom Verkehr in der Seitenstraße auf den Pausenhof.

„Vor einigen Jahren haben wir mit den Kindern noch Strafzettel an die Eltern verteilt“, erinnert sich Schmitz. Das sei mittlerweile nicht mehr nötig. Auch wenn es vereinzelt noch Phasen gebe, an denen es vor der Schule voller ist. „Meist bei schlechtem Wetter“, sagt Schmitz, die bei den Elternhaltestellen weitere Vorteile sieht: „Man ist an der frischen Luft und knüpft beim kurzen Weg vielleicht Kontakte zu anderen Schülerinnen und Schülern.“ Sogenannte Helikoptereltern sind in den Augen der Schulleiterin in Breinig nur noch Einzelfälle. „Unverbesserliche gibt es immer wieder. Das wird sich nie ändern“, sagt Schmitz.

Auch an Eschweiler Grundschulen ist die Verkehrssituation immer wieder Thema. Mittlerweile gibt es an fünf der insgesamt zehn Grundschulen sogenannte Elternhaltestellen. Diese werden während der Schulzeit für Eltern freigehalten, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, aber nicht direkt bis vor den Eingang fahren wollen.

Verkehrshelferin Christiane Ahn steht seit mehr als sieben Jahren in Kinzweiler, um die Kinder dort über die Wardener Straße zu begleiten. „Seitdem die Elternhaltestelle an der Oberstraße eingerichtet wurde, lassen mehr Eltern ihre Kinder hier raus anstatt sie bis vor die Schule zu bringen“, berichtet sie. Etwa zehn bis 15 der 159 Schüler würden dorthin gebracht, schätzt Ahn.

Die Kinder aus Hehlrath kommen größtenteils zu Fuß, auch einige aus Kinzweiler gehen von ihrem Wohnort aus zur Schule. Stefanie Wagenplatz bringt ihren Sohn von Kinzweiler aus zur Elternhaltestelle. Er geht in die erste Klasse, noch traut sie ihm den halbstündigen Fußmarsch nicht allein zu. Deshalb ist die Elternhaltestelle eine gute Alternative für sie. „Man kann hier entspannt parken und die Kinder können lernen, schon mal einen kleinen Weg selbstständig zurückzulegen“, sagt Wagenplatz.

Von mehreren Müttern höre sie immer von der Situation direkt vor der Schule. Auch sie selbst sehe das Chaos, wenn sie ihren Sohn zur Schule begleitet. „Die Eltern parken wirklich direkt davor oder stehen im Wendehammer, so dass der Bus da nicht halten oder wenden kann“, beschreibt sie.

Eine, die ihre Tochter mal direkt bis vor die Schule gefahren hat, ist Elke Ennouhi. Das war in der zweiten Klasse. „Aber dann hat der Elternrat mich darauf aufmerksam gemacht und seitdem benutzen wir die Elternhaltestelle.“ Sie schätzt daran besonders, dass der Rest des Schulweges sehr ruhig und nicht befahren ist. 170 Meter sind es vom Überweg noch bis zur Schule. „Da können die Kinder nochmal frische Luft schnappen und vor dem Unterricht noch etwas abschalten“, sagt Ennouhi.

Knapp 60 Schüler begleitet Lotsin Christiane Ahn an diesem kalten, aber trockenen Herbstmorgen zwischen 7.30 und 8 Uhr über die Straße. An regnerischen Tagen seien es meistens weniger. Dann sei auch die Situation vor der Schule wieder schlimmer. „Es gibt dort keinen Bürgersteig, die Kinder müssen auf der Straße gehen, während Verkehr in beiden Richtungen auf der engen Straße ist, und die Anwohner sind genervt“, fasst Ahn nur einige Problempunkte zusammen. An das absolute Halteverbot im Wendehammer würde sich sowieso kaum jemand halten.

Die Elternhaltestelle an der Oberstraße wird von einigen Eltern angefahren. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Ortswechsel: Sari Yonet hat es eilig. Mit seinem Auto hält er direkt gegenüber von der Gemeinschaftsgrundschule Grüntal in Stolberger Innenstadt und bringt seinen Sohn noch bis zur Eingangstür. „Das heute ist eine Ausnahme“, betont Yonet. Normalerweise würde er sein Kind zu Fuß zur Schule bringen. Doch heute müsse es etwas schneller gehen, da er noch einen Termin habe.Von den zu Fuß ein paar Minuten entfernten Elternhaltestellen weiß er nach eigenen Angaben nichts, obwohl sein Kind bereits seit einem Jahr auf die Schule geht.

Nur wenige Eltern halten an diesem Morgen in der engen Straße. Die meisten der rund 200 Kinder kommen über den Kaiserplatz zu Fuß zur Schule – manche mit, manche ohne Begleitung von Mama oder Papa. Der Normalzustand? Die Meinungen gehen da auseinander. Yonet sagt: „Ich habe noch nicht erlebt, dass es hier mal chaotischer zugegangen ist.“ Andere Eltern stimmen ihm zu.

Gertrud Müller sieht das allerdings ganz anders: „Besonders morgens kann die Situation hier schon mal katastrophal sein. Heute ist es erstaunlich ruhig. Aber an manchen Tagen gibt es größere Staus vor der Schule.“ Da viele Kinder in der Offenen Ganztagsschule bis 16 Uhr bleiben, gebe es mittags wegen der verschiedenen Abholzeiten weniger Probleme, sagt Müller. Die bei Eltern wie Kindern sehr beliebte Verkehrshelferin muss es eigentlich wissen: Schließlich hält sie sowohl morgens als auch mittags während der gesamten Bring- und Abholphase für die Schüler die Autos in der Grüntalstraße an. Zumindest an diesem Tag ist ihre Arbeit nicht besonders stressig.

So soll es eigentlich sein: Eltern bringen ihre Kinder zu Fuß zur Gemeinschaftsgrundschule Grüntal. Foto: ZVA/Lars Voßen

An der Grundschule in Dürwiß fällt auf: Die Elternhaltestelle wird zwar genutzt, sie ist aber erstens recht klein – und liegt zweitens direkt vor dem Eingang zum Schulhof. Das kritisiert Mona Dohmen, die ihre Kinder jeden Tag aus Nothberg bringt. „Ich finde die Lage der Haltestelle nicht gut gewählt, denn das bringt mehr Verkehr in die Straße. So ist es für die Kinder noch schwieriger, die Straßenseite zu wechseln.“

Morgens sei es schon sehr chaotisch, weshalb sie immer an der Festhalle parkt und die Kinder von dort aus zu Fuß bringt. Das würde Dohmen sich von mehr Eltern wünschen. Wenn sie zumindest um die Ecke parken würden, wäre die Belastung vor der Schule nicht so hoch. Das unterstreicht Vera Gobbele: „Grundsätzlich finde ich die Idee einer Haltestelle gut, weil die Kinder wissen, wo sie hingehen müssen. Aber sie würden die Stelle bestimmt auch woanders finden, wo es ein wenig weiter weg ist.“

Direkt vor der Schule sei die Haltestelle außerdem recht eng. Mehr als drei Autos passen dort nicht gleichzeitig hin. Deshalb würden Eltern häufig auf andere Parkplätze in der Straße ausweichen. „Viele parken ein paar Meter weiter beim Kindergarten, aber dann sind da ja keine Plätze mehr“, sagt Gobbele.

Nicht alle Eltern halten sich an das Warnschild vor der OGGS in Breinig. Foto: Lars Voßen
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