Eschweiler: Veränderungen in Weisweiler: „Wir hatten mal eine Rundumversorgung“

Eschweiler: Veränderungen in Weisweiler: „Wir hatten mal eine Rundumversorgung“

„Wir hatten mal eine Rundumversorgung in Weisweiler. Hier gab es mal jede Menge“, sagt Brunhilde Pchalek und die 64-Jährige muss es wissen. Sie erblickte in Eschweilers Osten das Licht der Welt und ist seitdem nicht mehr aus dem Ortsteil wegzudenken. Ein richtiges Urgestein eben.

Im Rahmen unserer Serie zum Thema Nahversorgung haben wir mit ihr einen Spaziergang durch den Stadtteil gemacht, in dem sich in den vergangenen Jahrzehnten so einiges verändert hat.

So sah die Hauptstraße (mit Blick auf den Frankenplatz) in Weisweiler einst aus. Dass dort einmal der Handel florierte, ist heute kaum noch vorstellbar.

Drei Metzgereien, drei Bäckereien, zwei Apotheken, ein Schuhgeschäft, ein Fischgeschäft, zahlreiche Bauernhöfe und ein Bademodengeschäft: Allein an der Hauptstraße in Weisweiler habe es einst etliche Läden gegeben, erinnert sich Brunhilde Pchalek an ihre Kindertage.

Nicht allzu schön anzusehen sind die Schaukästen, die an der Hauptstraße zu sehen sind. Foto: Sonja Essers

Heute ist davon allerdings nicht mehr allzu viel übrig. Die meisten ehemaligen Geschäftslokale ziehen wegen der heruntergelassenen Rollläden die Blicke auf sich. „Weisweiler ist in den vergangenen Jahren mit und mit ausgestorben“, sagt Brunhilde Pchalek und hat eine Vermutung, woran dies liegen könnte: „Einige Geschäfte haben die Nachkommen nicht übernommen. Dann muss man sich nicht wundern, dass es immer weniger Läden gibt.“

Der Spaziergang startet an der Dürener Straße in Höhe der Apotheke. Während der Schuster auf der gegenüberliegenden Straßenseite auch noch nach etlichen Jahren die Sohlen der Einwohner flickt, hat sich neben der Pharmazie einiges geändert. Dort, wo heute Wohnhäuser stehen, war bis zur kommunalen Neugliederung im Jahr 1972 die Außenstelle des Langerweher Amtes untergebracht.

Standesamt und Büroräume sowie das Einwohnermeldeamt und die Friedhofsverwaltung saßen dort, erinnert sich Pchalek. Sie absolvierte dort ihre Ausbildung und erinnert sich nicht nur an viele schöne, sondern auch an die eine oder andere merkwürdige Stunde. Besonders die Arbeit in der Friedhofsverwaltung ist ihr auch heute noch im Gedächtnis. „Ich habe mal ein Paket aufgemacht, in dem eine Urne war. Da war ich noch ein junges Mädchen und ich habe mich vielleicht erschrocken“, sagt sie und lacht.

Einige Meter weiter bleibt Brunhilde Pchalek stehen. Auf der linken Straßenseite habe es einst eine Diskothek gegeben. Davon sei mittlerweile jedoch genauso wenig übrig wie von dem einstigen Supermarkt am Frankenplatz. Zwar sei ein großer Discounter nicht weit entfernt, für ältere Menschen sei dieser oftmals jedoch trotzdem schwer zu erreichen. „Wenn man mobil ist, dann ist das alles kein Problem. Aber ich habe Angst vor dem Tag, an dem mein Mann und ich das mal nicht mehr sein werden“, gibt die 64-Jährige zu und ergänzt: „Ein Lebensmittelladen im Ortskern fehlt einfach. Wir haben ja hier noch nicht mal mehr einen Metzger.“

Dass gerade die Hauptstraße in Weisweiler einmal das Zentrum des Handels im Ort war, ist heute kaum noch vorstellbar. „Schön ist diese Straße nicht mehr“, meint auch Brunhilde Pchalek. Mehrere Restaurants und Kneipen, eine Tankstelle, eine Bäckerei, zwei Friseure, ein Optiker, ein Tabakwarengeschäft, ein Modeladen, eine Eisdiele, ein Möbelfachgeschäft und zwei Blumenläden befinden sich heute noch auf Hauptstraße und Lindenallee. Zahlreiche Geschäfte stehen aber auch hier leer.

Doch nicht nur die Situation rund um die Nahversorgung habe sich im Laufe der Zeit geändert. Brunhilde Pchalek weiß, dass auch das Vereinsleben immer weiter abnimmt. „Wir hatten hier mal einen Taubenverein, einen Singkreis und einen eigenen Schwimmverein. Heute gibt es das alles nicht mehr, genauso wie unser Hallenbad und unser Freibad“, sagt sie.

Pchalek selbst ist Vereinsmensch durch und durch. Seit nunmehr 44 Jahren gehört sie der KG Lätitia Blaue-Funken-Artillerie Weisweiler an. Seit genauso vielen Jahren ist die 64-Jährige im Vorstand der Gesellschaft tätig. Umso mehr ärgert sie das Erscheinungsbild der Schaukästen an der Hauptstraße. Dort sind nicht nur die Pfarrbriefe und Termine der verschiedenen Gemeinden ausgehängt. Einige Scheiben sind zertrümmert oder der Inhalt der Kästen ist veraltet. „Die Veranstaltungen, die hier drinhängen sind teilweise schon zwei Jahre her. Das ist eigentlich eine Schande“, meint Brunhilde Pchalek.

Besonders wohl fühlt sie sich in der Weisweiler Festhalle. Dort sei sie während der Karnevalssession öfter anzutreffen als in ihren eigenen vier Wänden, erzählt sie und lacht. Auch dort hat sich in den vergangenen Monaten einiges geändert. Bernd von der Heiden hat Gaststätte und Halle gepachtet und den Gastraum erst einmal umbauen lassen. Brunhilde Pchalek gefallen die Neuerungen sehr gut.

Doch in Weisweiler soll sich in den kommenden Jahren noch viel mehr tun. Eine Bremer Investorengruppe will dort, wo derzeit Schützenhalle und -heim der Weisweiler Bruderschaft stehen, ein neues Zentrum errichten. Nicht nur ein fünfstöckiger Bau mit Altenwohnungen und -zimmern, sondern auch ein Café und mehrere Praxen sollen dort einziehen. Losgehen sollen die Bauarbeiten bereits im ersten Quartal des noch jungen Jahres.

Auf den rund 9600 Quadratmetern soll darüber hinaus auch ein neuer Schießstand und Veranstaltungssaal für die Weisweiler Schützenbruderschaft entstehen. Zudem erhält der Verein auch zwei Wohnungen, die vermietet werden können.

Ingesamt 20 Millionen Euro nehmen die Investoren für die Umsetzung des Projekts in die Hand. Für Brunhilde Pchalek könnte mit dem Bau ein großer Wunsch in Erfüllung gehen. Schließlich soll auch ein Supermarkt in den Komplex integriert werden.

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